16/09/20: Grenke, 1822direkt, Klarna, Tomorrow, KFW-Ipex, Pleo

16. September 2020

Beginnen wir unser Briefing mit dem Aufreger-Thema des gestrigen Tages, also mit Grenke und der entscheidenden Frage: Ist da was dran??? Kurz gesagt: Keine Ahnung!!! Für alle, die es nicht oder nur so halb mitbekommen haben: Grenke, der mittelständische Leasing-Spezialist mit angeschlossener Banktochter, ist gestern von einem selbsternannten Research-Dienst namens Viceroy derart heftig angegangen worden, dass die Aktie um bis zu 28% abrauschte. Macht einen vernichteten Börsenwert von in der Spitze 700 Mio. Euro. Uff!

… In dem gut 60-seitigen Report, den die Shorties von Viceroy vorlegten, wimmelt es von schweren und schwersten Vorwürfen, so soll Grenke angeblich (!!!) über Jahre hinweg die Bilanzen aufgebläht sowie zu hohe Gewinne und Cash-Bestände ausgewiesen haben, sogar von „Betrug“ ist die Rede. Natürlich kommt einem da Wirecard in den Sinn, zumal hinter Viceroy ein Shortseller namens Fraser Perring steht, der Anfang 2016 auch zu den Autoren des berüchtigten Zatarra-Reports („Wirecard – Kursziel null“) gezählt hatte. Ist die Parallele also zulässig: Damals Wirecard, heute Grenke??? Gemach!!! So wie Shortseller früher nicht automatisch die Bösen waren, sind sie jetzt nicht automatisch die Guten. Die Bafin handelt daher richtig, wenn sie (wie sie gestern bereits ankündigte) den Fall in sämtliche Richtungen untersucht. Manager Magazin, Spiegel (Paywall), HB (Paywall), Der Viceroy-Bericht im Original (PDF), Grenke-Stellungnahme

Auch die 1822direkt (mit ihren immerhin knapp 600.000 Bestandskunden …) verabschiedet sich aus der Schlacht um Neukunden. Beleg eins: Seit einigen Wochen erhalten „inaktive“ Kunden kein kostenloses Standard-Girokonto mehr. Beleg 2: Im kürzlich veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht ist die jahrelang rituell gebrauchte Formulierung, wonach der Fokus „auf dem Ausbau des Kundenbestandes beim Girokonto“ lag, verschwunden. Stattdessen? Ist jetzt von einer „Optimierung des Giro- und Wertpapiergeschäftes“ die Rede. Mit Blick auf die nackten Zahlen scheint der Schritt überfällig: In den letzten fünf Jahren hat die Fraspa-Tochter 232.000 Kunden (brutto) angeworben, ihre Kundenzahl aber netto nur um 55.000 Kunden gesteigert. Angesichts dieser mutmaßlich teuren Fluktuation wundert der schmale Gewinn (0,8 Mio. Euro) nicht wirklich.

News

Europas größtes Fintech, der Zahlungsdienstleister Klarna, hat gestern sein bereits absehbares Riesen-Funding auch offiziell verkündet: 650 Mio. Dollar zu einer Bewertung von 10,7 Mrd. Dollar … +++ … Mit dem Geld wollen die Schweden nun (Obacht, Ihr Fraspa-Töchter und sonstigen Altbanken!) u.a. auf dem deutschen Markt ihre Angebotspalette ausweiten und neben Festgeld und Kreditkarte künftig wohl auch das typischste aller Retailbanking-Produkte offerieren – nämlich ein Girokonto. (HB/Paywall) +++ Die Hamburger Neobank Tomorrow will ihre eigenen Kunden um insgesamt 2 Mio. Euro anpumpen und verspricht im Gegenzug die Ausgabe „virtueller Anteile“. Klingt fancy („Die Umsetzung erfolgt digital und tokenbasiert“) – aber ist’s das auch? (per Mail) +++ Die KfW-Ipex hat ihren 100 Mio. Euro schweren Wirecard-Kredit laut „Spiegel“ für möglicherweise nur 10% des Nennwerts an eine irische Investmentfirma abgestoßen (Spiegel) +++ Apropos KfW-Ipex: Die Staatsbank soll 73 Kreuzfahrtschiffe mit Krediten im Umfang von 8,4 Mrd. Euro finanziert haben. Es gibt vermutlich bessere Risiken derzeit. (Wiwo) +++ In den laufenden Tarifverhandlungen hat Verdi gestern zu Warnstreiks in zwei Call-Centern der Deutschen Bank aufgerufen. (dpa-afx/finanznachrichten.de) +++ Die Hanseatic Bank hat Google Pay eingeführt … (Caschys Blog) +++ … während das auch hierzulande aktive dänische Kreditkarten-Fintech Pleo seinen Kunden seit gestern Apple Pay anbietet (per Mail)

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