17/03/20: Corona-Splitter, US-Banken, N26, Sparda West, Quintet

17. März 2020

Wie würden Sie die Überschrift „Grooming the next generation of global entrepreneurs“, die sich seit gestern im „CEO-Blog“ von N26 findet, übersetzen? Wir haben den Satz mal bei „Google Translation“ eingegeben, und rausgekommen ist: „N26 und sein US-Chef Nicolas Kopp trennen sich.“ Nun ist der Blog-Beitrag, den Valentin Stalf da verfasst hat oder hat verfassen lassen, mit so vielen Nettigkeiten („Nic was a natural choice“) und so viel persönlichem Klimbim („Nic and I have known each other for a long time“) gespickt, dass man davon ausgehen darf: Es handelt sich 1.) tatsächlich um eine Trennung im Guten. Und 2.) will Kopp jetzt tatsächlich sein eigenes Unternehmen aufziehen. Gleichwohl bleibt beim Blick auf die diversen Abgänge bei N26 in den letzten Monaten die Frage: „Grooming the next generation of global entrepreneurs“, ist doch hoffentlich nicht der neue Daseinszweck des Berliner Vorzeige-Fintechs, oder? N26-BlogInstagram (mit Buddy-Bildchen aus Zeiten, in denen man einander noch berühren durfte)

Wenn es eine Deutung der Corona-Krise gibt, auf die sich (siehe auch unser heutiger Aufmacher) mehr oder weniger alle einigen können, dann die, dass sich die Digitalisierung der Finanzbranche durch die neue Lage massiv beschleunigen könnte. Das ändert freilich nichts daran, dass auch die Fintechs dieser Tage ganz schön zu strampeln haben, um den Betrieb am Laufen zu halten. Bei vier der wichtigsten Player (nämlich Hypoport, N26, Deposit Solutions und der Solarisbank) haben wir uns einfach mal umgehört, wie sie denn mit der momentanen Situation umgehen. Hier unser Protokoll: Finanz-Szene.de

Falls Sie sich jemals gefragt haben sollten, ob Banken eher in die Kategorie „Fitness-Studio“ oder eher in die Kategorie „Drogerie“ gehören – Letzteres ist der Fall. Denn wie die Bundesregierung gestern Abend mitgeteilt hat, sollen zwar Bars, Clubs, Diskotheken, Kneipen, Theater, Museen, Spielplätze, Fitness-Studios, „normale“ Geschäfte und nicht zuletzt die Bordelle geschlossen werden – Banken und Sparkassen indes dürfen ebenso wie Lebensmittel-Geschäfte, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Friseure, Waschsalons und nicht zuletzt wie die Tierbedarfs-Märkte offenbleiben…

Wobei, ist das mit dem „Dürfen“ überhaupt richtig formuliert? Oder „sollen“ die Banken und Sparkassen offenhalten? Interessante Frage, oder? Denn Sie, liebe Bankvorstände, haben (ob aus betriebswirtschaftlichem Kalkül, schierer Notwendigkeit oder blanker Not, sei mal dahingestellt) dieser Tage ja bereits Tatsachen geschaffen. So teilte die Hypo-Vereinsbank gestern mit, dass von diesem Dienstag an rund ein Drittel aller Filialen „vorübergehend“ geschlossen werden. Auch die Commerzbank macht erst einmal eine nicht näher bestimmte Zahl von Zweigstellen dicht, von vielen Sparkassen und Volksbanken wird ähnliches berichtet – während die Deutsche Bank (Stand gestern) ihre Filialen hingegen erst einmal aufgesperrt halten will. Und der BdB? Teilte gestern schon mal vorsorglich mit, dass Kunden ja auch an vielen Supermarktkassen Bargeld abheben könnten. Ein ganz schön schlanker Fuß, nicht wahr, lieber Bankenverband?! Aber wer will’s Dir verdenken.

