19/11/20: Deka, Wirecard, Troy, Monzo, Klarna, N26, DWS

19. November 2020

So, nachdem wir Ihnen hier den Abgesang aufs Filial-Banking angestimmt haben, folgt – wetterwendisch, wie wir sind – jetzt gleich mal die Revision der soeben erst aufgestellten These. Denn: Gestern hat die Deka (also der Fondsarm der Sparkassen, wobei man vielleicht besser umgekehrt sagen sollte, dass die Sparkassen der Vertriebsarm der Deka sind) ihre Zahlen fürs dritte Quartal vorgelegt. Und diese Zahlen sind einmal mehr dermaßen krass ausgefallen, dass sie jedem Nicht-Sparkassen-Vertriebsvorstand da draußen als Rechtfertigung dienen dürfen, die eigenen Truppen in Zukunft noch mehr zu triezen als ohnehin schon. Motto: Seht her, so machen’s die Sparkassen – warum kriegt Ihr das nicht hin?

… also: Wenn wir die Nettovertriebsleistung der Deka einfach mal auf die einzelnen Werktage runterrechnen, dann haben unsere lieben Sparkassen zwischen Juli und September – also in einer Zeit, in der das halbe Land im Urlaub weilte, sich die Börsen im Tiefschlaf befanden und die Temperaturen teilweise so hoch waren, dass man nicht mal vor die Tür, geschweige denn in die Filialen gehen wollte … – also: Genau in jener Zeit haben  unsere Sparkassen im Tagesschnitt (wie gesagt: netto!) Immobilienfonds für 4 Mio. Euro, Aktienfonds für 15 Mio. Euro, Zertifikate für 17 Mio. Euro und sonstige Fondsprodukte für 6 Mio. Euro verkauft. Hinzu kamen übrigens – ebenfalls rechnerisch pro Werktag – noch 3.000 neue Sparpläne …

… naaaaa, ihr lieben digitalen Player, für die wir weiter oben noch voll des Lobes waren: Aggregiert 42 Mio. Euro Nettovertrieb pro Tag?! Plus nochmal das dreifache jeden Tag im Insti-Geschäft?! Plus die 3.000 Sparpläne?! Stellt Euch mal vor, was für eine Unternehmensbewertung Ihr aufrufen würdet, wenn Euch das auf Monatsbasis gelänge … Sei’s drum. Hier jedenfalls, liebe Nicht-Sparkassen-Vertriebsvorstände, die Deka-Zahlen im Original.

News

Doof nur, dass die Deka auch Bankgeschäft betreibt: Unter anderem wegen erhöhter Risikovorsorge im Kreditgeschäft ist das sog. „wirtschaftliche Ergebnis“ (=der Gewinn) auf 9M-Sicht um 42% auf 222 Mio. Euro gesunken (HB/Paywall) +++ Ende September hieß es schon einmal, die DWS sei am SocGen-EFT-Spezialisten Lyxor interessiert. Gestern hat die Sache neue Nahrung erhalten (ARD Börse) +++ Im Wirecard-Insolvenzverfahren machen insgesamt 11.500 Gläubiger Forderungen in Höhe von 12,4 Mrd. Euro geltend. Zur Einordnung: Selbst der Verkauf des sog. Wirecard-Kerngeschäfts diese Woche wird gerade mal gut 100 Mio. Euro in die Insolvenzmasse spülen … (Manager Magazin) +++ Das Inkasso-Fintech Troy hat ein (mutmaßlich niedrig) siebenstelliges Funding erhalten, zu den Investoren gehört der Versicherer HDI (per Mail) +++ Eine Meldung, die sich nach 2018 anfühlt, aber aus dieser Woche stammt: N26 führt Google Pay in Österreich ein (per Mail) +++ Und nochmal N26: Auf dem US-Markt erwägt die Berliner Neobank die Einführung eines Kreditkartenprodukts (bankinnovation) +++  Beim britischen N26-Rivalen Monzo ist die Risikochefin abgetreten. Oha? (Sifted) +++ Korrigiert: Die fusionswilligen Volksbanken aus Karlsruhe und Baden-Baden/Rastatt kommen addiert auf eine Bilanzsumme von 6,5 Mrd. Euro; die von uns gestern angeführten 4,1 Mrd. Euro bringt Karlsruhe allein auf die Waage +++ Ignoriert: Falls Sie sich fragen, wo die vermeintliche „Groß-News“ des gestrigen Tages bleibt – nämlich dass Klarna mit einem Girokonto auf den deutschen Markt kommt … Na, das hatten wir mit Verweis auf ein Handelsblatt-Stück Mitte September schon vermeldet: Finanz-Szene.de (Archiv)

Wussten Sie schon

… dass N26 eine interessante Kehrtwende bei der PSD2 vollzogen hat? Wie den Open-Banking-Aficionados unter Ihnen erinnerlich sein dürfte, hatte sich die Berliner Neobank ihre PSD2-Schnittstelle dermaleinst von einem angelsächsischen RegTech namens Token.io bauen lassen. Klang ziemlich hipp. Funktionierte nach übereinstimmenden Aussagen von Menschen, die von Berufswegen auf solche Schnittstellen zugreifen, aber häufig nur so semi-toll. Dieser Tage indes erreichte die API-Gemeinde eine N26-Mail („Sensitive Information“), derzufolge das deutsche Vorzeige-Fintech der Token.io-Lösung abgeschworen hat und stattdessen nun einer Eigenbau-Schnittstelle basierend auf dem 0-8-15-mäßigen „Berlin Group“-Standard vertraut. „Der Zugriff klappt jetzt sehr viel besser“, berichtet einer der Aficionados. Freut uns! Hier zu dokumentarischen Zwecken, was in der N26-Mail genau stand (technisches Zeugs): Finanz-Szene.de

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