12/12/19: Wirecard, MM Warburg, Comdirect, Wefox, Forexfix, Finoa

12. Dezember 2019

Wirecard, die Shortseller und der Geheimdienstchef: Wenn es nicht in der Zeitung stünde, würde man es nicht glauben. Die „Financial Times“ hat gestern Morgen eine Story veröffentlicht, wonach ein früherer Spitzenagent des libyschen Geheimdienstes mithilfe zweier britischer Detektivbüros gegen Hedgefonds hat ermitteln lassen, die auf einen Kursverfall bei der Wirecard-Aktie wetteten. Möglicher Hintergrund: Der Agent soll selber Aktionär des Dax-Konzerns sein. Das ist aber noch nicht alles. Denn die „FT“ präsentierte zudem ein Dokument, aus dem hervorgehen soll, dass Wirecard-kritische Investoren und Journalisten auch schon 2016 beschattet worden sein sollen …

… und was sagt Wirecard zu alldem? Das „Handelsblatt“ zitiert einen Sprecher wie folgt: „Wir haben niemanden beauftragt, Individuen untersuchen oder beschatten zu lassen  […] Richtig ist, dass Wirecard im Jahr 2016 eine externe Forensik-Beratung beauftragt hat, die Drahtzieher krimineller Short-Attacken zu identifizieren. Das Mandat umfasste jedoch keine Beschattung von Personen […] Im Folgenden hat sich das von uns beauftragte Unternehmen bedauerlicherweise verselbstständigt und von sich aus Privatermittler für eine einmalige Beschattung beauftragt […] Nachdem Wirecard-Manager über diese Überwachung informiert worden sind, wurde sie umgehend beendet.“ Von den angeblichen Aktionen des Libyers distanzierte sich Wirecard komplett. Handelsblatt (Paywall)

Wo wir schon mal beim Thema sind: Der TCI-Fonds des Hedge-Fonds-Managers Christopher Hohn hat seine Short-Position bei Wirecard auf 0,67% ausgebaut, und für die Aktie ging es gestern um weitere 4,5% runter auf nur noch 103,95 Euro.

Kommen wir von Wirecard zu Warburg und werden ein bisschen „White collar“-mäßiger: Also: Die Hamburger Privatbank, die in der Cum-Ex-Affäre lange Zeit eine ziemlich dumm-dreiste fragwürdige „Uns kann keiner was“-Attitüde an den Tag gelegt hatte, hat gestern in Gestalt ihres Anwalts Christian Jehke eine bemerkenswerte Kehrtwende verkündet. Der nämlich berichtete vor dem Bonner Landgericht, man sei in Gesprächen mit den Finanzbehörden, damit „alle mit diesen Geschäften erzielten Gewinne unverzüglich an den Fiskus ausgekehrt werden“. Die „Süddeutsche“ sieht in der Stellungnahme eine „Signalwirkung weit über Warburg hinaus“. Klingt plausibel. FAZ, SZ

Hat die Commerzbank diese Niederlage einkalkuliert? Oder hat sie sich völlig verkalkuliert? Tatsache jedenfalls ist: Der Versuch, bei der Comdirect mithilfe eines Übernahmeangebots an die freien Aktionäre von 82% auf mindestens 90% zu kommen (und damit die Comdirect geräuschlos, rechtssicher und in Cash schlucken zu können), ist krachend gescheitert. Denn statt der notwendigen rund 8% wurden der Frankfurter Großbank lediglich 0,32% der Aktien ihrer eigenen Tochter zum Übernahmepreis von 11,44 Euro angedient. Und nun? Droht der Commerzbank ein umständliches, potenziell langwieriges und womöglich auch teures Alternativ-Procedere mit eigenen Aktien. Hier die News des gestrigen Tages (Finanz-Szene.de). Und hier nochmal unsere Analyse von letzter Woche, die aufdröselt, warum das nun drohende Szenario vor allem aus finanzmathematischen Gründen ziemlich doof ist für die Coba: Finanz-Szene.de

Lieber Julian Teicke, ehrlich gesagt haben wir Sie lange Zeit für einen ziemlichen Schnacker gehalten (von wegen Unicorn und so …). Gestern Vormittag allerdings haben Sie uns fürs erste verstummen lassen. Da nämlich (Mist, wie kommen wir jetzt von der direkten Ansprache wieder in die dritte Person? Ach, wurscht …) verkündete Teicke, Gründer des schweizerisch-deutschen Insurtechs Wefox, dass sein Unternehmen der 125-Mio.- Dollar-Runde aus dem März eine 110.-Mio.-Dollar-Finanzierung habe folgen lassen. Womit das mit der Einhorn-Bewertung (also mindestens 1 Mrd. Dollar) plötzlich ziemlich plausibel klingt. TechCrunch

Kurznachrichten

Die EZB verschärft die Kapitalvorgaben für die Commerzbank und verlangt von 2020 an eine  harte Kernkapitalquote von 10,63% (Reuters/Finanzen.net) +++ Interessanter kleiner Deal: Die Fondsdepot Bank übernimmt die hiesige Axa Bank (Fondsprofessionell) +++ Laut „HB“ plant die Bundesregierung einen 1 Mrd. Euro schweren, staatlich-privaten Investitionsfonds für Startups. Wäre doch gelacht, wenn da nichts für unsere Fintechs abfällt (Handelsblatt, Paywall) +++ Oliver Dreiskämper, der bei der Deutschen Bank den  Robo-Advisor „Robin“ und den Online-Broker Maxblue verantwortet, wechselt zu Fidelity (HB, Print) +++ Das Berliner Fintech Forexfix (erhofftes Geschäftsmodell: Überweisungen ins Ausland) hat sich an den belgischen Wettbewerber Ibanfirst verkauft (per Mail) +++ Die Solarisbank will ins Verwahrgeschäft für Krypto-Währungen einsteigen und hat hierfür die Tochtergesellschaft „Solaris Digital Assets“ gegründet (Mitteilung) +++ Das Krypto-Fintech Finoa, das genau das macht, was die Solarisbank jetzt machen will, hat als „Chief Banking Officer“ Jan-Peter Kind verpflichtet, bislang Managing Director bei der hiesigen VTB (per Mail) +++ Aufsichtsratschef Rolf Elgeti hat sich wieder einmal mit Creditshelf-Aktien eingedeckt (Pflichtmitteilung)

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