Exklusiv

Der nächste Concardis-Schock: Jeder sechste Job fällt weg

22. Januar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Paukenschlag in der deutschen Payment-Branche: Beim ehemals bankeneigenen Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis drohen nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de massive Stellenstreichungen. Wie wir aus dem Unternehmen hören, will die dänische Mutter Nets europaweit rund 550 Arbeitsplätze abbauen. Davon sollen 330 auf den sogenannten „Merchant Service“ entfallen. Das wiederum ist einer der Schwerpunkte von Concardis. Darum steht Insidern zufolge auch hierzulande eine spürbare Zahl von Jobs zur Disposition. Die Rede ist von bis zu 130 Stellen. Das wäre gemessen an den etwa 700 Concardis-Beschäftigten jeder fünfte bis sechste Arbeitsplatz.

Ein Unternehmenssprecher bestätigte gestern Abend gegenüber Finanz-Szene.de, dass sowohl bei Nets als auch bei Concardis Stellen wegfallen sollen – wollte sich zu genauen Zahlen aber nicht äußern. Concardis-Chef Robert Hoffmann, der zugleich die Merchant-Sparte des Gesamtkonzerns leitet, ließ sich wie folgt zitieren: „Im Zuge unserer Wachstumsstrategie hat Nets in den vergangenen Jahren mehrere Unternehmen in Europa erworben und allein im letzten Jahr die Anzahl der Mitarbeiter von 2.500 auf über 4.000 gesteigert.“ Das habe dazu geführt, dass es „innerhalb des Unternehmens einige überlappende Rollen und Funktionen“ gebe, weshalb nun „Verhandlungen mit Betriebsräten und Gewerkschaften aufgenommen“ würden. Dieser Prozess stehe „nicht im Zusammenhang mit den Verlusten von Concardis im Geschäftsjahr 2018 oder darüber hinaus, welche überwiegend auf geplante Investitionen zurückzuführen sind“.

Finanz-Szene.de hatte von wenigen Tagen exklusiv berichtet, dass bei der „Eagle Germany GmbH“ (das ist die öffentlich quasi unbekannte Dachgesellschaft der Concardis-Gruppe) 2018 Verluste in Höhe von 125 Mio. Euro angefallen sind. Darüber hinaus rechnete das Management auch für 2019 mit einem Minus „im höheren zweistelligen Millionenbereich“. Der Concardis-Sprecher hatte auch schon letzte Woche betont, ein großer Teil der Verluste gehe auf „planmäßig erhöhte Abschreibungen aus der Erstkonsolidierung der Concardis-Gruppe“ sowie auf „hohe Investitionskosten“ zurück.

Die Zahlen und Formulierungen im Abschluss zeichnen indes ein anderes Bild. So lag zum Beispiel das 2018er-Minus deutlich über Plan. Zudem findet sich im Jahresabschluss der folgende Satz: „Aufgrund der Insolvenz einer unserer Vertragspartner aus dem Geschäftsbereich Airlines und Tourismus ist mit wesentlichen Belastungen des Konzernjahresergebnisses für das Geschäftsjahr 2019 zu rechnen.“ Welches Unternehmen damit gemeint ist, blieb unklar. Wie Concardis allerdings gegenüber Finanz-Szene.de einräumte, rechnet Nets auf Konzernebene mit einem Nachsteuerverlust in Höhe von rund 100 Euro im Zusammenhang mit der Thomas-Cook-Pleite.

Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, der geplante Jobabbau in Deutschland könnte komplizierter werden als in anderen Ländern, in denen Nets tätig ist. Die nun anstehenden Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern dürften sich über Monate hinziehen – zumal es nicht nur in Eschborn, sondern darüber hinaus auch in Köln (wo der 2017 übernommene und inzwischen auf Concardis verschmolzene Netzbetreiber Cardtech seinen Sitz hatte) einen eigenen Betriebsrat gibt. Dass der drohende Stellenabbau noch verhindert werden kann – damit ist allerdings nicht zu rechnen.

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