10/11/20: VR-Banken, Star Finanz, Aareal, Goldman Sachs, HVB, Wefox

10. November 2020

Selbstverständlich (selbstverständlich!) reibt sich bei der Fiducia & GAD niemand die Hände, wenn’s anderswo drunter und drüber geht. Gleichwohl: Dass der genossenschaftliche IT-Dienstleister verglichen mit der Finanz Informatik (siehe hierhier, oder hier) und dem neuen Power-Couple aus Apobank und Avaloq (siehe hier) ganz gut durchs Jahr gekommen ist – das ist ja nun mal nicht von der Hand zu weisen. Umso ärgerlicher, dass es die Fiducia & GAD gestern dann doch erwischt hat. Infolge einer System-Umstellung kam es bei rund 150 Volks- und Raiffeisenbanken seit dem frühen Morgen zu stundenlangen Ausfällen im Online-Banking, in der mobilen App und auch an den SB-Automaten. Gegen 16.30 Uhr erreichte die Meldung, die Störung sei „vollständig“ behoben. Immerhin.

Sparkassen-Tochter Star Finanz sortiert ihre Führung neu: Dass der langjährige CEO Bernd Wittkamp den Software-Spezialisten verlassen würde, hatten wir Ihnen ja im Februar schon exklusiv erzählt. Heute früh dürfen wir nun vermelden: Nachfolger wird sein bisheriger Mitgeschäftsführer Jochen Balas. Zudem rückt Jens Rieken, bislang Leiter des „Sparkassen Innovation Hubs“, in die Geschäftsführung ein. Komplettiert wird das künftige Management durch den einstigen HSH-Nordbanker Martin Tobies. Dafür wird Christian Kastner die Star Finanz verlassen. Der hatte schon vor Wochen über Social Media nach einer Anschlussverwendung Ausschau gehalten („Hallo, ich suche eine neue Aufgabe als #CFO / #kaufmännischer #Geschäftsführer bevorzugt im süddeutschen Raum“).

Die Deutsche Bank und die EZB werden in diesem Leben ganz sicher keine Freunde mehr. Jüngster Beleg: Laut „Financial Times“ (Paywall) warnten die Aufseher das größte Geldhaus der Republik im Sommer vor Schwächen in dessen „Leveraged Finance“-Risikomanagement – verbunden mit der Aufforderung, das Geschäft in der Sparte vorübergehend zurückzufahren. Die Deutsche Bank indes? Habe sich der Bitte schlicht widersetzt, so die „FT“. Wer’s sich leisten kann.

Der impfstoff-bedingte Auftrieb an den Börsen gestern (Dax: plus 4,9%)  hat naheliegenderweise auch den Bank-Aktien sehr, sehr gut getan. Im Einzelnen: Deutsche Bank plus 5,6%, Commerzbank plus 15,6%, Aareal plus 12,4% und Deutsche Pfandbriefbank plus 15,0%.

News

Was bislang nur gefühlt feststand, darf nun als offiziell gelten: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing wird von April an BdB-Präsident, wie sein Vor-Vor-Vorgänger und Vorgänger Hans-Walter Peters gestern mitgeteilt hat … +++ … Peters selber wird das Amt von Januar bis März zwar hauptamtlich (weil er dann bei Berenberg raus ist …), aber zugleich unentgeltlich ausüben +++ Die Deutsche Bank will im kommenden Jahr rund 50 Postbank-Filialen schließen … (HB/Paywall) +++ … und hat den Verkauf der Postbank-IT an den indischen Tata-Konzern perfekt gemacht (HB/Paywall) +++ Die KfW verlängert ihre Corona-Hilfsprogramme bis Mitte nächsten Jahres (Mitteilung) +++ Aareal-Chef Hermann Merkens wird seiner Bank „aus gesundheitlichen Gründen“ für 3-4 Monate nicht zur Verfügung stehen; interimsmäßig übernimmt Finanzvorstand Marc Heß (Ad-hoc von Sonntag) +++ Offenbar wegen mangelnder Zuverlässigkeit will die Bafin den Chef der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden absetzen – das ist jenes Genoinstitut, dem wir aufgrund seines extrem hohen Fußball-Exposures und seiner Verpflichtung des früheren Fußball-Nationalspielers Stefan Effenberg schon zwei Artikel gewidmet hatten. (HB/Paywall) +++ Die Frankfurter Investmentboutique Mainfirst nimmt den Namen ihres US-Eigentümers Stifel an und firmiert künftig als Stifel Europe Bank AG (per Mail) +++  Goldman Sachs will vor dem Hintergrund des Brexits angeblich Geschäfte mit einem Volumen von rund 50 Mrd. Euro von London nach Frankfurt verlegen (MM-Online) +++ Die bisherige Risikochefin der Hypo Vereinsbank, Ljiljana Čortan, wechselt in gleicher Rolle zur niederländischen ING Groep (Mitteilung) +++ Kommunikationschef Richard Lips verlässt die Commerzbank (PR-Journal) +++ Der Berliner N26-Herausforderer Vivid Money expandiert nach Frankreich (per Mail)

Aus der Szene

Es ist ein Ritual. Alle paar Wochen erscheint in irgendeiner Tageszeitung oder irgendeinem Online-Dienst ein  positiv konnotierter Artikel über Wefox – also über das angeblich milliardenschwere deutsch-schweizerische Insurtech. Und irgendetwas lösen diese Berichte dann immer aus in Ronald Slabke – also im Chef des nicht nur angeblich, sondern ohne jeden Zweifel milliardenschweren Berliner Ur-Fintechs Hypoport. Was genau da ausgelöst wird, das haben wir noch nicht entschlüsselt. Und was Herr Slabke, mal abgesehen von einem losen Konkurrenzverhältnis, überhaupt mit Wefox zu schaffen hat, das ist uns auch nicht ganz klar. Aber fest steht: Er geht dann immer steil bei Twitter, der Herr Slabke, sobald irgendwer positiv über Wefox berichtet. Dokumentation einer Fintech-Fehde: Finanz-Szene.de

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing