22/05/19: Achleitner, Raisin, Commerzbank, Fundings

22. Mai 2019

Es ist dasselbe Schauspiel wie seit vielen Jahren schon: Die Hauptversammlung der Deutschen Bank steht an – und allüberall liest man Texte, über denen Headlines wie „Druck auf Achleitner steigt“ oder „Endspiel für Achleitner“ stehen. So drängen „Reuters“ zufolge einflussreiche Großaktionäre den Aufsichtsratschef, seinen Posten bereits vor Vertragsende 2022 niederzulegen. Ganz ähnlich liest es sich heute Früh im „Handelsblatt“ (Paywall). Tenor: Entweder Achleitner ringe sich zu tiefgreifenden Reformen durch – oder weg mit ihm. Und was sagen die berühmten „Finanzkreise“ zu alldem? Dass Achleitner bei der HV am morgigen Donnerstag trotz aller Kritik von mehr als 50% der Stimmen entlastet werden wird. Dies allerdings (und an der Stelle kommen nun wir ins Spiel) ist weniger ein Vertrauensfrage, als ein – mit Verlaub – billiger mathematischer Trick. Glauben Sie nicht? Dann lesen Sie hier unser „Kurz gerechnet“ … ähh, quatsch … es heißt natürlich „Kurz gebloggt“: Finanz-Szene.de

Gibt es bei der Deutschen Bank eigentlich irgendwas, das so funktioniert, wie es eigentlich funktionieren sollte?… fragt sich, wer heute Morgen liest, was die Kollegin Meike Schreiber von der „Süddeutschen Zeitung“ da wieder Hübsches ausgegraben hat. Ihren Schilderungen zufolge hat das einstmals stolze Frankfurter Geldhaus aufgrund eines Programmier-Fehlers „seit vielen Jahren Probleme damit, Zahlungen von Großkunden vorschriftsgemäß zu überprüfen“. Eine Lappalie? Naja: Immerhin ist die Deutsche Bank ja mal mehr, mal  weniger direkt in die ein oder andere Geldwäsche-Affäre da draußen verstrickt. Wäre daher nicht schlecht, wenn man wüsste, welches Geld da durch die eigenen Systeme läuft. Süddeutsche

Noch irgendwas zur Commerzbank, deren HV ja schon heute ansteht? Zumindest eine kleine Meldung: „Laut Frankfurter Allgemeine Zeitung“ hat die mehrwöchige Prüfung der Fusion mit der Deutschen Bank (beauftragt waren Top-Adressen wie Goldman, Rothschild, Hengeler Müller … ) das Institut rund 6 Mio. Euro gekostet. Die Überschrift „Wut im Aufsichtsrat“ (Wut, weil die Summe angeblich so exorbitant hoch ist) verstehen wir allerdings beim besten Willen nicht. Denn ohne hier einen auf dicke Hose machen zu wollen: Was sind 6 Mio. Euro gegen die Milliardensummen (Bilanzsumme ca. 2000 Mrd. Euro, bis zu 3 Mrd. Euro Übernahmeprämie auf den Coba-Aktienkurs), um die es bei dem Deal gegangen wäre? Und nur zur Einordnung: Im Zuge des HSH-Nordbank-Verkaufs sind angeblich Beraterkosten von mehr als 400 Mio. Euro angefallen, bei einem Deal-Volumen von rund 1 Mrd. Euro. Da wäre ein bisschen Wut eher angezeigt gewesen. FAZ

Zwei Monate ist’s her, dass wir nach den vielen Funding-Runden der vorangegangenen Monate fragten … „und, liebe Fintechs, was macht Ihr jetzt mit dem ganzen Geld?“– jedenfalls: In dieser Woche gibt’s die Antworten. Denn während Finleap (siehe oben) einfach mal Check24 attackiert, hat der Berliner Einlagen-Spezialist Raisin („Weltsparen“) gestern Mittag seinen Freunden und Gönnern per Rundbrief mitgeteilt, in die USA zu expandieren. Wie das „Handelsblatt“ (Paywall) korrekterweise aufdröselt, gibt es damit nun schon vier deutsche Finanz-Startups, die sich den amerikanischen Markt vorknöpfen oder zumindest angekündigt haben, dies zu tun – nämlich neben Raisin den Erzrivalen Deposit Solution („Zinspilot“) sowie die Smartphone-Bank N26 und den Kunden-Identifizierungs-Spezialisten WebID Solutions. Ein klares Indiz dafür, dass das Selbstvertrauen unter den hiesigen Finanz-Startups wächst. Tagesspiegel

 

Kurzmeldungen: Auch die Volks- und Raiffeisenbanken – jedenfalls 546 von ihnen – bieten ihren Kunden jetzt Instant-Payment-Zahlungen an (Heise Online)  +++ Die neueste Banken-Umfrage des Bitkom kommt ungefähr zu demselben gewünschten Ergebnis wie gefühlt schon alle vorangegangenen: Die Kunden werden immer online-affiner (Umfrage-Ergebnisse, PDF)  +++ Mitgründer Stephan Ommerborn verlässt das ambitionierte Berliner Insurtech One (also das Ding, wo Wefox dahintersteht) – angeblich nach Differenzen mit Gründer Julian Teicke (Versicherungsmonitor, Paywall)

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