Kurz gebloggt

Die Sparkassen sind beim Ingenico-Deal die Gelackmeierten

4. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Wir hatten gestern Früh die Augen kaum auf, da tänzelte schon eine Pressemitteilung des Deutschen Sparkassenverlags (DSV) in unserem Postfach. Tenor: Alles mal wieder super gelaufen für die Sparkassen!!! (Den Originaltext lesen Sie weiter unten).

Was man dazu nun wissen muss: Hintergrund der PM war die wenige Minuten zuvor verkündete Übernahme des französischen Payment-Riesen Ingenico durch den Wettbewerber Wordline; die deutschen Sparkassen sind hiervon insofern betroffen, als sie Mitte 2018 ihren Acquirer Payone in ein „48% vs. 52%“-Joint-Venture mit Ingenico eingebracht hatten.

Jedenfalls: Laut DSV-Chef Michael Stollarz sind die Folgen des gestrigen Deals für das eigene Lager ausnahmslos „positiv“ – eine Bewertung, die Widerspruch geradezu provoziert. Denn:

  1. Die Sparkassen haben jetzt einen 52%-Partner, den sie sich nicht ausgesucht haben. Doof!
  2. Wenn Worldline demnächst anfängt, nach Sparpotenzialen zu suche – wo wohl zuerst? Doof!
  3. Man kann ja durchaus argumentieren, dass die Sparkassen 2018 nicht anders konnten, als die Kontrolle über Payone abzugeben. Aber (und diese Frage haben wir basierend auf Gesprächen mit M&A-Experten schon damals gestellt): Warum hat man sich damals auf die „Nicht Fisch, nicht Fleisch“-Lösung mit den 48% eingelassen – statt einen direkten Anteil an Ingenico einzufordern. Hätten die Sparkassen nämlich das gemacht, dann wäre es wenigstens ein gutes Geschäft gewesen (zur Einordnung: Die Ingenico-Aktie seither um 79% gestiegen). Stattdessen: Sind die Sparkassen aus unserer Sicht nun die Gelackmeierten.

Wobei man das natürlich auch anders sehen kann. Hier ein wörtlicher Auszug aus der DSV-Pressemitteilung:

„Mit Vollzug des Erwerbs von Ingenico durch Worldline wird Payone im immer stärker weltweit geprägten Payment-Markt ein größeres globales Dach erhalten – neben der weiterhin über die DSV-Gruppe bestehende Anbindung an die Sparkassenorganisation. Dr. Michael Stollarz, Vorsitzender der Geschäftsführung der DSV-Gruppe, sieht in der Transaktion „eine vorteilhafte Entwicklung für alle Beteiligten. Denn das Payment von heute ist geprägt von Skalierung und einer umfassenden Angebotspalette, die den Bedarf des Händlers deckt – vom Kleingewerbetreibenden bis zum international tätigen Konzern. Worldline steht genau für diesen Ansatz: Globale Reichweite kombiniert mit der heimischen Erfahrung. Von der Stärke des zusammengeführten Unternehmens, seinen Lösungen und Synergien wird Payone entscheidend profitieren. Es ist klar, dass dies auch Vorteile für die Sparkassen-Finanzgruppe bringt. Von der Erweiterung der Produkt- und Terminalpalette bis hin zur Digitalisierung der Prozesse. Hier werden die Komponenten von Worldline der Payone helfen, ihre Ziele zum Vorteil der Händler und Institute schneller zu erreichen.“

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing