17/09/20: Grenke, Tomorrow, Comdirect, Oddo BHF, Finconomy

17. September 2020

151 Wörter bzw. 1119 Zeichen ist die Stellungnahme lang (oder besser: kurz), die sich seit Dienstagabend auf der Website des Baden-Badener Finanzdienstleisters Grenke findet. Das ist dann doch erstaunlich wenig angesichts der schweren Anschuldigungen („Geldwäsche“, „Betrug“), die die Shortseller von Viceroy einige Stunden zuvor gegen das börsennotierte Familienunternehmen erhoben hatten. Inhaltlich ging das Statement nur auf einen der viele von Viceroy erhobenen Vorwürfe konkret ein. Die übrigen Anschuldigungen wies Grenke pauschal zurück – und kündigte eine „ausführliche Replik“ an, von der zumindest bis gestern Abend aber noch nichts zu sehen war auf der Website. Die Investoren, durch den Fall Wirecard nachvollziehbarerweise sensibilisiert, reagieren auf ihre Weise: Nachdem die Grenke-Papiere am Dienstag um 23% gefallen waren, ging es gestern sogar um 40% nach unten. Vernichteter Börsenwert, addiert: 1,3 Mrd. Euro. Im besten Fall sind wir in den beiden vergangenen Tagen die Zeugen einer katastrophalen Krisenkommunikation geworden.

Possierliche Frühphasen-Fintechs wie die Hamburger Neobank Tomorrow stehen bei Finanz-Szene.de normalerweise unter Artenschutz. Indes: In dem Moment, da so ein possierliches Frühphasen-Fintech anfängt, potenziell arglose Kleinanleger in Genussrechts-Konstruktionen hineinzuquatschen, müssen wir (sorry!!!) dann aber doch mal ein bisschen genauer hinschauen. Zumal wenn einer der Gründer den Anlegern via „Süddeutsche Zeitung“ eine Verzwanzigfachung ihres Einsatzes in Aussicht stellt. (Verzwanzigfachung!!! So viel zum „nachhaltigen“ Ansatz, dem sich Tomorrow angeblich verschrieben hat). Nun ist es – dies sei betont – nicht so, dass wir über Tomorrow ganz fürchterliche Dinge zu berichten hätten. Aber: Auf ein paar kleinere Auffälligkeiten, über die wir ansonsten hinweggesehen hätten, wollen wir die Kleinanleger dann doch hinweisen. Guggsdu hier: Finanz-Szene.de

News

Die Deutsche Börse will bei ihrem Versuch, die Mailänder Börse zu übernehmen, einheimische Co-Investoren ins Boot holen und sich selbst mit 51% der Anteile begnügen, so das „Handelsblatt“ (Paywall) +++ Die US-Notenbank Fed will den Leitzins bis mindestens 2023 (!!!) nahe „null“ lassen. Damit wissen Sie, liebe Bankerinnen und Banker, auch in Bezug auf die EZB jetzt so ungefähr, woran Sie sind … (n-tv) +++   N26-Deutschland-Chef Georg Hauer zeichnet bei der Berliner Neobank neben der DACH-Region künftig auch für zwölf weitere europäische Länder verantwortlich. Hintergrund: Der bislang zuständige „General Manager Greater Europe“ Sarunas Legeckas hat N26 verlassen (per Mail) +++ Comdirect-Chefin Frauke Hegemann hat ihren (am Montag bereits vom „HB“ exklusiv vermeldeten) Rückzug gestern offiziell bestätigt. Sie wolle sich „einer neuen beruflichen Herausforderung stellen“. (Mitteilung) +++ Das unter Bafin-Zugriff fallende Apotheken-Abrechnungszentrum AvP ist pleite. Ein potenzielles Übernahmeziel für die Apobank, würden wir vermuten. (SZ/dpa) +++ Der HSH-Nordbank-Nachfolger HCOB plant die Emission einer fünfjährigen Nachrang-Anleihe (BÖZ/Paywall) +++ Oddo-BHF und ABN Amro haben in Luxemburg ein Joint-Venture rund um Dienstleistungen im Aktienhandel gegründet (BÖZ/Paywall) +++ Die Münchner Fintech-Schmiede Finconomy, die hinter Startups wie BANKSapi oder Finhome steht, beteiligt sich mit einem Anteil von 25,1% am Regulierungs-Fintech „MiFID Recorder“ (per Mail)

Wussten Sie schon?

… dass das angebliche (und wenn, dann wohl auch nur vorübergehende) deutsch-schweizerische Fintech-Unicorn Numbrs sein Geschäftsmodell umwirft? Bislang hieß es immer, aus Numbrs solle ein riesiger, bankenunabhängiger Broker für Finanzprodukte basierend auf einer kostenlosen (!!!) App werden. Nun indes: Ist Numbrs plötzlich eine ebenso schnöde wie kostenpflichtige (!!!) Multibanking-App – so zumindest verstehen wir die gestern Früh veröffentlichten neuen AGBs. Konkret fällt für die Nutzung der App in Zukunft eine monatlich oder jährlich im Voraus zu zahlende Abo-Gebühr an. Im Gegenzug verspricht Numbrs den Kunden eine „100%ige Neutralität“, was Edel-Twitterer André Bajorat zu der süffisanten Bemerkung veranlasste, ob das bisherige kostenlose Multibanking-Modell denn nicht neutral gewesen sei. So oder so: Strategisch verfolgen die Numbrs-Leute (die nach vielen Rückschlägen zuletzt nochmal ein „Funding light“ hinlegten) einen Ansatz, mit dem Paid-Pionier Outbank 2017 in die Pleite rutschte. Wünschen wir dem angeblichen (Ex-)Einhorn, dass ihm ein gnädigeres Schicksal beschieden ist.

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