11/04/19: Deutsche Commerz, KfW-Bilanz, Lampe-Desaster

11. April 2019

Täuscht unser journalistischer Instinkt, oder baut vor allem die Deutsche Bank mit ihren (gewiss nicht zufällig) geleakten Haltungen einem baldigen Scheitern der Fusionsgespräche mit der Commerzbank vor? Darauf zumindest deuten die wiederholt durchgedrungenen Forderungen nach mehr Zeit zur Prüfung der Zahlen hin, ebenso wie die Unwilligkeit, eine Prämie auf den Commerzbank-Aktienkurs zahlen zu wollen. Und, ganz banal auch: die Kursentwicklung sowohl der gelben als auch der blauen Aktie stützt diese These. Sie wollen’s konkreter? Hier der neueste Stand zur „Deutschen Commerz“ in unserem „Kurz gebloggt“: Finanz-Szene.de

Die KfW bekommt ihre Kasse nicht verriegelt: Wenn es darum geht, Kostenziele zu verfehlen, gibt es in der Frankfurter Bankenlandschaft Serientäter. Inzwischen muss man auch die KfW dazuzählen, wie die Kollegen von der „Börsen-Zeitung“ heute Morgen durchdeklinieren. Vordergründig stieg der KfW-Gewinn 2018 zwar um 200 Mio. Euro auf 1,6 Mrd. Euro, weil die extrem niedrige Risikovorsorge das sinkende Zinsergebnis und die gestiegenen Kosten mehr als kompensiert hat. Das vor vier Jahren ausgegebene Ziel, den Kostenzuwachs auf drei Prozent pro Jahr zu begrenzen, hat die Bank aber auch 2018 meilenweit verfehlt – die Verwaltungsaufwendungen stiegen um 13 Prozent. 2019 soll alles besser werden: Das Ziel des Drei-Prozent-Deckels gelte weiterhin.  BÖZ (Paywall), Pressemitteilung

Das zum Oetker-Reich gehörende Bankhaus Lampe (hier unsere beiden großen Analysen zu den 2016er und den 2017er-Zahlen) hat der Öffentlichkeit gestern seine 2018er-Zahlen präsentiert. Ein paar Anmerkungen hierzu: Der in der Pressemitteilung hervorgehobene Konzernbilanzgewinn von 15 Mio. Euro basiert auf „sonstigen betrieblichen Erträgen“ (sbE) in Höhe von 38 Mio. Euro. Die „sbE“ überstiegen die Zinserträge (36 Mio. Euro) und waren – entschuldigen Sie bitte unser seltsames Deutsch – zwei Fünftel so groß wie die nebenbei bemerkt um 7% gesunkenen Provisionserträge (95 Mio. Euro). Die „sbE“ enthielten ihrerseits aufgelöste „andere Rückstellungen“ in Höhe von 24 Mio Euro, womit also auch die aufgelösten „anderen Rückstellung“ den Konzernbilanzgewinn überstiegen. Die Krux, aber da erzählen wir Ihnen ja nichts Neues: Jeder zurückgestellte Euro lässt sich nur einmal auflösen, selbst wenn es ein „anderer“ ist. Geschäftsbericht, Seite 21 des PDF

Was es von der gestrigen EZB-Ratssitzung samt anschließender Pressekonferenz wirklich Neues zu berichten gibt, haben wir hier für Sie in drei Punkten zusammengefasst:
1.)
2.)
3.)
Die Reaktion der Bankaktien: knapp behauptet.

Zwölf Jahre lang ist Auxmoney seinem angestammtem Geschäftsmodell weitgehend treu geblieben (P2P- bzw. Marketplace-Lending im Konsumentenkredit-Segment): Nun jedoch stößt das 2007 gegründete Düsseldorfer Proto-Fintech ins Geschäft mit Firmenkunden vor, wie Gründer Rafael Johnen dem „Handelsblatt“ erzählt hat. Kreditvolumen: bis zu 750.000 Euro (jedenfalls ist das die Maximalsumme, die außen draufsteht). Was auffällt: Anders als im Konsumenten-Bereich (wo die Partnerbank SWK nur die Abwicklung übernimmt) kommen laut „HB“ im KMU-Bereich auch die Kredite vom Partner (in diesem Fall wieder mal die umtriebige Solarisbank). Damit stellt sich die Frage: Wo findet eigentliche Fintech-Wertschöpfung statt? Oder anders gefragt: Macht Auxmoney die  Bonitätsprüfung oder Solaris? Geht aus dem Artikel leider nicht so richtig hervor. Uns scheint, als wäre Letzteres der Fall (jedenfalls vorerst). Das hieße dann aber, dass Auxmoney im KMU-Geschäft (jedenfalls vorerst) eher ein Vermittler ist, ähnlich wie Fincompare oder Compeon. Und nicht, wie im angestammten Modell, eine Quasi-Bank, halt nur ohne Bilanzsumme. Handelsblatt (Paywall)

Kurzmeldungen: N26 hat laut „Handelsblatt“ nicht nur Ärger mit der Bafin, sondern auch mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten. Grund: Die Fintech-Bank führte als Schutz vor Geldwäsche eine „schwarze Liste“ mit ehemaligen Kunden. Das aber sei verboten (HB/Paywall) +++ Amundi hat sein Interesse an einer Übernahme der DWS (siehe unsere Analyse vom 28. März) noch einmal deutlich untermauert (Reuters) +++ Die NordLB hat  faule Schiffskredite in Höhe von 2,6 Mrd. Euro jetzt endgültig an Cerberus verkauft. (BÖZ) +++ Das Bankhaus Lampe hat bei einem Jahresüberschuss von 15,2 Mio. Euro (Vorjahr: 15,5 Mio. Euro) nur 1,9 Mio. Euro (Vorjahr: 0 Mio. Euro) Steuern gezahlt. Das muss man als pumperlgesunde Bank auch erstmal schaffen 😉 (Geschäftsbericht, Seite 21 des PDF)

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