Exklusiv

Paydirekt verzichtet für drei Monate auf Händlerentgelte

19. April 2020

Von Hendrik Dahlhoff und Heinz-Roger Dohms

Paydirekt reagiert mit einer spektakulären Marketing-Aktion auf die Corona-Krise. Nach Informationen von Finanz-Szene.de wird der Online-Bezahldienst der deutschen Banken drei Monate lang keine Händlerentgelten mehr erheben – und damit faktisch in Kauf nehmen, dass die eigenen Geschäftsumsätze gen Null sinken. Die Kampagne soll rückwirkend zum 1. April starten und folglich bis Ende Juni dauern. Unseren Recherchen zufolge ging die Initiative für die innerhalb der Kreditwirtschaft umstrittene Aktion von den Sparkassen aus. Nach internen Diskussionen schlossen sich allerdings auch die übrigen großen Paydirekt-Betreiber – also die Deutsche Bank, die Commerzbank sowie die Volks- und Raiffeisenbanken – der Initiative an.

In einem Rundschreiben an die Ortsinstitute begründet die GIZS (das ist die Gesellschaft, die für sämtliche deutschen Sparkassen die Teilnahme an Paydirekt koordiniert) die Maßnahme damit, dass „insbesondere kleine Online- und Multi-Channel-Händler unterstützt werden“ sollen. Zudem werde es „stationären Händlern erleichtert, kurzfristig in den Online-Handel einzusteigen, um den Effekt der Krise abzumildern“. In dem Mailing stellt die GIZS es so dar, dass die Paydirekt-Betreiber die Aktion am liebsten auf die wirklich notleidenden Händler beschränkt hätten – was aber nicht gegangen sei. So heißt es wörtlich: „In der Kürze der Zeit ist es leider nicht möglich, bei der Entgeltbefreiung zwischen Händlern zu unterscheiden, die sich wirklich in einer Notsituation befinden, und denen, die ihr Geschäft bislang weitestgehend aufrechterhalten konnten. Wir haben uns daher für das übergreifende Aussetzen der Händlerentgelte entschieden, um zeitnahe Hilfe bieten zu können.“

Ob es wirklich das Ziel war, die Aktion auf einzelne, von der Krise schwer getroffene Händler zu begrenzen, ist unklar. Womöglich wurde die Formulierung auch deshalb gewählt, weil die GIZS allzu starker Kritik seitens der örtlichen Sparkassen vorbeugen wollte. Denn: In letzter Konsequenz sind es die einzelnen Institute, die die Umsatzausfälle tragen müssen. In dem Schreiben an die Sparkassen wird entsprechend für Verständnis für die Aktion geworben: „Wir sind uns bewusst, dass die Krise auch an Ihrem Institut nicht spurlos vorbeigeht und der Verzicht auf die Händlerentgelte für drei Monate eine zusätzliche Belastung sein kann. Dennoch sind wir überzeugt, dass es in der aktuellen Situation das richtige Vorgehen ist.“

Betriebswirtschaftlich würde die teure Aktion dann Sinn machen, wenn es gelingt, durch den zeitweiligen Verzicht auf Einnahmen die Akzeptanz und damit den Marktanteil von Paydirekt deutlich zu erhöhen. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich. Zwar steigt mit dem Wegfall der Gebühren für den Händler der Anreiz, das bankeneigene Zahlverfahren einzusetzen. Letztlich werden Online-Shops aber – zumal in der jetzigen Situation, wo es für viele Händler erst einmal darauf ankommt, überhaupt Umsätze zu generieren – im Zweifel auf die Bezahlmethoden setzen, die der Endkunde kennt und denen er vertraut. Paydirekt indes wurde bislang erst von 3,2 Mio. Verbrauchern überhaupt freigeschaltet. Und völlig unklar ist, wie viele davon Paydirekt wirklich regelmäßig nutzen. Ein Händler, der Paydirekt auf Kosten von beispielsweise Paypal, Giropay oder der Zahlung mit Kreditkarte bevorzugt, riskiert also im schlechtesten Fall, dass der Kaufprozess abgebrochen wird.

Fraglich ist auch, wo der Anreiz für die Payment Service Provider (also für jene Dienstleister, die Online-Händler mit Bezahlverfahren ausstatten) liegt, die Aktion zu unterstützen. Im Schreiben der GIZS an die Sparkassen heißt es vage:

„Mit den Händlerkonzentratoren haben wir bereits gesprochen. Bis auf drei kleinere Partner, die in Summe 16 Händler an Paydirekt angebunden haben, ist es allen Payment Service Providern möglich die Aktion umzusetzen. Insbesondere die Payone (S-Händerservice) und GiroSolution werden die Aktion als Partner der SFG [Anm. der Red.: das Kürzel steht für „Sparkassen-Finanzgruppe“] aktiv unterstützen.Da die Umsetzung der Entgeltbefreiung bei jedem Händlerkonzentrator eine andere Mechanik erfordert, wird es auch bei der Rechnungsstellung etc. Unterschiede geben. Ob Ihre Händler z. B. gleich eine ‚Null‘-Rechnung oder erst eine ganz normale Rechnung und danach eine Kick-back-Zahlung für die paydirekt-Entgelte bekommen, hängt demnach ganz vom jeweiligen Payment Service Provider ab. Die Händlerkonzentratoren prüfen jeweils noch, inwiefern Sie die Aktion z. B. durch den Erlass der eigenen Entgelte bei paydirekt-Transaktionen zusätzlich unterstützen können.“

Parallel starten die Sparkassen übrigens noch eine zweite Marketing-Aktion. Bis zum 30. Juni sollen Firmemkunden, die bislang über keinen eigenen Webshop verfügen, einen solchen sozusagen im Eilverfahren („Schnellstens einsatzbereit: in 24 h zum Online-Shop“) aufsetzen können. Allerdings: Bei dieser Lösung können die Händler zunächst nur klassische Offline-Bezahlverfahern (Vorkasse, Rechnung, Click & Collect) einbinden, die Freischaltung von Paydirekt und möglichen weiteren Online-Bezahlverfahren dauert deutlich länger. Die „One-Stop-Shop“ genannten Baukastenlösung kostet den Händler eine monatliche Gebühr. Allerdings wollen die Sparkassen auch diese Gebühr für Kunden, die sich neu Lösung entscheiden, drei Monate lang aussetzen.

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