Exklusiv

Die Klarna-Entlassungsliste – und was sich aus ihr ableiten lässt

24. Mai 2022

Von Georgia Hädicke

Nachdem der schwedische “Buy-Now-Pay-Later”-Riese Klarna am Montag angekündigt hatte, seine Belegschaft um 10% zu reduzieren, dauerte es nur wenige Stunden, bis eine Liste unter den Recruitern der Fintech-Szene im Umlauf war: die “Klarna Affected Employees Input Form”, auf der sich geschasste Beschäftigte eintragen und so Interesse an der Ansprache durch Headhunter anderer Unternehmen signalisieren können (seit den Entlassungswellen während Corona ist das ein beliebter Modus operandi in der Tech-Industrie). 

Diese Liste ist zwar keine “offizielle”. Sie scheint allerdings (soweit anhand von Social-Media-Postings nachvollziehbar) auf eine Initiative der US-Belegschaft des Fintechs zurückzugehen, gestartet kurz nach der Bekanntgabe der Stellenstreichungen durch CEO Sebastian Siemiatkowski (Aufreger am Rande: dessen Ansprache an die Mitarbeiter erfolgte offenbar nicht live, sondern via aufgezeichnete Video-Botschaft). Bis Dienstagabend deutscher Zeit umfasst die Liste etwas über 350 Mitarbeiter. Bei an die 7.000 Beschäftigten weltweit und also rund 700 von dem Job-Cut betroffenen Mitarbeitern haben wir es also mit einem durchaus repräsentativen Ausschnitt zu tun. 

Mithin: Hier – bei aller Vorsicht – schon mal drei vorläufige Erkenntnisse, die sich nach jetzigem Stand aus der “Klarna Affected Employees Input Form” ableiten lassen: 

1.) Hierzulande dürften zumindest einige dutzend Mitarbeiter betroffen sein

Berlin ist laut Linkedin-Auswertung mit rund 800 Beschäftigten der größte Klarna-Standort außerhalb Schwedens; in Deutschland insgesamt sind es demnach etwas über 1.000 Mitarbeiter.

Auf der Liste standen nun wiederum bis zum Abend ca. 60 hiesige Mitarbeiter, das Gros in Berlin.  Rund 150 Beschäftigte gaben Stockholm an (also der Hauptsitz), in den USA dürfte es der Liste zufolge in etwa so viele Betroffene geben wie in Deutschland. 

Sprich: Allem Anschein nach setzt Klarna an den ausländischen Standorten also gleichermaßen den Rotstift an wie in der Heimat – wiewohl es Verzerrungen z.B. dadurch geben könnte, dass die Liste an einigen Standorten schneller die Runde machte als an anderen

2.) Vor allem die Wachstumsfunktionen schnurren zusammen

Wenig überraschend (vor allem mit Blick auf eine mögliche “Downround”) sind unter anderem auch die beiden Geschäftsbereiche betroffen, die üblicherweise eng an ambitionierte Wachstumsziele geknüpft sind: So macht der Bereich “Talent Acquisition” (also Recruiting) rund ein Viertel der Liste aus, hinzu kommen noch einmal um die 25 Personen aus dem Business Development.  

Auch die Bereiche “Business Operations” bzw. “Delivery” (sprich: die personalintensiven Service-Segmente) sind auf der Liste auffällig stark vertreten.

3.) Nicht einmal die Tech-Leute bleiben verschont 

Rund 10% der Betroffenen auf der Liste kommen aus dem Bereich Engineering und noch einmal knapp 20 Betroffene aus dem (User Experience) Design. Das ist dann doch etwas überraschend, denn: In diesen Funktionen ist die Konkurrenz um Fachkräfte besonders groß, weswegen man sich in kurzen Abschwungphasen normalerweise bemüht, diese Leute zu halten.

Dass Klarna sich diese Mühe anscheinend nicht macht, könnte (wie gesagt, alles erst einmal unter Vorbehalt) darauf hindeuten, dass die Schweden nicht nur vorübergehend, sondern möglicherweise auch mittelfristig in den Kernfunktionen mit einem schlankeren Personal-Apparat auskommen möchten.


Und für alle, die sich ein noch tiefergehendes Bild machen wollen: Hier die Liste im Original.

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