13/01/21: Banken-Fusionen, HSBC Deutschland, UBS, Checkout.com, Plaid

13. Januar 2021

Kommt denn jetzt die große Fusionswelle – oder kommt sie doch wieder nicht? Die EZB-Bankenaufsicht immerhin hat gestern das Signal gesendet, dass es an ihr jedenfalls nicht scheitern soll, und den schon vor Monaten angekündigten Leitfaden zur Konsolidierung des europäischen Bankensektors veröffentlicht. Die Kernpunkte: Wer fusionieren will, darf 1.) mit Erleichterungen bei den Kapitalvorgaben rechnen, 2.) auf eine großzügige Auslegung der sogenannten Badwill-Regeln hoffen (was unter anderem den Kameraden Knof interessieren dürfte) und 3.) darauf setzen, dass die gewohnten Risikomodelle zumindest für eine Übergangszeit weiter angewendet werden dürfen. Wer’s genauer wissen möchte, den verweisen wir auf die Ausführungen der Kollegin Osman heute Früh (Handelsblatt/Paywall), und wer es sogar ganz, ganz genau wissen will, der findet unter diesem Link hier das EZB-Papier im Original: bankingsupervision.europa.eu

Es ist seit Jahren das immer gleiche Muster: Sobald wir schreiben, in Deutschland gehe in puncto Fintech-Fundings jetzt so richtig die Post ab, kommt nur wenige Tage später irgend so ein angelsächsischer (oder wahlweise auch: skandinavischer) Player daher und setzt noch mal so richtig einen drauf. Gestern also nun Checkout.com, das wahnwitzige, erst 2012 gegründete britische Payment-Startup (zum Geschäftsmodell siehe unsere Analyse von vor zwei Jahren): 450 Mio. Dollar Kapital zu einer Bewertung von 15 Mrd. Dollar, womit Checkout.com nun als wertvollstes europäische Finanz-Startup gelten darf. Irgendwie krass, dass der Payment-Urknall (vielleicht mit Ausnahme von SumUp, siehe unser heutiger Aufmacher) an Deutschland so völlig vorbeigeht: Die Schweden? Haben Klarna. Die Holländer? Haben Adyen. Die Briten? Haben Checkout.com. Und wir hier? Haben den schönfrisierten Karl-Theodor zu Guttenberg im Wirecard-Untersuchungs-Ausschuss. CNBC (Checkout-Artikel)

News

Die Übernahme des mit gut 5 Mrd. US-Dollar bewerteten Fintechs Plaid durch den Kreditkartenkonzern Visa ist endgültig abgeblasen worden (Business Wire) +++ Apropos Brit-Fintechs: Auch der hippe Kreditkarten-Spezialist Curve hat gefundet, und zwar 95 Mio. Dollar (CNBC) +++ Die deutschen Genossenschaftsbanken haben 2020 trotz (oder wegen) Corona ihr Neukredit-Volumen im Vergleich zum Vorjahr um bemerkenswerte 6% auf 663 Mrd. Euro gesteigert (Mitteilung) +++ Der frühere Commerzbank-Manager Nikolaus Speer tritt als neuer Risikochef in den Vorstand der HSBC Deutschland ein (Institutional Money) +++ Die Deutsche Bank will US-Medien zufolge kein Neugeschäft mehr mit dem scheidenden US-Präsidenten Donald Trump machen (NY Times/PaywallSpiegel) +++ Die Schufa plant laut „SZ“ einen neuen Anlauf für ihr „Check Now“-Projekt (Süddeutsche) +++ (Ausgerechnet) die Commerzbank soll die Bafin Anfang 2020 auf Geldwäsche-Risiken bei Wirecard hingewiesen haben (FT/Paywall) +++ Kommunen in Nordrhein-Westfalen können bei der NRW.Bank künftig Kredite zu negativen Zinsen aufnehmen (BÖZ/Paywall) +++ In der Schweiz verschärft die UBS ihren Sparkurs – und will bis März 44 ihrer noch 239 Filialen schließen (NZZ)

Winterpausen-Rückblick (II)

Tritt ein neuer Chef an, packt dieser meist so viele Probleme wie möglich in die alte Bilanz, gefolgt von Worten, die seine Mitarbeiter mal motivieren, mal auf noch schwierigere Zeiten einstimmen sollen. Der neue Commerzbank-CEO Manfred Knof ist da keine Ausnahme. Hier last minute noch die Risikovorsorge erhöht (und zwar kräftig!), dort die Aufwendungen für den Stellenabbau, dann mal eben die Zuständigkeiten im Vorstand neu sortiert und intern noch von „weiteren Restrukturierungsmaßnahmen“ geraunt. Kurz gesagt: Es ist mächtig was los gewesen bei der Coba während unseres dreiwöchigen Finanz-Szene.de-Lockdowns. Und andernorts? Die Deutsche Bank hat mal wieder laut über Fusionen mit anderen europäischen Häusern nachgedacht (hm, ja klar) und mal wieder einen Vergleich geschlossen; bei der KfW rumort es offenbar gewaltig; und auch sonst hat die deutsche Bankenbranche während unserer Winterpause nicht wirklich Pause gemacht. Der große Rückblick, zweiter und letzter Teil: Finanz-Szene.de

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