News des Tages

30/06/21: Eine Bank wie ein Augiasstall, Coba-Kahlschlag, IDnow’s fetter Deal

30. Juni 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Wer sind die Bank und die Finanzholding, die die Bafin aber mal so richtig auf dem Kieker hat? Viele von Ihnen (zumal: die Betroffenen) werden es längst mitbekommen haben: Auf der Website unserer lieben Finanzaufsicht findet sich unter dem Rubrum „Maßnahmen“ seit einigen Tagen eine Meldung mit der unheilschwangeren Headline: „Bafin ordnet erhöhte Eigenmittelanforderungen an“ – und zwar gegenüber gleich zwei ihrer Schäfchen, nämlich zum einen gegenüber „einem Institut“, wie es im KWG-Deutsch heißt, und zum anderen gegenüber „einer Finanzholding-Gruppe“. Die Begründung, bereinigt um die zugrundeliegenden Paragrafen: „Das Institut und die Finanzholding-Gruppe haben gegen die Anforderungen an eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation […] verstoßen“

… Das klingt, wenn wir das abgenutzte Bild an dieser Stelle bemühen dürfen, nach zwei veritablen Augiasställen. Oder eher nach einem Augiasstall? Denn so wie die Bafin „das Institut“ und „die Finanzholding-Gruppe“ in ihrer Meldung stets in einem Atemzug nennt, könnte man fast auf die Idee kommen, dass es sich bei dem Institut und der Finanzholding-Gruppe um zwei miteinander verwobene Player handelt. Aber sei’s drum. Was am Ende (jedenfalls uns) interessiert, das ist ja eigentlich nur dies hier: UM WEN GEHT’S? Sachdienliche Hinweise wie immer an redaktion@finanz-szene.de bzw. besser noch via Threema (TKUYV5Z6) oder einfach gleich durchklingeln. Noch zur groben Orientierung: Erlassen wurde die Anordnung am 12. Mai; und der entsprechende Bescheid ist rechtskräftig seit dem 15. Juni.

IDnow stemmt für eine angeblich gehobene zweistellige Millionensumme den nächsten Zukauf. Dass der Münchner Videoident-Spezialist zu den aggressiveren Fintechs da draußen zählt, war ja bekannt. Letzten Herbst übernahmen die Münchner die Call-Center-Sparte von Wirecard, kurz darauf verleibten sie sich die Düsseldorfer Identity Trust Management AG ein. Dass damit der Appetit noch nicht gestillt war, deutete sich an, als der pushende US-Investor Corsair seinen Anteil an IDnow kürzlich auf 43% steigerte (siehe unser Exklusiverl vom 9. Mai). Und nun? Haben die Bajuwaren ihren bislang größten oder wenigstens teuersten Coup gelandet: Für eine angeblich gehobene zweistellige Millionensumme übernimmt IDnow den französischen Wettbewerber Ariadnext, zu dessen Kunden u.a. die Société Générale gehört. Leisten glaubt man’s sich zu können. In Finanzkreisen heißt es, IDnow habe letztes Jahr rund 20 Mio. Euro umgesetzt – und strebe für dieses Jahr sogar mehr als doppelt so hohe Erträge an.

Kurz-News

Die Commerzbank will laut „Bloomberg“ in ihrer rund 200 Köpfe starken Kommunikationsabteilung prozentual deutlich mehr Arbeitsplätze streichen als im übrigen Konzern. Bis Ende 2024 könne gut die Hälfte der Stellen wegfallen (Bloomberg/Paywall) +++ Die insolvente Bremer Greensill Bank hat 2020 maximal riskante künftige Forderungen („future receivables“) in Höhe von 11 Mrd. US-Dollar aufgekauft – also konkret Forderungen, deren zugrundeliegenden Umsätze es noch gar nicht gibt (Bloomberg/Paywall) +++ Innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe herrscht weiterhin Dissens, wer für die angeblich 5 Mrd. Euro schweren Zusatzkosten aus der Reform der sektoreigenen Instituts-Sicherung aufkommen soll (HB/Paywall) +++ Die Sparkasse Siegen (genau, das sind bzw. waren die mit dem 414,80-Euro-Konto) verzichtet mit dem Verweis aufs BGH-Urteil nun doch auf die Zwangseinführung ihrer neuen, teils seeeeehr hochpreisigen Kontomodelle (Westfalenpost) +++ Die Deutsche Börse übernimmt einen der bekanntesten Krypto-Player im deutschsprachigen Raum, nämlich die Schweizer Crypto Finance AG, die sich auf den Handel, die Verwahrung und die Anlage im Bereich digitale Vermögenswerte spezialisiert hat … +++ … Was den Kaufpreis für den Zwei-Drittel-Anteil an dem eidgenössischen Fintech angeht, spricht der Frankfurter Börsenbetreiber von einem Betrag „im moderaten dreistelligen Schweizer-Franken-Millionenbereich“. Also kein ganz kleiner Deal (Mitteilung) +++ Apropos Krypto: Die Bafin hat Coinbase Germany, also dem hiesigen Ableger der größten US-Handelsplattform für Digitalwährungen, die Lizenz für die Verwahrung und den Handel mit digitalen Währungen erteilt. Die Coinbase-Aktie stieg infolge der Nachricht um bis zu 10% (Manager Magazin) +++ Wer folgt Gerhard Grandke als geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Hessen-Thüringen? Wie zunächst der „Platow-Brief“ und nun auch die „BÖZ“ berichtet, könnte es auf Stefan Reuß hinauslaufen, Landrat des Werra-Meißner-Kreises und bislang einer der Verbands-Vizes (BÖZ/Paywall) +++ Der frühere Credit-Suisse-Deutschland-Vorstand Björn Storim steigt bei der BNY Mellon zum Europa-CEO auf (Mitteilung)

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing