19/06/20: Wirecard, DKB, Deutsche Bank, Aareal

19. Juni 2020

Und plötzlich fehlen 1,9 Mrd. Euro. Ganz plötzlich? Um die Kernerkenntnis des gestrigen Tages mal ganz platt zusammenzufassen: Ein Unternehmen, das gegenüber seinem Wirtschaftsprüfer keine Nachweise über die Cash-Position erbringt, ist wie ein Pornodarsteller, der am Set die Hose anbehalten will – irgendetwas stimmt da nicht. Die Frage allerdings ist: Seit wann stimmt da was nicht? Kurze Rückblende: Schon 2015 zeigte sich in den Bilanzen von Wirecard eine obskure, rund 250 Mio. Euro schwere Forderungsposition. Sie entstammte? Geschäften mit „externen Partnern“, wie es damals hieß – also jenen Firmen, die in späteren Recherchen als „Third Party Acquirer“ berühmt wurden. Was hatte es mit den Forderungen damals auf sich? Bzw.: Gibt es einen Zusammenhang zwischen 2015 und heute? Unser Deep Dive: Finanz-Szene.de

Kann es sein, dass das Wirecard-Beben gestern Vormittag auch den ein oder anderen Frankfurter (oder gar Stuttgarter) Bankenturm hat wackeln lassen? Ein Wunder, wenn nicht. Denn: In der „Kein Testat“-Mitteilung von 10.45 Uhr fand sich auch der Satz: „Wenn ein testierter Jahres- und Konzernabschluss nicht bis zum 19. Juni 2020 vorgelegt wird, können Kredite der Wirecard AG in Höhe von ca. 2 Mrd Euro gekündigt werden.“ Mal ganz abgesehen von der Kurzzeitigkeit dieser Aussage (der 19. Juni ist ja schon heute …): Heißt das, dass (deutsche?) Banken ernsthaft 2 Mrd. Euro im Feuer haben? Und wenn ja, welche? Um das Wichtigste schon mal vorwegzunehmen: 1.) Wirklich wissen tun wir nix; 2.) Wir vermuten aber, dass es sich eher um den Umfang von Linien handelt und die Höhe der tatsächlichen Kredite geringer ist; und 3.) Wenn wir recht informiert sind, verteilen sich die Kredite auf sehr viel mehr Banken als bislang bekannt, sodass keiner von Ihnen, liebe Bankerinnen und Banker, letzte Nacht so richtig schlecht hat schlafen müssen. Und hier das Ganze noch ein bisschen detaillierter: Finanz-Szene.de

Das Wirecard-Beben hat so viele Facetten, dass das Material locker auch für zwei bis drei Newsletter reichen würde. Um Ihre Lesekapazitäten nicht allzu sehr zu strapazieren, haben wir die wichtigsten Fragen noch einmal in eine FAQ gepackt. Was machen eigentlich die 2019 für eine halbe Milliarde Euro Erlös emittierten Wirecard-Anleihen? (Spoiler: Jetzt höher rentieren als eine venezuelanische Staatsanleihe mit Laufzeit bis 2034). Wie disponieren und was sagen die Ex-Wirecard-Großaktionäre Union und DWS? Wer sind die Verlierer des gestrigen Tages, wer die wenigen Gewinner? Gab es überhaupt schon mal so einen Tagesverlust im Dax? Und überhaupt: Fliegt Wirecard jetzt aus dem Leitindex raus? Voilà: Finanz-Szene.de

News

Die DKB befördert ihren Digitalchef, den Ex-Paypal-Deutschland CEO Arnulf Keese, in den Rang eines Vorstandsmitglieds (Mitteilung)  +++ Wie aus einer Ifo-Erhebung hervorgeht, ist die Zahl der Stellenanzeigen im Finanzsektor zwischen März und Mai um 17% gesunken. Zum Vergleich: Gesundheitssektor +46%; Software & IT +21%; Industrie: -35% +++ Nutzer haben gestern erneut über Ausfälle im Onlinehandel von DKB und Onvista geklagt. (HB/Paywall) +++ Die Deutsche Bank vergleicht sich in einem Prozess wegen angeblicher Marktmanipulation mit den US-Behörden mit Zahlung von 10 Mio. US-Dollar (dpa/Süddeutsche) +++ In der größten Refi-Aktion aller Zeiten haben Banken bei der EZB 1300 Mrd. Euro aufgenommen – zu Zinsen zwischen minus 0,5% und minus 1,0%, woraus sich ein hübscher Transfer von rund 15 Mrd. Euro in die Kasse der Banken ergibt (Twitter-Thread) +++ Aareal-Chef Hermann J. Mertens gibt sich im BÖZ-Interview optimistisch zur eigenen Lage und berichtet von „deutlich mehr als eine Handvoll“ Interessenten an einer Beteiligung der IT-Tochter Aaeron (BÖZ)

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