22/06/20: Wirecard-Briefing, Boon, Merck Finck, Seydler, FMS

23. Juni 2020

Wirecard-Briefing

Ein Treuhänder namens Mark Tolentino: Die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ haben die mutmaßliche Identität jenes Mannes enttarnt, der angeblich im Auftrag Wirecards die mittlerweile berühmten (und verschwundenen oder nie existenten) 1,9 Mrd. Euro bei den beiden mittlerweile immerhin semi-berühmten philippinischen Banken deponiert haben soll. Um nicht zu viel vorwegzunehmen: Der gute Herr Tolentino (den es übrigens zweifellos geben soll, obwohl er ebenfalls verschwunden ist) scheint ein eher gewöhnungsbedürftiger Zeitgenosse zu sein. SüddeutscheSpiegel

Apropos „Thrilla in Manila“: Nachdem die beiden semi-berühmten Geschäftsbanken (deren Namen wir uns partout nicht merken können, sorry hierfür) bereits am Freitag mitgeteilt hatten, dass die 1,9 Mrd. Euro sie nie erreicht hätten, meldete sich Sonntagfrüh auch die Zentralbank zu Wort. Tenor: Zwar liefen die Untersuchungen noch, nach derzeitigem Stand sei das Geld allerdings nie auf den Philippinen angekommen. FAZ

Zurück nach Frankfurt: Interessante PR-Strategie, die die DWS (also die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft, die mit ihrer gigantischen Wirecard-Wette gnadenlos danebenlag) da dieser Tage fährt. 1.) Im Interview mit der „FAZ“ (Paywall) darf DWS-Manager Tim Albrecht – welch großartige Ironie … – erklären, was im Umgang mit Wirecard schiefgelaufen ist. Quintessenz: Die Bafin hat Mist gebaut, die Börsenindex-Leute haben Mist gebaut, die Sell-Side Analysten haben Mist gebaut; er selber aber natürlich auch ein bisschen, deshalb verzichtet er auf den Bonus. 2.) Die DWS prüft eine Klage gegen Wirecard. Und 3.) Die DWS rühmt sich, ihre Wirecard-Position bis Anfang letzter Woche um „circa 60%“ reduziert zu haben. Doch, äh – was ist bzw. was war denn mit den übrigen 40%? Das hier: Finanz-Szene.de

Zu begrüßende, transparente Aktion von Wirecard: Bei diversen unserer Leser (genauer: Bei jenen, die ein Konto bei Wirecards N26-Herausforderer „Boon Planet“ haben) flatterte am Samstag Post ins Haus. Einleitender Satz: „Liebe/r boon.PLANET NutzerIn, sicherlich hast du bereits die aktuellen News zu Wirecard aus den Medien erfahren. Wir können absolut verstehen, wenn du nun Fragen zu deinem boon.PLANET Account hast.“ Was folgt, sind die üblichen Einlagensicherungs-Beschwichtigungen – und was bleibt, ist wie immer bei solche Schreiben die Erkenntnis: Die Kunden, die noch nicht alarmiert waren, sind es jetzt. Das ist der Preis der Transparenz. Übrigens: Wie hieß noch mal die Smartphone-Bank, die anfangs des Jahres urplötzlich mit einer spektakulären Guthaben-Verzins von 0,75% geworben hatte? Exakt erinnern wir uns nicht mehr. Aber es war irgendwas mit „Boom“ oder „Boon“ oder „Buhn“ oder so …

„Developed, implemented, administered, and enforced regulations to combat money laundering, […]“: Interessanter Lebenslauf, den der neue und erst einmal interimistische Wirecard-Chefs James Freis da in den sozialen Netzwerken ausstellt. Zur Erinnerung: Der AR-Vorsitzende Thomas Eichelmann hatte Freis ja schon nach dem KPMG-Sonderbericht von Ende April als künftigen Compliance-Chef vorgestellt. Linkedin

Wirecard-Kurznews: Laut „Bloomberg“ sind dieser Tage jene 4,2 Mio. Aktien auf den Markt geflogen, mit denen Ex-CEO Braun einst seinen 150-Mio-Euro-Kredit bei Deutschen Bank besichert hatte. Finanzkreisen zufolge hatte das Geldhaus die Papiere aber schon länger nicht mehr auf dem Buch (Bloomberg) +++ Wirecard hat die auf solche Fälle spezialisierte US-Investmentboutique Houlihan Lokey mit der Ausarbeitung einer Finanzierungs-Strategie beauftragt (dgap) +++ Moody’s hat die Bonität des Dax-Konzerns – keinen Tag zu Früh! – um sechs Notches auf B-irgendwas (jedenfalls: Junk) herabgestuft. (FAZ)

News

Bevor’s vor lauter Wirecard untergeht: Merck Finck hat am Samstag via „Börsen-Zeitung“ SOS gefunkt, die Lage sei vor dem Hintergrund von Corona „durchaus kritisch“. (BÖZ) +++ Und noch ein Hämmerchen aus der guten alten Banken-Welt: Der geplante Kauf des Wertpapierhauses Seydler durch den Tausendsassa Rolf Elgeti ist geplatzt; damit bleibt das Institut im Besitz von Oddo. (Manager Magazin) +++ Der Bankenrettungsfonds FMS hat das Jahr 2019 mit 470 Mio. Euro Verlust abgeschlossen. (Wiwo)

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