Kurz gebloggt

Der EPI-Austritt der Coba – und wie das Rettungsszenario aussieht

17. Januar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Der Schritt als solcher überraschte nicht mehr. Der Weg der kommunikativen Darreichung allerdings schon. Mit einem brüsken “On the record”-Statement (ventiliert gegen Mittag zunächst via “Handelsblatt”) hat die Commerzbank gestern ihren Austritt aus der European Payment Initiative verkündet. Tenor: Das bringt doch alles nichts mehr.

Ist die Idee eines paneuropäischen Payment-Schemes damit gestorben? Gibt es noch ein “Letzte Chance”-Szenario? Und was ist in den vergangenen Wochen eigentlich passiert, dass EPI nun ausgerechnet an den deutschen Banken zu scheitern droht? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

1.) Was hat die Commerzbank gestern mitgeteilt?

Dies hier:

“Die European Payments Initiative ist eine richtige Idee, um einen europäischen Zahlungsverkehr voranzubringen. Allerdings hatten bereits zahlreiche Banken aus diversen europäischen Ländern ihren Rückzug erklärt. Die verbliebene Reichweite (Marktabdeckung) und relativ hohe Anfangsinvestitionen stehen nicht mehr im Einklang – damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine strategische Investition nicht gegeben. Deshalb werden wir uns an EPI zum jetzigen Zeitpunkt nicht beteiligen. Neue Optionen bei EPI werden wir natürlich bewerten und die Weiterentwicklung konstruktiv begleiten.”


2.) Wie es zu dem Rückzug gekommen?

Ende November hatte sich die Commerzbank noch explizit hinter EPI gestellt. Als sich dann aber immer mehr Banken (etwa aus Polen und Finnland …) von EPI distanzierten, wuchsen auch  bei der Coba und der ohnehin latent skeptischen DZ Bank die Zweifel – zumal auch die spanische Kreditwirtschaft die erhoffte Unterstützung immer weiter hinauszögerte. Hierzulande hatte EPI somit nur noch zwei klare Befürworter, nämlich die Sparkassen und die Deutsche Bank (siehe Mitte Dezember uns Scoop “Deutsche Banken bei EPI uneins über Umgang mit Spaniern”).

Kurz vor Weihnachten kam es dann zur mutmaßlich entscheidenden Sitzung der EPI-Shareholder. Die Befürworter des Projekts hatten sich ein “moralisches Commitment” erhofft, wie es in Finanzkreisen heißt. Dieses allerdings verweigerten nicht nur die iberische Banken, sondern auch die Commerzbank und die DZ Bank. Als eine Madrider Zeitung dieser Tage berichtete, dass von den spanischen Banken einzig die Santander zu einer Finanzierung von EPI bereit sei, sah die Coba offenbar den Moment gekommen, ihrerseits den Rückzug zu erklären.


3.) Warum erklärt die Coba ihren Austritt, die DZ Bank aber nicht

Zwar gibt es klare Signale, dass auch die DZ Bank den Glauben an EPI endgültig verloren hat. Anders als die Commerzbank verkneift sich das genossenschaftliche Zentralinstitut bislang allerdings eine offizielle Positionierung.

Der mögliche Hintergrund: Nach Informationen von Finanz-Szene.de hatte die Coba ihr Nicht-Commitment bei der Sitzung vor Weihnachten eher oberflächlich begründet – im Gegensatz zur DZ Bank, die ihre Bedenken sehr detailliert und offen dargelegt habe, wie es heißt. Die verbliebenen EPI-Befürworter (neben der Deutschen Bank und den Sparkassen sind das insbesondere die französischen sowie die belgischen Kreditinstitute) sollen ihre Überzeugungsarbeit in den zurückliegenden Wochen daher auf die DZ Bank konzentriert haben. Zum einen hoffte man offenbar, die Genobanker eher umstimmen zu können als die Cobanker. Zum anderen ist der genossenschaftliche Bankensektor mit seinen grob 30 Mio. Kunden ungleich erfolgskritischer. “Ohne die Commerzbank ging es möglicherweise, ohne die Volks- und Raiffeisenbanken eher nicht”, sagt ein Kenner der Vorgänge.

Das Umgarnen in den zurückliegenden Woche könnte dazu beigetragen haben, dass sich die DZ Bank vorerst noch scheut, ihren Rückzug zu erklären – während sich die weniger umgarnte Commerzbank sich damit offenkundig (auch emotional) leichter tat.


4.) Wie sieht das “Letzte Chance”-Szenario aus?

Die Zweifel bei der DZ Bank sollen sich nicht grundlegend von denen bei der Commerzbank unterscheiden:

  • Zu wenig Unterstützung für das Projekt aus den Peripherieländern …
  • … mit der Folge, dass für die teilnehmenden Banken die Fundingkosten (pro Institut gerechnet) steigen, während die Erfolgschancen sinken
  • Eine weiterhin nur vage Aussicht auf öffentliche Förderung

Daneben, so heißt es, schrecke die DZ Bank so deutlich wie kein anderes hiesiges Institut vor der ultimativen Konsequenz des EPI-Projekts zurück – nämlich eher früher als später die Girocard zugunsten der “EPI-Card” aufzugeben. Stattdessen schwebt den Genossen offenbar ein Projektplan vor, bei dem EPI und Girocard möglichst lange parallel existieren (wohl auch, um eine Fallback-Lösung zu haben für den Fall, dass sich EPI beim Endkunden nicht durchsetzen sollte).

An diesem Punkt auf die Genossen zuzugehen, könnte die DZ Bank möglicherweise veranlassen, sich doch noch an einem EPI-Funding zu beteiligen. Wobei sich diverse EPI-Befürworter mit dieser Konzession schwertun dürften. Und sonst? Bliebe allenfalls noch ein Szenario, bei dem die französischen und die belgischen Banken sowie hierzulande die Deutsche Bank und die Sparkassen das Funding für EPI mehr oder weniger komplett übernehmen – Institute wie die DZ Bank sich aber wenigstens verpflichten, ihren Kunden die EPI-Produkte anzubieten. Ein solches Setup freilich wäre äußerst fragil.

Ist EPI noch zu retten? Und was wird sonst aus der Girocard?

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing