25/03/20: Aareal, DKB, KfW-Kredite, NordLB, Revolut

25. März 2020

Legt sich die Aareal Bank allen Ernstes lieber mit der Bafin als mit ihren Aktionären an? „Wir raten Finanzinstituten, mit vorhandenen Kapitalressourcen sehr sorgfältig umzugehen.“ So ließ sich Bafin-Chef Felix Hufeld gestern in einer eigens versandten Pressemitteilung zitieren. Mit anderen Worten: Die Aufsicht forderte (und fordert) einen Dividendenverzicht. Was im ersten Moment tough klang, bevor man sich im zweiten fragte: Wer kann denn da überhaupt gemeint sein? Die Deutsche Bank? Hat schon angekündigt, nichts ausschütten zu wollen. Die Coba? Hatte zwar eine Mini-Dividende von 15 Cent in Aussicht gestellte, dürfte sich von diesem Plan allerdings verabschieden, wenn wir die „Süddeutsche Zeitung“ heute Morgen richtig interpretieren. Wer bleibt dann noch?

… ach ja, ups, natürlich, es bleiben: die Deutsche Pfandbriefbank (PBB), aus deren Ausschüttungsplänen sich nach dem jüngsten 56%igen Kursrutsch eine surreale Dividendenrendite von 13% errechnet; und die Aareal, die – nachdem’s für die Aktie zuletzt um 55% runterging – sogar auf eine geplante Dividenrendite von 15% (!!!) kommt, wie wir bereits in unserem gestrigen Newsletter amüsiert angemerkt hatten. Doch während die Commerzbank den Zaunpfahl-Wink der Bafin verstanden zu haben scheint, verwies ein Aareal-Sprecher gestern gegenüber der „SZ“ auf die bestehenden Ausschüttungspläne. Was uns wiederum an die fußaufstapfende, Arme-vor-der-Brust-verschränkende Renitenz einer Fünfjährigen erinnerte, die man freundlich darauf hinweist, dass jetzt mal gut ist mit Youtube …

… denn, zur Einordnung: Auch wenn dank des historischen Dax-Gewinns von 11% gestern selbst die Aareal-Aktie nicht anders konnte, als nach zuvor sechs Verlusttagen in Folge zumindest mal ein bisschen aufzuholen – der Börsenwert des Wiesbadener Immobilien-Finanzierers liegt trotzdem bei nur noch gut 850 Mio. Euro. Dazu wiederum muss man wissen: Im Februar hatten wir uns für unsere große Aareal-Stück („Wie der Aareal Bank peu à peu das Geschäftsmodell erodiert“) ziemlich intensiv mit dem M-Dax-Konzern und seiner Software-Tochter Aareon befasst. Ergebnis: Analysten bezifferten den Wert von Aareon seinerzeit auf irgendwas zwischen 400 Mio. und 1 Mrd. Euro – durchaus nachvollziehbar in Anbetracht von 37 Mio. Euro Betriebsergebnis, 60% Marktanteil, ordentlichem Wachstum, fehlender Zinssensitivität und geringem Kapitalansatz. Würde man der Aareon diesen Wert weiterhin zubilligen, würde der Wert, den die Börse der Mutter zuschreibt also allmählich gegen Null tendieren. Sich in dieser Lage fußauftretend mit Arme-vor-der-Brust-verschränkten Armen vor den Aufseher zu stellen – das wäre wirklich tough.

Apropos historischer Dax-Gewinn: Von dem hätte gestern vermutlich auch ein oder andere der zuletzt 250.000 Wertpapierkunden der DKB gern profitiert. Ging aber nicht. Zumindest nicht per Online-Order. Und übrigens auch nicht per Telefon. Weil: Unter dem schönen Stichwort „Notfallorder“ bot die zweitgrößte Onlinebank des Landes ihre Dienste zwar gestern noch an. Möglich waren aber nur Verkäufe und Streichungen. Keine Käufe. Was, bitteschön, ist da schon wieder los? Warum kriegt die BayernLB-Tochter ihre technischen Probleme partout nicht in den Griff (am Freitag war das Online-Brokerage übrigens auch schon down gewesen …)? Und welchem ihrer diversen Dienstleister schiebt die DKB die Schuld diesmal in die Schuhe? Voilà: Finanz-Szene.de

News

Allein bei der Deutschen Bank sind gestern schon mehr als 2000 Anträge auf KfW-Nothilfekredite eingegangen, … +++ … die Commerzbank verzeichnete eigenen Angaben zufolge „Anfragen im hohen vierstelligen Bereich“, wobei zwei Drittel die Kriterien nicht erfüllten hätten …, +++ … während bei der KfW selber bis zum Mittag bereits von den Geschäftsbanken geprüfte Anträge im Gesamtvolumen von 1,985 Mrd. Euro eingingen (Reuters) +++ Apropos KfW-Nothilfekredite: Die Staatsbank hat gestern auf Finanz-Szene.de-Anfrage nochmal klargestellt, dass die Unternehmen mit dem Geld ihren laufenden Kapitaldienst erfüllen dürfen; Umschuldungen sind hingegen nicht erlaubt +++ Die NordLB hat das Geschäftsjahr 2019 mit einem Verlust von 69 Mio. Euro abgeschlossen (n-tv) +++ … und macht den Standort Bremen (also quasi: die 2017 akquirierte Bremer Landesbank) komplett dicht. (Weser-Kurier) +++ Der frühere DWS-Manager Sven Simonis wird neuer Leiter des deutschen Asset Managements der Credit Suisse (Finews) +++ Rund ein dreiviertel Jahr nach N26 ist nun auch der britische Erzrivale Revolut in den USA gestartet (The Verge)

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