Kurz gebloggt

Paydirekt verliert auf einen Schlag tausende Händler

7. Oktober 2020

Von Heinz-Roger Dohms

„Paydirekt begrüßt weitere Händler“. So posaunte es der Online-Bezahldienst der deutschen Banken und Sparkassen am vergangenen Freitag in die Welt hinaus hinaus. Neben dem Sportartikel-Händler Decathlon habe man unter anderem den Werkstatt-Spezialisten Pitstop, den Agrarhändler Baywa sowie Hagebau als Kunden gewonnen. Auf Twitter wurde die Erfolgsmeldung um ein steil nach oben zeigendes Balkendiagramm ergänzt, garniert mit dem Bild einer stilisierten Rakete …

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Das sah alles sehr schön aus – war aber leider ein bisschen irreführend. Denn: Bei korrekter Darstellung hätte der letzte Balken markant kleiner ausfallen müssen. Per saldo muss Paydirekt dieser Tage nämlich den Verlust tausender Händler verkraften.

Und das kam so:  Kritik an der trägen Entwicklung seines Geschäfts kontert der Paypal-Klon der deutschen Kreditwirtschaft gern mit der Zahl der bereits gewonnenen Händler. „Rund 10.400 Online-Shops bieten Paydirekt als Zahlverfahren an“, heißt es dazu aktuell (aber wohl nicht mehr lange) auf der Homepage. Was zwar auf Nachfrage nie verschwiegen, allerdings auch nie betont wurde: Rund 7000 dieser 10.400 Shops sind lediglich mittelbar mit Paydirekt verbunden. Es handelt sich dabei um zumeist kleine Onlinehändler, die ihre Produkte über den Bamberger Online-Marktplatz Rakuten feilbieten. Rakuten hatte Paydirekt – neben vielen anderen Bezahlverfahren – Ende 2016 integriert und steht damit rein rechnerisch bis heute für einen Großteil der Paydirekt-Partner.

Nun hat der japanische Milliardenkonzern Rakuten aber vergangene Woche die Schließung seines deutschen Marktplatzes angekündigt. Kunden können Bestellungen nur noch bis zum 15. Oktober aufgeben, danach soll die hiesige Rakuten-Plattform dichtgemacht werden. Heißt für die Händler: Sie müssen sich einen neuen Marktplatz suchen. Und für Paydirekt: Die Zahl der Shops dürfte erst einmal von rund 10.500 auf nur noch rund 3500 sinken. Wobei Paydirekt auf Nachfrage zu Protokoll gibt, „mit Schuhe24 und anderen Marktplätzen“ habe man kürzlich auch „mehrere tausend weitere Shops erschließen können“.

Wie stark sich der Rückzug von Rakuten auf das tatsächliche Transaktionsvolumen auswirken wird, ist unklar. Natürlich wird der Geschäftsumfang jetzt nicht um zwei Drittel einbrechen. Aber umgekehrt dürfte der Abschied tausender Händler auch nicht spurlos an Paydirekt vorbeigehen. Zumal es sich beim Aus für Rakuten um den zweiten herben Rückschlag in relativ kurzer Zeit handelt. Denn: Als mit Abstand größter Partner von Paydirekt galt vor Corona die Deutsche Bahn, siehe unsere Recherche aus dem vergangenen Jahr. Die Bahn allerdings leidet unter der Pandemie so stark wie kaum ein anderes Unternehmen. Was in der Ableitung bedeutet, dass Paydirekt mit seinem wichtigsten Kunden in den vergangenen Monaten weit weniger Geschäft gemacht haben dürfte als vor der Krise.

Auf Anfrage wollte sich Paydirekt diese Woche zu den Transaktionszahlen nicht äußern. Wobei immerhin feststeht: Demnächst wird es für Paydirekt bei den Transaktionen einen ordentlichen Schub – nämlich wenn die Übernahme des (gemessen am Geschäftsvolumen mutmaßlich größeren Schwesterunternehmens) Giropay abgeschlossen wird.

Fusion mit Giropay perfekt – Name „Paydirekt“ verschwindet

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