18/05/20: Liqid, Wirecard, Standard Chartered, Iconic Finance, HVB, PBB

18. Mai 2020

Exklusiv: Der digitale Vermögensverwalter Liqid launcht mithilfe von Raisin einen eigenen Marktplatz für Tages- und Festgeld. Es gab mal Zeiten (und die liegen noch gar nicht so lange zurück), da waren „Robo Advisory“ und „Einlagen-Brokerage“ zwei strikt voneinander getrennte Fintech-Segmente. Seit einiger Zeit allerdings werden die Übergänge fließender. So bieten die Einlagen-Spezialisten Raisin („Weltsparen“) und Deposit Solutions („Savedo“) inzwischen Robo-artige Investmentprodukte an – während der Robo-Marktführer Scalable Capital umgekehrt eine Tages- und Festgeld-Offerte in seine Produktpalette eingebaut hat. Denselben Weg wie Scalable nimmt laut Finanz-Szene.de-Recherchen nun auch der ambitionierte Berliner Wettbewerber Liqid. Wobei zwei Dinge erstaunen, nämlich erstens die gleich vom Start weg stattliche Zahl von Partnerbanken und zweitens, für welchen White-Label-Partner sich Liqid entschieden hat. Die Details: Finanz-Szene.de

Die Aktie von Wirecard ist am Freitagnachmittag in der Spitze um weitere 16% eingebrochen, nachdem der Blog „MCA Mathematik“ unter Berufung auf die „Gulf Times“ getwittert hatte, Wirecards umstrittener Drittgeschäft-Partner „Al Alam“ habe seine Tätigkeit vergangenen Montag eingestellt. Der Aschheimer Zahlungsdienstleister veröffentlichte daraufhin am Freitagabend eine Erklärung, in der es hieß, man sei von „Al Alam“ informiert worden, dass das Unternehmen „sein Geschäft auf andere Konzerngesellschaften innerhalb seiner Dachorganisation“ übertrage. Der Wirecard AG entstehe hierdurch „keine Beeinträchtigung ihrer Abwicklungsfähigkeit oder bei den Transaktionsvolumina“. Die Aktie des Dax-Konzerns erholte sich über den Abend leicht und notierte zum Ende des nachbörslichen Handels bei 75,78 Euro – ein Minus von 9,4% zum Vortag. Zur Einordnung: Das macht jetzt 43% Kursabschlag binnen drei Wochen.

In diesem Zusammenhang noch zwei Snippets: 1.) Die Bafin hat am Freitag betont, dass sie – anders als bei den Kursturbulenzen im Frühjahr 2019 – diesmal kein Leerverkaufsverbot bei der Wirecard-Aktie aussprechen will. Und 2.) Die im vergangenen Sommer begebene Anleihe des Payment-Spezialisten notierte am Freitag nur noch bei 77,1% des Nennwerts. Macht umgekehrt knapp 5% Rendite.

Und dann noch ein letzter Schnipsel (danach ist es aber auch gut!): Ebenfalls am Freitag hat das Research der Deutschen Bank seine Einschätzung zu Wirecard unter Berufung auf den Ende April erschienenen KPMG-Sonderprüfbericht zurückgezogen. Dabei betonten die zuständigen Analysten, dass zwischenzeitlich „mehrere Follow-ups mit dem Unternehmen“ stattgefunden hätten. Zuletzt hatte die Deutsche Bank die Wirecard-Aktie zum Kauf empfohlen und ein Kursziel von 200 Euro ausgegeben.

News

Standard-Chartered-Deutschlandchef Heinz Hilger hat Mutmaßungen, die Auslandsbanken (und speziell die amerikanischen) würden sich im Zuge der Corona-Krise zurückziehen, dementiert. Entsprechende Berichte hätten einen eher „anekdotischen Charakter“, sagte er der „BÖZ (Paywall) +++ Zugleich betonte Hilger jedoch, dass zum Ende von Q1 die Anspannung in der Branche groß gewesen sei: „Wie beim Toilettenpapier drohte aus einer gefühlten Knappheit der Bankenliquidität eine echte Knappheit zu werden.“ +++ Die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben im März und April ihr Neukreditgeschäft um 24,4% im Vergleich zu den beiden Vorjahresmonaten ausgebaut (Mitteilung) +++ Und noch ein Fintech-Fitzelchen: Die Allianz-Tochter Iconic Finance greift beim Aufbau ihrer neuen Multibanking-Plattform („Heymoney“) auf die Technologie des Vertragsmanagers „Aboalarm“ zurück (HB/Paywall)

Wussten Sie schon …

… dass sich die GuVs unserer lieben Banken (egal, was für ungeahnte Dinge über dem Strich passieren) unter dem Strich dann halt doch wie von Geisterhand und beruhigenderweise zu einem Gewinn zurechtkalibrieren? Nehmen wir die Aareal: Hübsches Nachsteuer-Ergebnis von 2 Mio. Euro im ersten Quartal. Oder die Deutsche Pfandbriefbank: vor Steuern ebenfalls 2 Mio. Euro im Plus. Oder die Hypo-Vereinsbank: 7 Mio. Euro vor Steuern. Gemessen an der jeweiligen Bilanzsumme machte das bei der Aareal einen Gewinn von 0,0049%, bei der PBB von 0,0031% und bei der HVB von 0,0023%. Man kann sich die pedantischen und manchmal überkorrekten Herren Heß (CFO der Aareal), Arndt (CEO/CFO der Pfandbriefbank) und Marcucci (CFO der HVB) lebhaft vorstellen, wie sie Anfang Mai brav und nichtsahnend einen Wust von Zahlen in ihre jeweiligen Excel-Listen tippten, wie sie danach jede einzelne dieser Zahlen noch einmal sorgsam abglichen, und wie sie schließlich die „Enter“-Taste drückten, um im nächsten Moment voller Erstaunen auszurufen: „Im Plus! Trotz Corona! Hätte ich jetzt nicht gedacht. Da werden sich meine Vorstandskollegen aber freuen!“

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