Kurz gebloggt

Girocard plus 11% – soll das der Digital-Payment-Boom sein?

27. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Ist es wirklich so, dass die die Leute vor uns an der Kasse jetzt alle mit Karte bzw. mit Handy bezahlen? Oder bilden wir uns das nur ein, weil 1.) das Normative die Wahrnehmung des Faktischen bestimmt und weil man 2.) gar nicht mehr wirklich erkennen kann, wie die Leute vor einem eigentlich bezahlen, weil es gar nicht so leicht ist, an der Kasse die gebotenen zwei Meter Sichtweite zu überbrücken, wenn die Brille dauernd beschlägt, weil die selbstgenähte Stoffmaske nach oben ausatmet statt nach unten … Jedenfalls: Gestern gab es endlich mal Zahlen. Also echte, transaktionsbasierte Zahlen, kein Umfrage-Quatsch. Und sie lauteten: Um 11% lag bei Sparkassen-Kunden im Corona-Monat März die Zahl der Girocard-Transaktionen über den Zahlen aus dem Vor-Corona-Monat Februar.

Nun fügt der DSGV (damit niemand denkt: Waaaas, nur um 11%?) in der entsprechenden Pressemitteilung sicherheitshalber hinzu, dass die Zahlen vor dem Hintergrund zu betrachten seien, „dass im März bereits zahlreiche Läden geschlossen waren“. Was natürlich stimmt. Andererseits: Dass nun gar nicht mehr konsumiert würde, das stimmt ja nun auch nicht. Im bayerischen Lebensmittel-Einzelhandel beispielsweise lagen die Umsätze im März 2020 um 13,8% über dem Vorjahresmonat. Das soll nicht heißen, dass wir keinen Digital-Payment-Boom erleben. Um allerdings das Ausmaß sauber zu erfassen, braucht es weitere Transaktionszahlen und am besten auch Umsatzzahlen.

[Ein eindeutiger Trend übrigens ist, dass, wer mit der Girocard zahlt, dies kontaktlos tut: Im Dezember lag der Anteil bei den Sparkasse-Kunden noch bei 42,3%, im März waren es schon 52,2%. Diese Entwicklung war allerdings auch schon vor Corona zu beobachten, und zwar auch in der Deutlichkeit.]

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