19/11/19: Negativzinsen, Bundesbank, Gratisbroker, Wirecard, HVB

19. November 2019

Deutschlands Banken erheben in viel, viel größerem Umfang negative Zinsen auf Kundeneinlagen als bislang bekannt: Liebe Leserinnen und Leser, vergessen Sie alles, was sie in den letzten Wochen und Monaten an quantitativen Angaben zum Thema „Immer mehr Banken verlangen Strafzinsen“ aufgeschnappt haben. Denn – die Zahlen waren schlicht falsch. Wie aus dem gestern vorgestellten neuen Monatsbericht der Bundesbank hervorgeht, rufen nämlich mitnichten nur 11% der deutschen Banken und Sparkassen negative Zinsen aus (diese Zahl war Anfang des Monats noch durch die Medien gegangen). Sondern: Bei Privatkunden erheben inzwischen 23% (!) der Institute über ihren gesamten Einlagenbestand hinweg (!) im Schnitt negative Zinsen; und bei Firmenkunden sind es sogar 58% (!). Lesen Sie hier, wie die Buba-Angaben zustandekommen – und warum sie methodisch schlüssiger sind als das, was sonst so an Zahlen da draußen herumfleucht: Finanz-Szene.de

Wo wir schon mal beim Thema sind: Im Zusammenhang mit der Volksbank Magdeburg hatten wir vergangene Woche die These aufgestellt, dass auch beim Strafzins für private Sparer die Freibetragsgrenze von 100.000 Euro früher oder später fallen wird. Tatsächlich ist es aber nun so, dass die Grenze bereits gefallen ist, wie die Kollegen der „dpa“ herausgefunden haben. Denn: Die 19 belastet Tagesgeld-Neukunden schon seit dem 1. Oktober mit einem „Verwahrentgelt“ von 0,5% – und zwar ab dem ersten Cent. Preisübersicht

Online-Broker-Jungs feiern als Fintech-Broker-Jungs ihre Reinkarnation: Nach dem Berliner Anbieter Trade Republic und der Sutorbank-Tochter Justtrade geht nun schon der dritte „kostenlose“ Fintech-Broker an den Start  – nämlich Gratisbroker mit Sitz in München. Was auffällt: Auch wenn das Geschäftsmodell neu ist (siehe hierzu unsere große Trade-Republic-Analyse aus dem Juli), entstammen die handelnden Personen in der Mehrzahl der guten, alten Online-Broker-Szene. In der Geschäftsführung von Trade Republic? Sitzen – nebst den jüngeren Gründern – alte Hasen von Sino und Lang&Schwarz. Die Gründer von Justtrade? Stammen aus dem Onvista-Stall.  Und die Gratisbroker-Jungs von Gratisbroker? Haben alle eine Gemeinsamkeit in der Biografie: in unterschiedlichen Positionen mal bei der DAB Bank gearbeitet zu haben. Näher angesehen haben sich alle drei die Kollegen beim Manager Magazin: MM

Endlich mal was los in Frankfurt: Deutsche-Bank-Vizechef Karl von Rohr war gestern dem Vernehmen nach in Hochform auf der Bühne der „Euro Finance Week“: Die Negativzinsen seien ja eigentlich nicht so schlecht, weil sich Banken wegen ihnen „ernsthaft darüber Gedanken machen müssen, wie wir unser Geschäftsmodell ändern können“, so von Rohr laut Teilnehmern und dem „Business Insider“. Und an die Adresse der anwesenden Genossenschaftsbanker und Sparkässler, die die Vorschläge von Finanzminister Scholz zur Bankenunion (und damit den Schritt Richtung weiteren Fusionen) nicht so toll finden, richtete von Rohr den Hinweis: „Es muss jeder für sich selbst wissen, ob man sich zufrieden gibt, im eigenen Vorgarten die Gartenzwerge zu zählen – oder ob man größer denkt“. Rumms! Business Insider (Negativzinsen)Welt (Gartenzwerge)

Kurzmeldungen

Wirecard will bei seiner neuen Banking-App „Boon Planet“ von 2020 an einen Einlagenzins auf Giroguthaben von 0,75% bieten (Süddeutsche) +++ Bayerns Ministerpräsident Söder hat sich gegen die Bankenunion-Pläne von Finanzminister Scholz ausgesprochen (HB/Paywalln-tv) +++ Die Hypo-Vereinsbank bekommt nächstes Jahr zwei neue Vorstände, nämlich als Finanzchef Simone Marcucci (seit 2001 im Unicredit-Konzern) und als COO den früheren HVB-Digitalchef Boris Scukanec Hopinski (Finance MagazinIT-Finanzmagazin) +++ Obwohl die Zustimmung der EU-Kommission zur NordLB-Rettung weiterhin aussteht, treibt das Land Niedersachen schon mal die entsprechende Gesetzgebung voran (Die Stimme/dpa)

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