18/09/18: Sinkt die Zahl der Girokonten?, Was wird aus Herrn Reuther?

18. September 2018

Noch ein Spin-Off des heutigen Aufmachers: Wie aus dem Buba-Bericht ebenfalls hervorgeht (wobei hier nicht alle Banken untersucht wurden, sondern nur ein Ausschnitt von 223 Instituten), berechneten Ende vergangenen Jahres bereits gut 50% (!) der deutschen Geschäftsbanken  einem Teil ihrer Kunden Negativzinsen. Betroffen waren vor allem großvolumige Sichteinlagen im Firmenkundengeschäft. Der Umfang der mit Strafzinsen belegten Gelder stieg im Laufe des vergangenen Jahres von übrigens 9% auf gut 40%. Auch nicht schlecht! Buba-Bericht (PDF; Seite 39)

Ohne jetzt gleich das Ende des Girokontos ausrufen zu wollen … Aber: Ebenfalls höchst interessant fanden wir einen Fund, den „Capital“-Kollege Christian Kirchner in einem anderen dieser Tage veröffentlichten Buba-Bericht gemacht hat – nämlich in der Zahlungsverkehrsstatistik. Demnach ist die Zahl der Giro- und Tagesgeldkonten 2017 nur noch um 0,3% gestiegen (2015 waren es noch 1,8%), bei den Zahlungskonten allein gab es  sogar nur noch ein Nullwachstum (2015 war es noch ein Plus von 2,9%). Kirchner deutet das so, dass immer mehr Banken die alte Berater-Theorie (mehr Konten = mehr Geschäft) infrage stellen. Klingt plausibel. Twitter

Und was wird jetzt aus Herrn Reuther? Nachdem das „Handelsblatt“ gestern Früh berichtete, dass die Commerzbank die Verträge von Privatkundenchef Michael Mandel und Personalvorstand Bettina Orlopp verlängert habe, wirft die „Süddeutsche“ (Seite 18) heute Morgen die Frage nach der Zukunft von Firmenkundenvorstand Michael Reuther auf. Dessen Vertrag läuft noch bis Herbst 2019, über eine Verlängerung (oder auch Nicht-Verlängerung) soll demnach Anfang Januar entschieden werden.

Mal 2-3 Gedanken zur Geschäftsverbindung zwischen Paydirekt und dem Otto-Konzern: Der Paypal-Klon der deutschen Banken verkündete dieser Tage, als neuen Kunden Bonprix gewonnen zu haben, also die stark wachsende Modetochter von Otto (nachdem zuletzt schon die Akquise zweier weiterer Otto-Töchter, nämlich Baur und Sportscheck, vermeldet worden war). Kenner der Materie werden erinnern, dass sich Paydirekt die Zusammenarbeit mit „Otto.de“ einst eine Mitgift von mutmaßlich wenigstens 10 Mio. Euro kosten ließ. Man interpretiert sicherlich nicht zu viel in die Dinge hinein, wenn man die drei neuen Kooperationen in diesen Kontext stellt. Was man sich dabei vor Augen führen muss:  94% der Otto-Kunden nutzen weiterhin den Kauf auf Rechnung oder Ratenzahlung, erklärte ein Otto-Manager im Frühjahr beim EHI-Kartenkongress. Bleibt für Paydirekt also ein 6%-Kuchen. Und um den rangelt man mit den Visas, Mastercards und Paypals dieser Welt. Mal sehen, ob sich die Investition in Otto wirklich rentieren wird. Pressemitteilungen

Zwei Kurzmeldungen aus den Doppeltürmen: Zum einen plant die Deutsche Bank im Zuge des Brexits angeblich eine umfangreiche Verlagerung von Vermögenswerten von London nach Frankfurt, die Rede ist von mittelfristig rund 600 Mrd. Euro (Financial Times, Paywall); zudem soll eine scheidende Topmanagerin der Blaubank in den Milliardenskandal um den malaysischen Staatsfonds „1MDB“ verwickelt sein (Bloomberg).

Und drei kurze Meldungen aus der übrigen deutschen Bankenwelt: Die Berenberg-Bank verkauft ihre Schweiz-Dependance (Finews), UBS-Chef Ermotti hat noch einmal bekräftigt, dass Frankfurt zum neuen europäischen Drehkreuz der Schweizer Großbank werden soll (Manager Magazin), und die Sparkassen in Hessen und Thüringen haben ihre Kredite  im ersten Halbjahr ausgeweitet (Pressemitteilung/PDF).

Nichts Neues aus der Fintech-Ecke? Doch, aus Gründen der Chronistenpflicht vermelden wir, dass das Kredit-Vergleichsportal Smava jetzt sogar bei einem Darlehensbetrag von 10.000 Euro einen negativen Zins von 0,4% anbietet. Den üblichen Beipackzettel (es handelt sich in erster Linie um eine PR-Aktion, Verbraucherschützer warnen, nicht jeder Interessent kriegt den Kredit etc. pp.) lassen wir einfach mal stecken, Sie kennen das alles ja längst. Manager Magazin

That’s not news

Wie gewohnt immer dienstags unser kurzer Rückblick auf die Nachrichten vom Wochenende:

  • Die DZ Bank will ihren ersten „Green Bond“ begeben. Volumen: 200 bis 250 Mio. Euro. Börsen-Zeitung
  • Der bislang größte einzelne Immobiliendeal des Jahres: Die Commerz Real kauft für 700 Mio. Euro den im Bau befindlichen Omniturm (nachdem zuletzt schon zwei weitere Frankfurter Wolkenkratzer den Besitzer gewechselt hatten, nämlich Pollux und Garden Towers). Property Magazine

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