Exklusiv

Fusion mit Giropay perfekt – Name „Paydirekt“ verschwindet

30. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Mancher Empfänger staunte nicht schlecht, als dieser Tage die jüngste Ausgabe der „paydirekt Info-Post“ in den E-Mail-Eingang flatterte. In dem sparkassen-internen Newsletter stand nämlich lapidar, die GIZS (das ist die Paydirekt-Betreibergesellschaft der Sparkassen) habe sich entschieden, „in diesem Jahr keine Herbst- und Winterkampagne für Paydirekt anzubieten“. Zur Begründung wurde in etwas sperrigen Deutsch auf die „Umsetzung der Markteinführung unserer künftigen Marke für das digitale Bezahlen“ verwiesen.

Vermutlich hätte man das alles auch einfacher ausdrücken können: „Liebe Sparkässler, Paydirekt verschwindet! Ja, Ihr habt richtig gelesen: Paydirekt gibt es demnächst nicht mehr! Die Geschichte von Paydirekt – sie ist in einigen Monaten vorbei! Zumindest unter dem bisherigen Namen.“

So jedenfalls besagen es exklusive Informationen von Finanz-Szene.de. Demnach wurde Ende letzter Woche der Zusammenschluss von Paydirekt (das ist der eine Online-Bezahldienst der deutschen Banken) mit Giropay (das ist der andere Online-Bezahldienst der deutschen Banken) perfekt gemacht. Dass es grundsätzlich so kommen würde, galt innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft schon seit Monaten als ausgemachte Sache. Strittig und unklar waren allerdings bis zuletzt die Details des Arrangements. Nach unseren Informationen sehen diese nun unter anderem vor, dass Paydirekt zwar Giropay schluckt – am Markt indes künftig nicht mehr unter dem Namen „Paydirekt“, sondern unter dem Namen „Giropay“ auftritt. Die einen überleben als Unternehmen. Die anderen als Marke.

Der genaue Kaufpreis ließ sich über das Wochenende nicht in Erfahrung bringen. Angeblich soll er im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen und fließt unseren Verständnis nach von den Paydirekt-Eignern (das sind zu je 1/3 die besagte Sparkassen-Tochter GIZS und die genossenschaftliche DZ Bank sowie zu je 1/6 die Deutsche Bank und die Commerzbank) zu den Giropay-Eignern (das sind die Sparkassen-Tochter Starfinanz, die genossenschaftliche Fiducia & GAD sowie – via die einstige Postbank – die Deutsche Bank). Wer es also nicht ganz so genau nimmt, könnte auch sagen: Linke Tasche, rechte Tasche.

Tatsächlich soll es bei den Verhandlungen in den letzten Monaten weniger um die finanziellen, als um die technischen und strategischen Konnotationen des Zusammenschlusses gegangen sein. Dazu muss man wissen, dass die beiden bankeneigenen Bezahldienste unterschiedlich funktionieren. Um mit Paydirekt zu bezahlen, muss sich der Kunden erst einmal bei Paydirekt anmelden (das ist das Prinzip, mit dem Paypal groß wurde). Dagegen bezahlt der Online-Kunden bei Giropay mittels seiner Pin und Tan aus dem Onlinebanking (das war das große Erfolgsrezept der heutigen Klarna-Tochter „Sofortüberweisung“) – separat anmelden braucht er sich also nicht. Denkbar wäre, dass das Giropay-Verfahren erst einmal als „Back-up“ in die Paydirekt-Lösung integriert wird. Das würde heißen: Der Kunde, der sich für seinen Online-Einkauf nicht eigens bei Paydirekt registrieren will (oder der seine Zugangsdaten längst vergessen hat), könnte alternativ auch mit Pin und Tan bezahlen.

