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Das Fixpreis-Modell: So geht faire Innovation am PoS

10. März 2020

Von Rudolf Linsenbarth*

Schröpfen Visa und Mastercard die Händler? Oder sind Interchange, Scheme Fee und sonstige Gebühren die zwingende Voraussetzung dafür, dass sich Innovationen am Point of Sale überhaupt finanzieren lassen? Darüber debattierten vergangene Woche bei Finanz-Szene.de der Handels-Lobbyist Ulrich Binnebößel und der Payment-Advokat und Ex-Concardis-Chef Marcus Mosen.

In beiden Beiträgen finden sich zwar Aussagen, denen ich zustimmen würde. In der Frage wie eine zukünftige Regulierung von Zahlungsentgelten ausgestaltet werden soll, liegen meiner Meinung nach aber sowohl Mosen als auch Binnebößel daneben.

Rückblick: Das Ziel der „Multilateral Interchange Fee (MIF)“-Regulierung war es, die nicht verhandelbaren Anteile am Zahlungsentgelt per Dekret festzulegen. Von den drei Gebühren-Komponenten einer Kreditkarten-Transaktion …

  • Interchange = nicht verhandelbar
  • Scheme Fee = nicht verhandelbar
  • Acquiring Fee = verhandelbar

… waren also durch von der MIF-Regulierung betroffen.

Konkret:

Interchange

Die Interchange wurde reguliert, Außer für Drei-Parteien-Systeme und Business-Karten. Zudem wurde die Höhe der Interchange davon abhängig gemacht, ob der Kartenherausgeber seine Kunden nur einmal im Monat (Charge Card) oder direkt für jede Zahlung (Debit Card bzw. Prepaid) belastet.

Scheme Fee

Die Scheme Fee ist nicht einmal für große Händler verhandelbar und gehört daher in die Regulierung! Wobei ich damit nicht zwingend sagen will, dass die Scheme Fees derzeit zu hoch sind. Und es braucht sie auch. Wo es nämlich keine Scheme Fees gibt, fehlt der finanzielle Spielraum für Innovationen, wie man am Beispiel der Girocard sieht.

Acquiring Fee

Die Acquiring Fee ist zwar verhandelbar, aber nur für große Händler. Kleinere  stehen einem Oligopol gegenüber und würden sich wahrscheinlich glücklich schätzen, wenn sie nicht mehr als das Dreifache von, sagen wir, Aldi bezahlen müssten.

Wie ist nun das Ansinnen des Handels zu bewerten, die Interchange-Gebühren komplett zu streichen? Um es kurz zu machen: Ich glaube an das „No-free-Lunch-Theoreme“ und halte nichts von Binnebößels Idee. Jede Leistung muss bezahlt werden, auch die einer Bank! Man kann aber beispielsweise die umsatzabhängigen Entgeltmodelle prinzipiell in Frage stellen. Die Niederlande sind hier ein spannendes Beispiel, wo ein günstiger Fixpreis zu einer nahezu 100% Abdeckung mit Kartenzahlungen geführt hat.

Aber der Handel hat es auch selber in der Hand, Alternativen an den Start zu bringen. Instant Payment wäre theoretisch der Hebel für solch ein Verfahren. Aber hier stimme ich mit dem Kollegen Mosen einmal völlig überein: Für ein kostenfreies Instant Payment als eigenständige Funktionalität gibt es derzeit keinen Plan! Wie es derzeit aussieht, ist der Handel noch nicht einmal bereit, ein entsprechendes Pilotprojekt selbst zu finanzieren. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, warum Hippos bisher nur ein Papiertiger ist.

Auch anderen Initiativen, wie dem von Payback für den Handel mundgerecht entwickelten „Payback Pay“, mangelt es an ausreichender Unterstützung. Stattdessen beschäftigt man sich lieber damit, die Girocard mit schrägen Umsetzungen einer kontaktlosen Lastschrift zu unterlaufen

Letzten Endes erwarte ich von der „MIF 2.0“ nur einen Kompromiss, mit dem weder der Handel, noch die Finanzwirtschaft zufrieden sein werden.


*Rudolf Linsenbarth ist seit mehr als 15 Jahren in den Bereichen Banking, Consulting, IT und Handel tätig – und schreibt als Payment-Blogger unter anderem für das „IT-Finanzmagazin“.  Bei Twitter finden Sie ihn unter @holimuk.

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