Analyse

Warum die Deutsche Bank im Payment die Hilfe der Volksbanken braucht

30. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Hieß es nicht immer, die Kooperation zwischen der Deutschen Bank und Eintracht Frankfurt beschränke sich nicht auf die Namensrechte („Deutsche Bank Park“ statt „Commerzbank Arena“), sondern umfasse auch eine inhaltliche Komponente?

Doch am Montagabend? Wird die Eintracht zitiert, „für die Umsetzung unserer Digitalstrategie“ sei wer „der perfekte Partner“? Nein, nicht die Deutsche Bank, sondern die VR Payment, also der Bezahldienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken.

Was ist denn da los? Ist die Eintracht der Deutschen Bank urplötzlich untreu geworden?

Nein, so ist es nicht. Und zwar nicht mal ein bisschen, wie sich alle Beteiligten im sogenannten „Hintergrund“ beeilen zu betonen. Und doch wirft die Ménage à trois zwischen der Deutschen Bank, den Volksbanken und der jenseits des Fußballfelds erstaunlich ambitionierten Frankfurter Eintracht ein paar Fragen auf. Zumal diese Fragen tief hineinreichen in die Payment-Strategie des größten Geldinstituts der Republik.

Doch der Reihe nach:

Eintracht Frankfurt (oder genauer: die Tochter „Eintracht Tech“, die nach eigenen Angaben allen Ernstes 120 Entwickler beschäftigt, also mehr als viele Fintechs …) und die Deutsche Bank haben tatsächlich ein eigenes Bezahlsystem entwickelt oder sind dabei, das zu tun. Eigentlich sollte das neue System zu Beginn der aktuellen Saison eingeführt werden. Nun allerdings ist vom „ersten Quartal 2021“ die Rede. Früher, also in Zeiten, in denen die Eintracht noch keine „Entwickler“ beschäftigte, wohl aber erlesene Fußballer wie Uwe Bein oder Anthony Yeboah, hätte man gesagt: zur Rückrunde.

Besagtes Bezahlsystem sieht nun so aus, dass es eine „Eintracht-Frankfurt-App“ gibt, in die eine digitale „Eintracht-Frankfurt-Karte“ integriert werden soll, bei der es sich genau genommen um eine whitegelabelte Mastercard Debit handelt, deren Issuer die Deutsche Bank. Der besondere Kniff dieser Karte besteht darin, dass der gemeine Fan sie mit seinem Girokonto verknüpfen kann, selbst wenn dieses Girokonto nicht bei der Deutschen Bank liegt.

Nach unserem Verständnis handelt es sich um ein ähnliches Prinzip, wie es Samsung und die Solarisbank bei Samsung Pay verfolgen (siehe dieser Artikel hier): Die Eintracht ist Samsung. Die Deutsche Bank ist die Solarisbank. Und ein paar zehntausend Eintracht-Fans sind die 20 Millionen deutschen Samsung-Handy-Nutzer. Warum die Deutsche Bank für ein paar zehntausend Eintracht-Fans einen solchen Aufwand betreibt, haben wir zwar noch nicht zu 100% verstanden. Kann aber sein, dass es sich einfach um ein Demonstrationsprojekt handelt, dem ähnliche Kooperationen verfolgen sollen. Und nicht zu vergessen: Die Karte funktioniert logischerweise nicht nur am Bratwurst-Stand im Stadion. Sondern: Mit der „Eintracht-Frankfurt-Karte“ werden die Fans überall, wo es eine Mastercard-Debit-Akzeptanz auf dieser Welt gibt, auch bezahlen können.

Jedenfalls, Stichwort Akzeptanz: Das klitzekleine Problem an dem neuen Bezahlsystem von Eintracht Frankfurt und Deutscher Bank liegt nun darin, dass es zum elektronischen Bezahlen nicht nur einen Issuer (also die Deutsche Bank), sondern auch einen Acquirer braucht. Das mit dem Acquiring konnte die Deutsche Bank mal – allerdings ist das schon ein paar Jahre her: 2012 (also ausgerechnet zu der Zeit, als „Payments“ cool und möglicherweise sogar strategisch wichtig zu werden begann) verkaufte das Institut seine Kölner Tochter „Deutsche Cards Services“ an den US-Acquirer Evo Payments.

Interessant ist nun nicht einmal unbedingt, dass die Eintracht für ebenjenes Acquiring mit der VR Payment angebandelt hat. Sondern – dass diese Kooperation am letzten Novembertag verkündet wird, wo das neue Bezahlsystem doch eigentlich schon zum Saisonstart (also vor ein paar Monaten) funktionsfähig sein sollte. Kein Schelm, wer sich hierbei nichts Böses denkt.

Also, was war da los?

  • Zunächst einmal muss in Erinnerung gerufen werden, dass die Deutsche Bank im April eine Kooperation mit dem US-Zahlungsdienstleister First Data verkündet hat (siehe: „Wieso die Deutsche Bank auf Mini-Terminals für den POS setzt„). Nach unserem Verständnis müsste die die Blaubank sich bei ihren Corporate-Kunden eigentlich dafür einsetzen, dass diese akzeptanzseitig auf First Data setzen. Frage: Wurde das bei der Eintracht versäumt?
  • Antwort: Möglicherweise nicht. Aber möglicherweise hat die Eintracht trotzdem auf VR Payment gesetzt. Das wiederum könnte damit zu tun haben könnte, dass die VR Payment in der Branche einen guten Ruf genießt – oder auch damit, dass die hinter der VR Payment stehende DZ Bank manches Mal zur Stelle war, wenn der Eintracht in der Vergangenheit mal wieder das Geld auszugehen drohte.
  • Was alles nicht die Frage beantwortet, warum die Eintracht sich dem Vernehmen nach erst in diesem Sommer für die VR Payment entschied und nicht schon viel früher. Einer, der mit den Vorgängen um zwei, drei Ecken herum vertraut ist, brachte gestern Abend folgende Spekulation ins Spiel: Kann es sein, dass die Eintracht das Acquiring ursprünglich von Wirecard machen lassen wollte? Zwar gibt es zu Wirecard keine langjährige Geschäftsbeziehung wie zur DZ Bank. Aber: Wirecard war bekannt dafür, sich in manches prominente Mandat auch gern mal einzukaufen. Stimmt’s, Aldi?

Wie gesagt: Letzteres ist bloße Spekulation. Eine andere Spekulation übrigens besagt, dass die Deutsche Bank längst dabei sei, sich ihre einst eingebüßten Acquiring-Fähigkeiten zurückzuholen – und dass die hauseigene Corporate Bank auch aus diesem Grund in den vergangenen Monaten eine ganze Heerschar von Payment-Experten verpflichten habe. Einige übrigens: von Wirecard.

Und noch mehr Payment-Nerds! Deutsche Bank wildert bei Wirecard

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