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Regulierung als Vorteil: Warum Banken auf BNPL setzen sollten

Es ist der Ritterschlag für den Fintech-Trend: Apple, das wertvollste Unternehmen der Welt, wird im Herbst in den stark wachsenden “Buy now, pay later”-Markt (BNPL) einsteigen. Die Integration des Payment-Dienstes Apple Pay in zahlreiche Apps und Online-Shops ermöglicht es den Kund:innen des iPhone-Giganten, die Kosten eines Apple-Pay-Kaufes in vier gleich große Raten auf sechs Wochen verteilen zu können. Anstatt auf den bisherigen Partner Goldman Sachs zu setzen, mit dem etwa eine eigene Kreditkarte auf den Markt gebracht wurde, geht Apple den eigenständigen Weg. Die neue Tochter Apple Financing LLC wird die Lending-Services selbst anbieten – was den US-Tech-Riesen immer mehr zu einer Art Bank macht.

Apple steigt damit in die Riege der Architekten der BNPL-Branche auf – neben Vorreitern wie Affirm aus den USA oder Klarna aus Schweden, die den neuen digitalen Markt bereits seit 2012 bzw. seit 2005 aufbereiten. Der US-Pionier Affirm war es auch, der dem E-Commerce-Riesen Amazon vergangenes Jahr im B2C-Bereich zum Einstieg in den BNPL-Markt verhalf. Und Amazon baut weiter aus: Gemeinsam mit Barclays aus Großbritannien hat der Online-Riese nun für europäische Kund:innen auf Basis von Amazon Pay die Möglichkeit von Ratenzahlungen eingeführt. Auch Amazon zeigt damit, wie Partnerschaften zwischen Tech-Playern und Bankhäusern fruchten können.

BNPL bleibt ein Wachstumsmarkt – mit vielen Spielarten

Zwar haben sich diese und andere heutige BNPL-Provider aus verschiedenen Richtungen dem Kern des Geschäftsmodells angenähert (Klarna startete etwa mit dem Rechnungskauf), doch heute eint sie eines: Sie ermöglichen es Konsument:innen auf der ganzen Welt, schnell und einfach direkt im Shopping-Prozess auf digitale Finanzierungs-Lösungen wie etwa den Ratenkauf zuzugreifen. Für E-Commerce-Anbieter ist BNPL heute unverzichtbar, die Nachfrage enorm. BNPL-Lösungen haben sich zum größten Herausforderer der Kreditkarte beim Shopping (digital wie auch am PoS) entwickelt. So soll der BNPL-Markt von 266 Mrd. Dollar im Jahr 2021 auf 995 Mrd. Dollar im Jahr 2026 wachsen, schätzte vor einem Jahr der Marktforscher Juniper.

Einige, aber bei weitem nicht alle Banken haben erkannt, wie relevant der wichtigste Fintech-Trend der letzten Jahre für sie ist – und dass sie ihn nicht auslassen dürfen. BNPL erlaubt unterschiedliche Spielarten. Der Kauf auf Rechnung ist die einfachste, daneben gibt es Ratenkauf, Konsum- und Rahmenkredite. Also alles Finanzprodukte, die man früher bei Banken suchte, die heute aber mittels Embedded Finance direkt in den digitalen Kaufprozess eingebettet werden können. Apple oder Klarna haben das verstanden – sie werden direkt am Touchpoint (z.B. dem Web-Shop) zum gefragten Helfer für die Konsument:innen. Bei den Händler:innen kommt das ebenfalls gut an, weil sie höhere Abschlussraten und größere Warenkörbe sehen.

Banken müssen die BNPL-Regulierung weit weniger fürchten

Traditionelle Banken erkennen nun, dass die Fintechs immer weiter in ihr Kerngeschäft eindringen. Während manche BNPL-Provider wie Klarna selbst zur Bank werden und aktuell stark mit den veränderten Marktbedingungen (hohe Inflation, Ukraine-Krieg, Rezession usw.) kämpfen, liegt die Stärke von B2B-Playern im BNPL-Markt darin, ihre Whitelabel-Lösungen mit etablierten Banken zu kombinieren und so Händlern stabile digitale Finanzierungs-Lösungen anbieten zu können. Während es die Affirms und Klarna als B2C-Unternehmen zunehmend schwerer haben, kommt der BNPL-Markt im B2B-Bereich erst so richtig in die Gänge.

Die Schattenseite des BNPL-Booms: Manche Anbieter:innen sind als digitale Schuldenfalle für die Generation Y verschrien. Auch deswegen werden Forderung seitens der Politik, die digitalen Geldverleiher stärker in die Pflicht zu nehmen, immer lauter. Von Australien über Großbritannien über die EU bis in die USA: BNPL-Anbietern stehen rund um den Globus strengere Vorgaben der Finanzaufsichten ins Haus. Für die Banken könnte hierin sogar eine Chance liegen, weil sie bereits strengen Regularien unterliegen – während Fintech-Player erst noch zeigen müssen, dass sie mit strengeren Vorgaben zurechtkommen.


*Christian C. Waldheim ist Co-CEO des österreichischen BNPL-Spezialisten Credi2, zu dessen Kunden nach eigenen Angaben zum Beispiel die Deutsche Bank, die VW-Bank und die Raiffeisenbank International zählen. Credi2 gehört zu den Premium-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zum Partner-Modell erfahren Sie hier.

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