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23/12/21: Last-Minute-Drama um EPI, Wende im Kampf um die Schufa, Knof pro Bund

23. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Spektakuläre Wende im Poker um die Schufa: Laut einem Bericht des Handelsblatts (Paywall) wollen Sparkassen und Volksbanken den Einstieg des Finanzinvestors EQT bei der bankeneigenen Wirtschaftsauskunftei verhindern. Die Schweden hatten eine Grundsatzeinigung mit der Société Générale erzielt, deren knapp 10%-igen Anteil zu übernehmen. Als Bewertung waren rund 2 Mrd. Euro am Gespräch – womit sich für den besagten Anteil ein Kaufpreis von knapp 200 Mio. Euro ergeben hätte. Dem HB-Bericht zufolge wollen die beiden Verbünde nun aber ein Vorkaufsrecht geltend machen und das SocGen-Paket selbst übernehmen. Laut Schufa-Website halten Sparkassen und Genobanken zusammen gut 34%* an der Schufa, würden sich also mit den zusätzlichen knapp 10% einer Mehrheit nähern. Ob sich EQT unter diesen Umständen weiterhin für die Anteile der Commerzbank (12,3%) und der Deutschen Bank (6,3%) interessieren würde, bliebe abzuwarten.

* Laut dem HB-Artikel, auf den wir uns ansonsten berufen, sind es sogar 47%; eine schlüssige Erklärung für den Widerspruch haben wir leider nicht, sorry

* Ergänzung, 23. Dezember, 13.58 Uhr: Die rund 47% ergeben sich allem Anschein nach durch die Einbeziehung weiterer genossenschaftlicher Player wie der Teambank, die auf der Schufa-Website allerdings nicht nur „Genossenschaftsbanken“, sondern unter „Kreditbanken“ subsummiert werden. De facto kämen Sparkassen und Genos mit den knapp 10% der SocGen (so jedenfalls stellt es sich für uns dar) dann sogar über 50% der Anteile.

Entscheidung über „European Payments Initiative“ erneut vertagt: Es war Dienstabend, 20.43 Uhr, als im E-Mail-Postfach eine Pressemitteilung des DSGV landete, bei der man sich nach Lektüre fragte, was nun eigentlich seltsamer ist – die Uhrzeit oder der Inhalt? Bereits die Überschrift („Sparkassen stehen zu European Payments Initiative“) verriet, dass der DSGV nichts wirklich Neues zu verkünden hat. Und so las es sich ein bisschen, also hätte man zwischen den Zeilen eigentlich nur folgende Botschaft platzieren wollen: „Falls EPI morgen (also: am Mittwoch) scheitert, sind wir es nicht gewesen“ …

… Jedenfalls: Am gestrigen Mittwoch sollte dann ja die Entscheidung fallen, ob das geplante paneuropäische Bezahlsystem gefundet wird oder nicht – und wenn ja, von wem. Doch stattdessen: Wurde ebendiese Entscheidung erneut vertagt, wie es am Nachmittag in Finanzkreisen hieß, angeblich auf Januar. Warum? Die grundsätzliche Gemengelage hatten wir kürzlich ja exklusiv für Sie aufgedröselt (siehe -> „Ringen um EPI: Deutsche Banken uneins über Umgang mit Spanien“). Wenn wir nun die dürren Informationen, die uns gestern zugetragen wurden, mit ganz viel Deutung anreichern, könnte sich folgende Schlussfolgerung ergeben: Die Sparkassen und die Deutsche Bank wollen EPI. Aber lieber ohne die Spanier als zu den Bedingungen der Spanier. Die Commerzbank und die DZ Bank wiederum wollen EPI zwar irgendwie auch. Aber lieber zu den Bedingungen der Spanier als ohne die Spanier. Daraus folgt, dass sich irgendeiner zwischen den Jahren endlich mal bewegen muss. Am allerliebsten natürlich, würden wir durch die deutsche Brille sagen – die Spanier.

News

Commerzbank-Chef Manfred Knof hat sich in einem Interview mit der „FT“ (Paywall) dafür ausgesprochen, dass der Bund seinen Anteil an dem Institut zumindest vorerst behalten soll +++ Verdi geht mit der Forderung einer 6%-igen Gehaltserhöhung in die Tarifverhandlungen bei der Postbank (Zeit/dpa) +++ Nach seiner Datenleck mit einigen zehntausend betroffenen Kunden (siehe unseren Bericht aus dem Oktober 2020) muss das Investment-Fintech Scalable Capital einem dieser Kunden 2.500 Euro Schadensersatz zahlen, hat das Landgericht München entschieden (Business Insider)

Wochen-Snippets

  • In unseren „Sparkassen und Genosektor“-Snippets beschäftigen wir uns diese Woche mit der Volksbank Neckartal, die einem mutmaßlichen Betrüger 12 Mio. Euro geliehen hat. Außerdem: Die mutmaßlich letzte Fusion des Jahres. Voilà: Finanz-Szene.de
  • In unseren Personalien-Snippets haben wir noch den designierten künftigen Vorstandschef einer der größten Hypothekenbanken der Republik für Sie, die zudem in Sachen Diversity in einer eigenen Liga spielt. Daneben: Helaba, Union Investment, KfW, Metzler, OLB und „Bürgerbewegung Finanzwende“. Bitte sehr: Finanz-Szene.de

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