Ob das fusionierte Unternehmen am Markt die nötige Schlagkraft aufbringt, ist offen. Paydirekt – 2014 mit dem Ziel gegründet Paypal ernsthaft anzugreifen – kommt mittlerweile auf gut 3 Mio. registrierte Nutzer (zum Vergleich: Paypal stand Anfang des Jahres bei 23 Mio. „aktiven Nutzern“ hierzulande). Wie viele davon aber wirklich regelmäßig mit Paydirekt bezahlen ist unklar. Zur Anzahl der Bezahlvorgänge hat sich der deutsche Paypal-Klon in seiner mittlerweile siebenjährigen Unternehmensgeschichte nicht ein einziges Mal offiziell geäußert. Ende 2018 hatte Finanz-Szene.de für ein kleines Erdbeben gesorgt, als wir die monatlichen Transaktionszahlen auf damals gerade mal rund 40.000 Stück bezifferten. Siehe hier …

Nur 40.000 Transaktionen monatlich – was wird jetzt aus Paydirekt?

Ein halbes Jahr später schätzte Finanz-Szene.de die Zahl der monatlichen Bezahlvorgänge dann auf ganz grob 150.000. Das war auf den ersten Blick zwar eine imposante Verbesserung. Grob kalkuliert zwei Drittel der Transaktionen sollen jedoch auf die damals junge Kooperation mit der Deutschen Bahn entfallen sein: Siehe hier …

Exklusiv: Paydirekt treibt Nutzerzahlen hoch – aber zu welchem Preis?

Entsprechend groß war mithin die Abhängigkeit von dem Staatskonzern. Dass die Deutsche Bahn unter der Corona-Krise schwer leidet, dürfte daher – gelinde gesagt – auch an Paydirekt nicht spurlos vorbeigegangen sein.

Der Fall Giropay ist etwas anders gelagert. Zwar veröffentlicht auch der ältere der beiden Anbieter (Gründung: 2006) allenfalls punktuell mal Transaktionszahlen (im April sollen es eine Million gewesen sein, was demnach deutlich mehr wäre als bei Paydirekt) – allerdings sind bei Giropay die Aufmerksamkeit der Rechtfertigungsdruck viel geringer. Denn seit die deutschen Banken 2014 Paydirekt starteten, führt Giropay eher ein Schattendasein.

Der Eindruck ist seitdem: Giropay werkelt vor sich hin, und das vielleicht nicht einmal so schlecht – zumal gemessen an den im Vergleich zu Paydirekt mutmaßlich sehr viel niedrigeren Kosten. Wirklich interessieren tut das aber die wenigsten innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft. Vielleicht hätte Giropay stand-alone auch einfach weiterhin vor sich hinschmoren können. Bei Paydirekt dagegen ging das nicht mehr. Hier musste schon rein bankenpolitisch irgendetwas passieren – zu sehr strahlt der offenkundige Misserfolg des einstigen Vorzeigeprojekts auf die dahinter stehenden Banken ab.

Man muss den jetzigen Zusammenschluss also auch politisch sehen. Denn die Fusion von Paydirekt und Giropay ist nur der Anfang. Die eigentliche Idee liegt darin, die beiden Online-Bezahldienste auch mit der ungleich relevanteren Girocard und eventuell auch mit dem P2P-Payment-Dienst Kwitt zu verschmelzen. Schon seit Monaten werden die entsprechenden Bemühungen unter dem Stichwort „#DK“ forciert, zu den heftigsten Befürworten zählt der für Zahlungsverkehr zuständige Bundesbank-Vorstand Burkhard Balz.

Mit „#DK“ entstünde eine Art deutsches Payment-Scheme, das dann wiederum in die ebenfalls momentan in Gründung befindliche „European Payment Initiative“ eingebracht werden könnte – mit dem hehren Ziel, ein europäisches Gegengewicht zu den dominierenden globalen Infrastrukturen von Mastercard und Visa zu schaffen. Bis dahin freilich ist der Weg noch seeeeehr weit. Und nicht wenige in der Payment-Branche (und angeblich auch manche Entscheidungsträger in den Banken) bezweifeln, ob es wirklich zielführend ist, diesen Weg zu gehen.

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