Der hiesigen Kreditwirtschaft dürfte es ein schwacher Trost sein – aber spätestens seit gestern geht’s auch bei den US-Banken so richtig rund, und das aus zwei Gründen. 1.) Mit dem US-ZInssenkungs-Hammer vom Sonntag blüht den amerikanischen Instituten nun ein Einbruch im Zinsgeschäft – also bei der bequemsten und vermutlich auch lukrativsten Einnahmequelle der vergangenen Jahre. Und 2.) Die US-Banken müssen auf Geheiß der Aufseher im zweiten Quartal ihre Aktienrückkäufe unterbrechen – Gift für die Kurse. Drum gestern: Wells Fargo -9%, Goldman Sachs -10%, Morgan Stanley -12%, JP Morgan -14%. Womit die US-Banken aufs Jahr gesehen jetzt annähernd so schlecht abgeschnitten haben (minus 43%) wie Banken in der Eurozone (-47%).

Man traut es sich ja kaum zu schreiben (um die Lage nicht noch mehr anzuheizen) – aber: Zu den Erkenntnissen des gestrigen Tages gehört leider auch, das ein für die Refinanzierung deutscher Banken elementar wichtiger Markt zumindest zarte Stresssysmptome zeigt, nämlich der gut 230 Mrd. Euro schwere Pfandbriefmarkt. Lag der Spread (jeweils gemessen an den entsprechenden Bundesanleihen) bei langfristigen Pfandbriefen Mitte Februar noch bei 31 Basispunkten, so sind es inzwischen 43 Basispunkte; während es bei mittelfristigen Pfandbriefen Mitte Februar noch 36 Basispunkte waren, jetzt aber 55 Basispunkte. Nun kann man sagen, das ist doch nicht dramatisch – und nein, dramatisch ist es tatsächlich nicht. Beunruhigend aber schon. Denn bei 62 Basispunkten wäre bereits ein Zehn-Jahres-Hoch erreicht.

Kurzmeldungen: Die Commerzbank will den verbliebenen Comdirect-Kleinaktionären eine weitaus geringere Abfindung zahlen als dem Großaktionär Petrus Advisers. Statt 15,15 Euro sollen die Normalanleger nur 12,75 Euro je Anteilsschein erhalten (Mitteilung) +++ Die Sparda-West weist auch für 2019 einen auffallend mickrigen Jahresüberschuss aus (7,5 Mio. Euro), sagt in der entsprechenden Mitteilung aber nicht wirklich was zu den Gründen (Mitteilung) +++ Die Postbank war gestern morgen (Ursache diesmal: Probleme mit dem sog. Best-Sign-Login) für rund 2,5 Stunden weder online noch mobil zu erreichen. In normalen Zeiten unschön. An einem Tag wie gestern schwer verzeihlich (eigene Recherche) +++ Die Aktie der Deutschen Bank hat gestern nach einem wilden Zickzack-Kurs weitere 11% verloren und notierte zum Handelsschluss bei 4,80 Euro; für die Commerzbank ging es 12% auf 2,96 Euro runter +++ Noch krasser erwischte es die DWS, die gestern 19% verlor; und für den Berliner Baugeld-Vermittler Hypoport ging es sogar 21% runter +++ Im Bonner Cum-Ex-Prozess soll, weil die Corona-Krise ansonsten das Verfahren gefährden könnte, noch in dieser Woche das Urteil gefällt werden (Süddeutsche) +++ Die Ernennung von Ex-UBS-Deutschland-Chef Thomas Rodermann zum neuen Merck-Finck-Chef ist jetzt offiziell. Darüber hinaus rückt er in den Vorstand der Mutter Quintet. (PBM) +++  Bafin-Präsident Felix Hufeld ordnet Corona als „erhebliche Belastung“ ein, die für die Finanzbranche allerdings „kein systemisches Risiko“ darstelle. (Handelsblatt, Paywall) +++ Der britische Payment-Konzern Finablr, der unter anderem die Travelex-Wechselstuben betreibt, steckt offenbar inmitten eines Bilanzskandals und kann seine eigene Finanzposition aktuell nicht akkurat beziffern (City AM)

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