Exklusiv

DKB erwägt erstmals Gebühr für Kreditkarte und Girocard

9. Februar 2021

Von Christian Kirchner

Die DKB erwägt nach Informationen von Finanz-Szene.de einen radikalen Umbau ihrer Kartenstrategie. Demnach sollen Kunden künftig automatisch und kostenlos eine Visa Debitkarte erhalten, für eine klassische Kreditkarte sowie für die Girocard allerdings zahlen. Angedacht sind knapp 30 Euro im Jahr (2,49 Euro/Monat) für die Kreditkarte sowie knapp 12 Euro (0,99 Euro/Monat) für die Girocard. Vor allem die Bepreisung der Kreditkarte bedeutet eine Abkehr vom bisherigen Kurs. Schließlich gilt die „kostenlose Kreditkarte zum DKB-Cash-Konto“ bislang als Markenzeichen der DKB.

Unseren Informationen zufolge unterzieht die zweitgrößte deutsche Direktbank die neue Variante momentan einem Beta-Test – was nicht bedeuten muss, dass das neue Preismodell auch tatsächlich eingeführt wird. Vielmehr sind solche Beta-Tests üblich,  um die Akzeptanz neuer Produkte und Pricing-Varianten auszuloten und notfalls einen Rückzieher machen zu können.

In dem Test werden die Kunden dezidiert befragt, wie sie die vorgestellte Kartenstrategie einschätzen. Erwogen wird dabei auch eine aggressive Einführung statt einem langsamen „Phase in“ je nach Laufzeit der Karten: Kunden erhalten in dem Beta-Test automatisch eine (kostenlose) Visa-Debitkarte und müssen sich dann entscheiden, ob sie die übrigen Karten kostenpflichtig weiterführen wollen oder nicht. Wörtlich heißt es: „Bitte melde Dich jetzt in Deinem Banking an und entscheide, ob Du noch mehr finanzielle Flexibilität möchtest: Du kannst Deine Visa Kreditkarte für 2,49 Euro/Monat (…) weiter behalten. Solltest Du keine Entscheidung treffen, werden Deine bisherigen Karten nach 10 Wochen deaktiviert.“

Die DKB bestätigte den Test auf Anfrage. „Im Rahmen von marktüblichen Kundenbefragungen befragen wir regelmäßig unsere Kund*innen zu möglichen Produktoptionen und -bedürfnissen. Hierbei haben wir kürzlich auch verschiedene Produktoptionen für unsere angebotene Karten getestet.“

Visa hatte bereits im vergangenen November in einer Mitteilung angekündigt, dass demnächst die Visa-Debitkarte auch bei der DKB ins Portfolio wandere. Allerdings war damals keine Rede davon, dass dies möglicherweise zulasten der Kreditkarte geht. Traditionell ist bei der DKB die klassische Visa-Kreditkarte das „Top of wallet“-Produkt. Einen unmittelbaren Bedarf nach einer Visa-Debitkarte gibt es bei den Kunden also nicht. Es sei denn, die Pricing-Strategie macht die Kreditkarte im Vergleich zur Debitkarte weniger attraktiv, wie es jetzt erwogen wird.

Die Einführung einer Debitkarte als „Top of wallet“-Produkt würde auch strategisch zum erklärten Ziel der DKB passen, von aktuell mehr als 4,5 Millionen Kunden auf 8 Millionen Kunden im Jahr 2024 zu wachsen. Hintergrund: Die Debitkarte erfordert – anders als eine echte Kreditkarte – ein weniger aufwändiges Risikomanagement. Setzt die DKB standardmäßig auf die Debitkarte, erhöht dies mit einem Schlag den Kreis potenzieller Neukunden, denen man bislang mangels Kreditwürdigkeit keine „echte“ Charge-Karte anvertraut hätte.

So oder so: Die Girocard jedenfalls scheint bei der DKB endgültig ins Abseits zu geraten.

Wie die DKB ihren Kunden die Girocard madig macht

25/11/20: Visa Debit, DKB, Aareal, N26, Traxpay, Wirecard, Rubarb

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