Kurz gebloggt

Das ist (so nicht alles täuscht) der Freispruch für Wirecard

22. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Als wir gestern irgendwann gegen 22.30 Uhr (ahnungslos, weil wir den Abend über mit 1000 anderen Dingen beschäftigt waren) einfach mal „Wirecard“ bei „Google“ eingaben, da lauteten die drei angezeigten News-Schlagzeilen: „KPMG beendet Arbeit“; „KPMG-Sonderprüfung dauert an“; und: „KPMG-Prüfer finden keine Anzeichen für Bilanz-Manipulation bei Wirecard“. Alles also so wie immer – nämlich maximal widersprüchlich und verwirrend.

Dann indes sorgte ein Blick in die Primärquelle für Klarheit. Um 21.03 Uhr hatte Wirecard eine Ad-hoc veröffentlicht, in der zwar geschrieben stand, die für diese Woche erwarteten Ergebnisse der KPMG-Sonderprüfung kämen jetzt doch erst am Montag. Zugleich stand dort aber (so dass man erst gar nicht auf böse Gedanken verfallen konnte): „In den verbleibenden Tagen sollen noch eingegangene Datenbestände verarbeitet und berücksichtigt werden.“ Also allem Anschein nach nichts Wildes mehr ..

Wer noch weiter las, der erfuhr im zweiten Absatz dann auch noch, bislang hätten sich „keine substanziellen Feststellungen ergeben, die für die Jahresabschlüsse im Untersuchungszeitraum 2016, 2017 und 2018 zu Korrekturbedarf geführt hätten“. Und noch weiter: „Belege für die öffentlich erhobenen Vorwürfe der Bilanzmanipulation wurden nicht gefunden.“ Mit anderen Worten: Wenn man mal nicht davon ausgeht, dass der Wirecard-Chef gestern Abend die versammelten KPMG-Prüfer in ein Kellerverlies gelockt hat, um sodann die Tür zu diesem Kellerverlies von außen abzuriegeln, um schließlich gegen den erklärten Willen der KPMG-Prüfer besagte Ad-hoc rauszuhauen – dann dürfte dies die von den Aktionären seit Monaten herbeigesehnte „Entlastung“ sein.

Wobei, Wirecard wäre nicht Wirecard, hätte der gestrige Abend nicht auch noch eine Seltsamkeit mit sich gebracht. So berichtete nämlich die „Wirtschaftswoche“, Aufsichtsrätin Susana Quintana-Plaza werde das Wirecard-Kontrollremium nach nicht mal zwei Jahren offenbar schon wieder verlassen. Eine offizielle Bestätigung hierfür gibt es nicht; die „Wiwo“ verweist auf eine entsprechende Eintragung im Linkedin-Profil der Managerin. Ad-hoc-Mitteilung, Wiwo

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