Analyse

15 stichwortartige Gründe für den krassen Absturz von Klarna

Wenn mehr oder weniger alle Fintechs da draußen Federn lassen – dann ist klar, dass auch Klarna nicht verschont bleibt. SumUp zum Beispiel wurde war zurecht gefeiert für seine (offiziell so kommunizierte) Bewertung von 8 Mrd. Euro  – allerdings soll der deutsch-britische Terminal-Spezialist angeblich signifikant mehr angestrebt haben, nämlich 20 Mrd. Euro. Oder, anderes Beispiel für die momentane Fintech-Baisse: Paypal. Aktie 72% runter auf 12-Monats-Sicht. Oder: Wise (also das britische Geldtransfer-Fintech). Aktie 59% runter seit dem Direct Listing Anfang März.

All das konnte, wie gesagt, an Klarna nicht spurlos vorbeigehen. Und so verfolgte man in den letzten Monaten mit einer “Klingt irgendwie plausibel”-Attitüde, wie dem schwedischen “Buy now, pay later”-Spezialisten zunächst die angeblich angestrebte 60-Mrd.-Dollar-Bewertung versagt bliebt (Krieg in der Ukraine …), wie dann eine Taxierung von nur noch 30 Mrd. Dollar kolportiert wurde (So sind nun mal die Zeiten …) und wie daraus sogar nur mehr 15 Mrd. Dollar wurden (Okay, okay – wenn jetzt die Rezession kommt … ).

Indes: Nun wird laut “Financial Times” plötzlich nur noch über eine Bewertung von 6,5 Mrd. Dollar verhandelt. Und das – ist dann doch eine Größenordnung, wie sie selbst vor 4-5 Wochen noch jenseits aller Vorstellungen lag. Stimmt die Zahl wirklich? Und lässt sie sich rational begründen?

15 (mögliche) Gründe für den krassen Absturz des eben noch erfolgreichsten europäischen Finanz-Startups:

  1. Momentan sinken fast alle Fintech-Bewertungen. Siehe die oben genannten oder z.B. auch Robinhood.
  2. Die BNPL-Fintechs trifft es am härtesten. Die Aktie von Klarnas US-Konkurrent Affirm ist seit dem November-Hoch um 90% gecrasht.
  3. Der E-Commerce-Boom macht Pause. Vor Corona hatte Klarnas Bewertung auch nur bei 5,5 Mrd. Dollar gelegen. Der eigentliche Hype begann erst mit der Pandemie und dem großen Shift in Richtung Online-Shopping. Dieser Trend jedoch hat spürbar nachgelassen. Die Folge …
  4. Klarna wächst nicht mehr. Die Q1-Erträge von umgerechnet 329 Mio. Euro bedeuteten zwar ein Plus von 20% zum Vorjahresquartal – aber einen Rückgang (-11%) zum Vorquartal.
  5. Wie global ist Klarna wirklich? Neben dem E-Commerce-Boom war ein weiterer Treiber für die Bewertungsexplosion die (durchaus erfolgreiche) US-Expansion. Gleichwohl kamen 2021 immer noch die Hälfte aller Erträge aus den beiden Kernmärkten Schweden und Deutschland.
  6. Die drohende Rezession macht Wachstum zum Vabanque-Spiel. In den Bestandsmärkten ließe sich das Geschäft zurzeit nur um den Preis schlechterer Bonitäten ausweiten, sagen Experten. Das aber wäre bilanziell gesehen hochriskant, zumal …
  7. Klarnas GuV ist anfällig für steigende Ausfallraten. Im Q1 reichten Kreditausfälle von 1,9% gemessen am Volumen, um ein Drittel des Umsatzes zu verschlingen.
  8. Der Funding-Druck ist enorm. Im zweiten Halbjahr 2021 verbrannte Klarna eine komplette Funding-Runde (525 Mio. Euro); auch von Januar bis März machten die Schweden wieder 235 Mio. Euro Verlust – gemessen an einem Eigenkapital von zuletzt noch rund 1,5 Mrd. Euro. Eher früher als später muss das Fintech (das als Bank ja auch Eigenkapitalvorgaben zu erfüllen hat) wieder funden.
  9. Die Refi-Kosten steigen. Für einjähriges Festgeld bietet Klarna deutschen Sparern aktuell 1,3%. Vor zwölf Monaten waren es 0,5%. Und: Nicht nur für Klarna wird das Geld teuer – das Gleiche gilt für Klarnas Investoren.
  10. Die Regulatoren kommen. Sowohl in der EU als auch in den USA drohen dem “BNPL”-Modell vonseiten der Regulierer strengere Vorgaben.
  11. Wachsende Konkurrenz. Überall auf der Welt sind in den zurückliegenden Jahren neue BNPL-Player entstanden, etwa Scalapay in Italien. Für Händler (deren Provisionen letztes Jahr 76% von Klarnas Erträgen ausmachten) tun sich Alternativen zu dem schwedischen Fintech auf.
  12. Apple. Auch und gerade der Anfang Juni verkündeten Einstieg des US-Konzerns ins BNPL-Geschäft (via “Pay later”-Funktion in der Apple-Wallet) könnte merkliche negative Folgen für Klarnas Marktposition haben.
  13. Fehlender Fokus? Im Boom wurde Klarna für seine Weiterentwicklung vom BNPL-Fintech zur Shopping-App gefeiert (auch bei uns hier). Denkbar, dass Investoren diese Strategie inzwischen sehr viel kritischer sehen.
  14. Wie stark ist die Brand wirklich? Wenn Kunden einen neuen Nutzer für die Klarna-App werben, winken Alt- und Neukunden zusammen Prämien von bis zu 50 Euro. Fragt sich, ob das noch aggressiv ist oder schon fast ein wenig desperat.
  15. Vielleicht sind die 6,5 Mrd. Dollar ja auch Low-Balling. Sollte Klarna jedenfalls dann doch zu, sagen wir, 12 Mrd. oder 17 Mrd. Dollar funden, sähe das plötzlich fast schon wie ein großer Erfolg aus.

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