Exklusiv

Aus für Wallet-Pläne? Daimler macht Luxemburger Fintech dicht

18. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Daimler macht sein 2018 mit großem Pomp erworbenes Luxemburger Payment-Fintech dicht. Diese Exklusiv-Information wurde Finanz-Szene.de gestern Nachmittag vom Stuttgarter Automobilkonzern indirekt bestätigt. Man habe entschieden, sich bei Mercedes Pay in Zukunft „auf die weitere Skalierung der Global Payment Platform zu fokussieren und digitale Geschäftsmodelle für die Tochtergesellschaften der Daimler AG zu ermöglichen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. „In diesem Zusammenhang werden die Kompetenzen für nicht-regulierte digitale Zahlungssysteme und das Know-How im Bereich ePayment an den Standorten Stuttgart und Berlin gebündelt.“ Darüber hinaus war der Dax-Konzern zu keiner Stellungnahme bereit.

Brancheninsider deuten die Gemengelage so, dass die Pläne für eine eigene Mercedes-Wallet möglicherweise nicht weiter verfolgt werden. Rückblick: Anfang 2017 hatte Daimler stolz die Übernahme der PayCash Europe verkündet (Mitteilung) – eines vielbeachteten deutsch-luxemburgischen Startups, das neben mobiler Bezahlung auch Krypto-Lösungen und Wallet-Systeme anbots.

In der damaligen Pressemitteilung hieß es: „Mit dem Einstieg ins ePayment-Business wird die Daimler AG unter dem Markennamen ‚Mercedes pay‘ künftig seinen eigenen elektronischen Zahlungsdienstleister an den Start bringen.“ Finanzchef Bodo Uebber bezeichnete die neue Tochter damals als „elementaren Bestandteil unserer Mobilitäts- und Digitalisierungsstrategie.“ Klaus Entenmann, Chef des hauseigenen Finanzkonzerns Daimler Financial Services, ließ sich wie folgt zitieren: „‚Mercedes pay‘ ermöglicht ein technisch einfaches und sicheres Abwickeln unserer digitalen Angebote“ – womit zum Beispiel der Sharing-Anbieter Car2Go oder die Mytaxi-App gemeint waren. Die Produktidee wurde wurde klar benannt: Um eine „eWallet“ sollte es gehen, also um den „virtuellen Geldbeutel“ von Mercedes.

Schon im Mai 2018 berichtete Finanz-Szene.de allerdings von Problemen bei der neuen Tochter. So war von der angekündigten Wallet-Lösung damals noch nichts zu sehen, CEO Jürgen Wolff hatte man offenkundig durch den langjährigen Mercedes-Bank-Manager Bartosz Swatko ersetzt. Nun – knapp zwei Jahre später – ist zwar immerhin eine „Mercedes Pay“-Website live, auf der auch weiterhin von einer eWallet gesprochen wird. Entscheidend vorangekommen sei man bei der Entwicklung allerdings nicht, sagen Brancheninsider.

Zuletzt machten bereits Gerüchte die Runde, Daimler suche nach einem Käufer für das Luxemburger Venture. Diese Pläne allerdings hätten sich zerschlagen, sagte uns gestern ein Kenner der Materie. Wie viel Geld das Luxemburg-Experiment insgesamt verschlungen hat, ist unklar. In der Branche wird über einen „spürbaren zweistelligen Millionenbetrag“ gemutmaßt.

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