Analyse

Die industrielle Logik hinter dem Wordline/Ingenico-Deal

4. Februar 2020

Von Marcus W. Mosen*

Die Übernahme von Ingenico durch Worldline kommt überraschend – und auch wieder nicht. Überraschend, weil es offensichtlich gelungen ist, in einer Branche, in der eigentlich jeder jeden kennt, diese Information nicht vorzeitig nach außen dringen zu lassen. Andererseits aber auch nicht überraschend, weil schon seit einiger Zeit verschiedene „Stakeholder“ der Payment-Branche Szenarien sondiert haben, wie man das Ingenico-Asset strategisch „weiterentwickeln“ kann. Auch die Entwicklung der Ingenico-Aktie der letzten 12 Monate – mehr als eine Verdopplung binnen eines Jahres – zeigt im Nachhinein, dass hier etwas im Busche sein musste.

Bevor jedoch die Franzosen zulassen, dass jemand von „außen“ diese Frage entscheidet, hat man in Frankreich selber entschieden: die Kontrolle über die beiden fusionierten Payment-Schwergewichte bleibt in Paris. Und das mit guten Gründen: beide Assets sind absolut komplementär und jetzt entsteht ein herausragender – wenn nicht „der“ – Payment-Dienstleister mitten in Europa. Worldline kommt in Frankreich, Benelux, der DACH-Region sowie in Teilen von Skandinavien in eine bessere Marktposition, insbesondere im Händlergeschäft. Zudem ist man über den Zusammenschluss mit Ingenico nun auch transkontinental (Asien, Amerika, Australien) noch präsenter.  Die Bedeutung für den europäischen Payment-Markt ist jedoch am signifikantesten: Worldline positioniert sich als einer der relevantesten Partner für jegliche Überlegungen rund um bestehende oder auch neu zu schaffende Payment-Schemes – jedenfalls für die Akzeptanz auf der Händlerseite.

Und was bedeutet dies für den deutschen Markt? Über Ingenico kommen die ehemaligen Einzelassets BS Payone und Easycash und über Worldline die Montrada sowie das deutsche Geschäft der SIX Payment Group zusammen. Es ist davon auszugehen, das kartellrechtlich relevante Fragen bereits im Vorfeld sondiert wurden. Vielleicht kommt da bei dem ein oder anderen noch einmal die Frage auf, warum diese „deutsch-deutsche“ Konsolidierung nicht unter „deutscher Flagge“ stattgefunden hat. Ein Zeitfenster hätte es gegeben, etwa 2017. Die Übernahme der Ingenico durch Worldline zeigt jedoch abermals, dass strategische Konsolidierungen wohl nur von industriell aufgestellten Unternehmen angepackt werden, die über eine entsprechende Kapitalkraft sowie eine pan-europäische Strategie verfügen.

War dies jetzt der Auftakt für eine weitere Konsolidierung etablierter Paymentunternehmen in Europa? Das ist sehr gut möglich, denn viele Assets mit einer relevanten Marktpräsenz sind nicht mehr vorhanden. Die Aufmerksamkeit wird sich jetzt auf NEXI, SIA (beide Italien), Nets (Skandinavien, DACH, CEE) oder sogar Wirecard richten. Auch Fiserv hat aus der Übernahme der First Data noch ein paar Assets in Europa, die einen „Anschluss“ gut gebrauchen könnten.

*Unser Gastautor Marcus W. Mosen ist einer der profiliertesten deutschen Payment-Experten

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