12/05/20: mBank, ING, Wirecard, Hypoport, BKMU, Comdirect

12. Mai 2020

Commerzbank bricht mBank-Verkauf ab und schiebt’s auf die Corona-Krise … Nur, damit nichts durcheinander gerät: Als „Reuters“ am 4. Februar berichtete, dass es allem Anschein nach nur noch einen ernsthaften Bieter für die polnische Coba-Tochter gebe – da war doch noch kein Covid-19, oder? Und als wir selber am 20. Februar titelten: „Was bei der Polen-Tochter der Commerzbank wirklich los ist“ – da drehte sich die Welt doch auch noch ganz normal, richtig? Jedenfalls: Gestern hat die Commerzbank verkündet, was spätestens seit Anfang April (siehe die damalige HB-Story) jeder wusste oder zu wissen glaubte, nämlich: Der Verkauf der Warschauer mBank wird abgeblasen. „Das von der Corona-Krise geprägte Kapitalmarktumfeld ermöglicht es uns […] nicht, eine attraktive Bewertung zu erzielen“, lässt sich CFO Bettina Orlopp in der zitieren und schiebt hinterher: „Unsere starke Kapitalposition gibt uns den Spielraum, unsere Strategie ,Commerzbank 5.0′ auch ohne den mBank-Verkauf umzusetzen und die dafür geplanten Investitionen zu tätigen.“ Was zu beweisen sein wird. Mitteilung

Haben Sie am Freitag brav aus unserem Newsletter heraus auf die Live-Berichterstattung zu den Q1-Zahlen der ING Deutschland geklickt? Falls ja, dann werden Sie schon wissen, dass es der Frankfurter Oranje-Bank gelungen ist, die Einlagenflut zu stoppen. Und dass sie es geschafft hat, die Risikovorsorge erstaunlich niedrig zu halten. Reicht das an Erkenntnissen? Nein! Denn nachdem wir uns das Zahlenwerks übers Wochenende nochmal in Ruhe angeschaut haben, sind uns ein paar weitere Dinge aufgefallen. So steht die deutsche ING im Firmenkundengeschäft momentan erstaunlich kräftig auf der Bremse; wohingegen sich bei den Retail-Provisionen endlich mal ein bisschen was getan hat. Die erstaunlichste Erkenntnis indes: Kann es sein, dass die ING Groep eines nicht mehr allzu fernen Tages in Deutschland mehr Gewinn machen als in ihrem niederländischen Heimatmarkt? Voilà: Finanz-Szene.de

Und nochmal Wirecard: Dass unsere Freunde aus Aschheim am Freitagabend einen Umbau des Vorstands verkündet haben, werden Sie mitgekriegt haben. Als Compliance-Chef kommt von der Deutschen Börse ein Tough-Guy-Amerikaner namens James Freis (hat mal fürs US-Finanzministerium gearbeitet und Geldwäsche bekämpft …); daneben werden ein (neuer) COO und ein (neuer) Vertriebschef installiert. Markus Braun? Wird angeblich ganz doll entmachtet. Bleibt aber CEO. Und Braun-Intimus Marsalek? Wird angeblich noch viel mehr entmachtet. Bleibt aber laut Ad-hoc für die „Konzernkoordination des Drittpartner Acquiring“ zuständig. Interessant. Die Aktie? Zunächst nachbörslich krass rauf auf annähernd 100 Euro. Gestern aber wieder ein gutes Stück runter. Schlusskurs: 91,58 Euro. Ad-hoc-Mitteilung

News

In den ersten Monaten dieses Jahres haben rund 400 von 1250 untersuchten Banken und Sparkassen ihre Gebühren für das Girokonto angehoben. Kostete ein Online-Konto zu Jahresbeginn im Schnitt noch 3,42 Euro monatlich, sind es jetzt schon 3,83 Euro. (Süddeutsche) +++ Das Neugeschäft bei Konsumentenkrediten lag zuletzt um rund ein Drittel unter dem Vorjahr (Twitter) +++ Die Deutsche Bank hat die Emission einer 1,25 Mrd. Euro schweren Benchmark-Anleihe angekündigt, die sich dem „Tier 2“ genannten Ergänzungskapital zurechnen lassen wird. Kupon: 5,625%. (BÖZ) +++ Die BNP Paribas glaubt nicht mehr so recht an ihr Ziel, in diesem Jahr hierzulande auf 2 Mrd. Euro Erträge zu kommen (BÖZ/Paywall) +++ Die Commerzbank hat nach „Bloomberg“-Informationen McKinsey mit der Prüfung des Geschäftsmodells beauftragt (Cash) +++ Die Kredit-Plattform Hypoport hat nach deutlichen Zuwächsen im Q1 die Prognose fürs Gesamtjahr bestätigt. Demnach soll der Umsatz auf 400 Mio. bis 440 Mio. Euro zulegen. (Finanzen.net) +++ N26 trennt sich in den USA aufgrund der Corona-Krise von 9 seiner 90 Mitarbeiter. Betroffen sind ungefähr die Funktionen, für die hierzulande die Kurzarbeit greift. (FinanceFwd) +++ Bei der Comdirect ist der erste Corona-bedingte Handelsboom schon wieder vorbei. Im April wurden 4,3 Mio. Orders ausgeführt nach 5,7 Mio. im März (per Mail)

Wussten Sie schon …

… dass sich das Insolvenzverfahren der 1994 gegründeten und 2002 von der Bafin geschlossenen „Bank für kleine und mittlere Unternehmen“ (BkmU) nach 18 Jahren dem Ende zuneigt? Das in Berlin ansässige Institut hatte es sich zum Ziel gesetzt, mittelständische Firmen mit Krediten zu versorgen – also in heutiger Terminologie eine Mischung aus Challenger-Bank und Finanzierungs-Fintech. Die Refinanzierung sollte vom Land Berlin, der evangelischen Kirche sowie über Einlagen und Schuldverschreibungen (mit bis zu 7% Zins!) kommen. 12.000 Anleger griffen beherzt zu und investierten einen insgesamt dreistelligen Millionenbetrag  – was sie, siehe oben, besser nicht getan hätten. Seit einigen Tagen jedenfalls ist jetzt endlich das „Verteilungsverzeichnis“ beim Amtsgericht Charlottenburg hinterlegt (AZ 101 IN 2398/02). Die Forderungen belaufen sich auf 178 Mio. Euro, der Abschlag auf 36 Mio. Euro. Falls Sie wissen wollen, wie, was nun endet, einmal anfing: Hier ein Interview mit der BkmU-Gründerin von 1998 … Tagesspiegel

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