Mithilfe der Solarisbank: Amex bringt Ratenkredit-Funktion

25. Juni 2020

Von Hendrik Dahlhoff

Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen überrascht ein großer Anbieter von Kreditkarten hierzulande mit Plänen für eine Ratenzahlungs-Option. Nachdem wir jüngst bereits entsprechende Überlegungen der DKB enthüllt hatten, geht’s bei American Express im Juli sogar schon konkret in die Pilotphase – und zwar in Kooperation mit dem Berliner Whitelabel-Fintech Solarisbank. Erste Testkunden können ihre bestehende Amex-Karte dann um die Möglichkeit einer Ratenzahlung ergänzen. Die Option soll bei Kartenzahlungen von mindestens 300 Euro zum Einsatz kommen und bis Ende des Jahres sämtlichen Amex-Kunden hierzulande angeboten werden, wie die American-Express-Managerin Fabiana Mingrone und Solaris-Vorstand Jörg Diewald gestern im Gespräch mit Finanz-Szene.de erläuterten.

Womit die DKB zumindest liebäugelt und was Amex jetzt schon umsetzt, wird im Fachjargon als „revolvierende Kreditkarte“ bezeichnet. Statt wie bei den meisten hiesigen Banken üblich, werden nicht die gesamten, sondern nur ein Teil der per Kreditkarte getätigten Ausgaben per Bankeinzug beglichen. Die  Restsumme wird stattdessen in einen verzinsten Kredit umgewandelt – wodurch den Anbietern neben den Interchange-Gebühren auch Zinseinnahmen entstehen. Wie lukrativ diese Vorgehensweise aus Branchensicht sein kann, hatten wir jüngst am Beispiel der auf Karten und Kredite spezialisierten Advanzia Bank gezeigt. Sie kam zuletzt auf eine Eigenkapitalrendite von 37%, ein im deutschen Markt sehr ungewöhnlicher Wert.

Anbieter wie die Advanzia Bank setzen freilich auf Karten für die breite Masse – während American Express traditionell die gehobene Klientel anspricht. Inwieweit sich hiesige Amex-Kunden auf das neue Angebot einlassen, wird also abzuwarten bleiben. Fest dürfte jedenfalls stehen: Vor dem Hintergrund der Corona-Krise und angesichts neuer Konkurrenten wie N26 (die sich mit „metallenen“ Karten ebenfalls den Anstrich der Exklusivität verleihen) muss sich Amex etwas einfallen lassen, um die Erträge zu verteidigen. Jüngst hatte man in diesem Sinne schon an der Preisschraube der „Green Card“ gedreht. Nun also der Anlauf mit der Ratenzahlungs-Option. Die Verzinsung soll bei bis zu 11% p.a. liegen, sagte uns Managerin Mingrone.

In den USA und Großbritannien ist es schon länger üblich, dass Amex-Kunden ihre Charge-Kreditkarte um die „Revolving“-Funktion erweitern können. Für den Deutschland-Launch bedienen sich die Amerikaner nun der Solarisbank, die über ihre Banking-Plattform das eigentliche Produkt (also den Ratenkredit) bereitstellt. Nach einmaliger Identifikation und fester Limitvergabe kann der Kunde den Kredit bei entsprechenden Umsätzen (sprich: mehr als 300 Euro) bis zu 90 Tage lang nachträglich hinzubuchen. Die „Splitpay“ genannte Funktion sei auch als „Top-up“ bei Debitkarten oder bei E-Commerce-Zahlungen anwendbar, sagte Diewald. Weitere Partner neben Amex seien schon gefunden.

Nach der kürzlich bekannt gewordenen Kooperation mit der russischen Tinkoff-Bank beim Vivid-Money-Projekt ist American Express binnen weniger Tage der zweite prominente Partner, den die Solarisbank präsentiert. Und auch wenn’s in Berlin natürlich nicht offen gesagt wird – aber: Dass mit Wirecard einer der wichtigsten europäischen Konkurrenten unter den Issuer- bzw. Service-Plattform-Provider wackelt, dass wird zum Schaden des Berliner Fintechs auch nicht sein. Freilich ist die Kooperation mit American Express auch ein Stück weit pikant. Denn einer der wichtigsten Anteilseigner der Solarisbank ist: Visa.

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