21/12/18: Deutsche Bank auf 45-Jahres-Tief, Sparda-Hammer, Schufa schluckt finAPI

21. Dezember 2018

Womit sollen wir anfangen, mit der Kartellgeschichte oder mit dem 45-Jahres-Tief? Also: Kurz gesagt hegt die EU-Kommission den Verdacht, dass sich vier große internationale Banken – darunter die Deutsche Bank – zwischen 2009 und 2015 beim Handel mit Dollar-Anleihen abgesprochen haben. Theoretisch steht auf solch ein kartellrechtliches Vergehen eine Strafe von bis zu 10% des jährlichen Umsatzes. Allerdings: Offenbar hat sich die Deutsche Bank den Brüsseler Wettbewerbshütern als Kronzeuge angedient und dürfte damit straffrei ausgehen. Was die Sache aber natürlich nur unwesentlich besser macht. Denn auch dieser Fall verstärkt den Verdacht, dass es innerhalb des größten deutschen Kreditinstituts bis weit in die Jetzt-Zeit hinein sozusagen rechtsfreie Räume gegeben haben muss. Reuters, Handelsblatt (Paywall)

Entsprechend bedient waren gestern wieder mal die Investoren, die die (nach schwachen US-Konjunkturprognosen ohnehin wundgescheuerte) Deutsche-Bank-Aktie letztlich um 7,0% auf 7,00 Euro nach unten schickten. Irgendwo lasen wir, dies sei ein 45-Jahres-Tief, was wir mangels Bloomberg-Terminal nicht überprüfen konnten (um ehrlich zu sein: selbst mit Bloomberg-Terminal wären wir zu blöd dafür). Frage an den Alterspräsidenten unter unseren Lesern, nämlich an den wunderbaren Bernd Lüthje aus Hamburg: Stimmt das Ihrer Erinnerung nach mit dem 45-Jahres-Tief? Manager Magazin

Das hier ist mal ein ganz schöner Hammer – denn: Nach achtmonatigem Hin und Her stehen die acht Sparda-Banken Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, München, Nürnberg, Augsburg, Ostbayern und West wieder genauso nackt da, wie sie im April  schon einmal nackt dagestanden haben (mit dem Unterschied, dass es jetzt draußen friert). Rückblick: Damals im April hatten sich drei andere Sparda-Banken (nämlich: Berlin, Hannover und Südwest) dem genossenschaftlichen IT-Dienstleister Fiducia & GAD angeschlossen. Im September hieß es dann plötzlich, die übrigen acht würden dies jetzt auch tun. Doch nun: Sind die entsprechenden Gespräche geplatzt. Wie es jetzt weitergeht? Völlig unklar. Denn ganz ohne IT geht es im Banking ja dooferweise nicht. IT-Finanzmagazin, Börsen-Zeitung (Paywall)

Und noch eine höchst spannende Geschichte: Wie wir der in diesem Fall offenbar exklusiv gebrieften „Börsen-Zeitung“ entnehmen, hat die Schufa eine Mehrheits(!!!)-Beteiligung am Münchner Fintech finAPI übernommen. Nun wissen wir über finAPI zwar nicht viel – aber das, was wir wissen (finAPI gilt als Spezialist für den automatisierten Zugriff auf Girokonten), reicht zweifelsohne aus, um den Deal ziemlich interessant zu finden. Denn auch wenn ein Schufa-Sprecher den Zukauf gegenüber der „BÖZ“ herunterzuspielen versucht (finAPI sei keine Konkurrenz für die eigene Bonitätsauskunft …), so bleibt festzuhalten: Die Schufa hat einen dieser neuartigen Konto-Spezialisten offenkundig lieber im eigenen Portfolio, als dass sie ihn womöglich da draußen am Markt zum Gegner hat. Börsen-Zeitung (Paywall) 

Da hat die manchmal ja doch etwas profil-arm wirkende Deka kurz vor Weihnachten aber mal richtig einen rausgehauen – und zwar:  Ingo Speich, aus Funk und Fernsehen bekannter Fondsmanager der Union Investment, macht per April nächsten Jahres vom Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken rüber zum Fondsdienstleister der Sparkassen. Nun sei mal dahingestellt, ob der „Hauptversammlungs-Promi“ (so bezeichnen ihn die Kollegen von Fondsprofessionell) wirklich so ein Vorstände-Fresser ist, wie es öffentlich immer rüberkommt – aber: Eine Marke ist dieser Speich allemal. Und damit vermutlich auch nicht ganz billig. Aber die Deka hat’s ja. Pressemitteilung

Personalien: Marco Wenthin, Co-Founder und Vorstand der Solarisbank, tritt zum Jahresende aus gesundheitlichen Gründen von seinen Positionen zurück (Pressemitteilung) +++ In der Insider-Affäre um den ehemaligen Deutsche-Börse-Chef Carsten Kengeter ist dieser laut „Manager Magazin“ angeblich zu einer Strafzahlung in Höhe von 5 Mio. Euro bereit (Reuters) +++ Der gute Herr Mang soll bis 2024 Präsident der niedersächsischen Sparkassen bleiben (Börsen-Zeitung/Paywall)

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