Kurz gebloggt

„Familiäre Gründe“: Die Bankerin, die bei Wirecard querschoss

20. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Dass Herr Braun bei seinem Auftritt vor dem Wirecard-U-Ausschuss gestern eigentlich nur gesagt hat, er werde nichts sagen – so viel dürften Sie mitbekommen haben, liebe Leserinnen und Leser. Doch haben Sie auch mitgekriegt, dass dafür jemand anderes Spannendes mitzuteilen hatte? Nämlich: Frau Kleingarn.

Zur Erinnerung: Frau Kleingarn, Wirecard-Aufsichtsrätin von Juni 2016 bis Dezember 2017, war hier bei uns schon mal Thema. Nämlich, als wir kurz nach der Insolvenz unter dem Titel „Wirecard, die Frauen, die Ja-Sager und das Geständnis“ die Frage aufwarfen, ob dem Versagen sämtlicher Kontrollinstanzen bei Wirecard nicht in erster Linie ein Versagen sämtlicher männlicher Kontrollinstanzen zugrunde gelegen hat.

Jedenfalls: Die frühere Bankmanagerin Tina Kleingarn (Ex-Goldman, Ex-Barclays) hat gestern vor dem U-Ausschuss eine sehr viel wichtigere Rolle gespielt als der Ex-Consultant Braun, en detail nachzulesen u.a. bei „Reuters“ und in der „Süddeutschen„. Zusammengefasst: Nein, auch Frau Kleingarn hat nicht an den ganz großen Betrug geglaubt. Aber: Sie hat die Zustände bei Wirecard offenbar schon damals für untragbar gehalten und ihre AR-Kollegen (dokumentiert durch ein Schreiben vom 29. September 2017) eindringlich gewarnt: „“Früher oder später werden sich diese Mängel rächen und eingegangene Risiken sich womöglich materialisieren.“

Warum ist damals, im Dezember 2017, eigentlich Frau Kleingarn zurückgetreten (vielsagende offizielle Darstellung: „aus familiären Gründen“) – während ihre großkopferten AR-Kollegen Wulf Matthias (Ex-M.M.-Warburg) und Stefan Klestil („Pater familias“ der halben Berliner Fintech-Szene) die schweigsamen Vorstände bis zum bitteren Ende gewähren lassen konnten?

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