Exklusiv

Ringen um EPI: Deutsche Banken uneins über Umgang mit Spanien

15. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Wie wir Journalisten so sind, hatten wir den großen “Showdown” rund um die European Payments Initiative ja schon zu Monatsanfang ausgerufen. In Wirklichkeit: Redeten die Mitglieder des EPI-Konsortiums einen Nachmittag und einen Abend lang miteinander, hernach gingen sie leidlich verrichteter Dinge auseinander – und am nächsten Vormittag wurde eine dürre Mitteilung verschickt, deren Botschaft sich grob gesagt wie folgt interpretieren ließ: Wir sind noch nicht so weit, haben aber auch nie behauptet, dass wir es schon sein würden. Also noch ein bisschen Geduld, bitte

Seitdem? Wird hinter den Kulissen wie wild gerungen, um vor Weihnachten doch noch einen Kompromiss zu finden. Dabei kursiert ein informelles Gesellschafter-Tableau (haben wir für Sie!), in dem auch die spanischen Banken auftauchen. Bloß: Ob diese wirklich mitmachen, ist immer noch nicht klar. Mit der Folge, dass die Frage des richtigen Umgangs mit den Spaniern inzwischen auch zu einem feinen Riss innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft geführt hat. Auf der einen Seite dieses Risses: die Deutsche Bank und die Sparkassen. Und auf der anderen Seite? Die Commerzbank und die Genobanken.

Hier unser Update in Form eines FAQs:

Wie ist der aktuelle Stand?

Nach Informationen von Finanz-Szene.de soll die einzige finnische Bank im EPI-Konsortium, nämlich die OP Financial Group, angeblich vor dem Absprung stehen. Dagegen sind die einzige niederländische Bank (die ING Groep) und die einzige polnische Bank (die PKO Bank Polski) dem Vernehmen nach bereit, bei der notwendigen Finanzierungsrunde mitzuziehen – wiewohl beide zuletzt als Wackelkandidaten gegolten hatten. Weitere Institute aus den beiden Ländern werden allerdings nicht mehr hinzustoßen.

Entscheidend ist am Ende indes die Haltung der spanischen Kreditwirtschaft. Schließlich gehören dem bisherigen EPI-Konsortium nicht weniger als 15 spanische Institute an. Hier heißt es aus Finanzkreisen: Die Spanier würden zwar mitziehen, stellen aber (siehe unten) Bedingungen, denen sich auch einzelne deutsche Banken nicht ohne weiteres fügen möchten.

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Wie sähe die Gesellschafterstruktur aus?

Unsere Informationen zufolge könnte das Cap Table – falls die Spanier mitziehen – grob gesagt wie folgt aussehen:

  • Französische Banken: grob 35%
  • Deutsche Banken (inkl. HVB/Unicredit): knapp 30%
  • Spanische Banken: grob 25%
  • Worldline/Nexi (also die beiden großen europäischen Payment Service Provider): zusammen grob 10%
  • Rest: <5%

Woran hakt’s bei den Spaniern?

Wie neulich schon beschrieben (siehe hier und hier): Die spanischen, niederländischen und polnischen Banken verfügen über etablierte nationale Online-Bezahldienste. Diese sollen durch die “European Payment Initiative” nicht geschwächt werden; und schon gar nicht sind die dortigen Banken bereit, ihre jeweiligen Dienste zugunsten von EPI aufzugeben. Zumindest in einzelnen Ländern sollen Banken zudem in langfristigen, EPI möglicherweise zuwiderlaufenden Vertragsbeziehungen mit Visa und Mastercard stehen – was die Sache zusätzlich erschwert.

Das könnte erklären, warum aus Polen und den Niederlanden nur jeweils eine Bank dem EPI-Konsortium angehört. Und warum sich die Gespräche mit den Spaniern seit Wochen äußerst zäh gestaltet haben, wie es aus Finanzkreisen heißt.

EPI steht auf der Kippe – Spanier und Holländer zögern bei Funding


Wie ist die Gemengelage bei den deutschen Banken?

Die Sparkassen, die Genobanken, die Deutsche Bank, die Commerzbank und die HVB haben in den zurückliegenden Wochen zwar jeweils für sich entschieden, dass sie grundsätzlich bei EPI dabei sein wollen. Zum Beispiel innerhalb des genossenschaftlichen Bankensektors war der Beschluss aber durchaus umstritten. Allein das zeigt schon: Den einen “deutschen” Blick auf EPI gibt es nicht.

Nach allem, was wir hören, verlief zuletzt ein feiner, aber durchaus wahrnehmbarer Riss zwischen den Sparkassen und der Deutschen Bank auf der einen Seite sowie der Commerzbank und den Genobanken auf der anderen Seite (die HVB soll tendenziell dazwischen stehen):

  • Die Coba und die Genobanken werben demnach weiterhin für eine Lösung, die die Spanier einschließen soll – wobei nicht ganz klar ist: Heißt das, dass sie zu Zugeständnissen an die Iberer bereit sind? Oder wollen sie EPI im Zweifel lieber platzen lassen?
  • Die Sparkassen und die Deutsche Bank sollen hingegen in internen Runden stärker vom Produkt her argumentieren: Solange EPI einer klaren unternehmerischen und produkttechnischen Idee folge, könne man notfalls auch erst einmal ohne die Spanier loslegen

Wie positionieren sich die französischen Institute?

Die französischen Banken (zu deren Phalanx man übrigens die belgische KBC hinzurechnen darf) galten zuletzt als die entschiedensten Verfechter eines paneuropäischen Zahlungssystems – was sich auch in ihrer Bereitschaft spiegelt, den größten Teil der Anteile zu übernehmen. Wie es heißt, sind die französischen Institut daher, bevor das Projekt komplett scheitert, auch bereit, einen “EPI light”-Ansatz zu akzeptieren. Unklar allerdings ist, welchem der beiden “EPI-Light”-Ansatz sie im Zweifel den Vorrang geben werden. Einem “Light”-Produkt? Oder einem “Light”-Gesellschafterkreis?

Das große FAQ zum deutsch-europäischen Payment-Drama


Wie geht es weiter?

Nach unseren Informationen kommt das “Board of Directors” (dem neben dem EPI-Management auch die Vertreter der über 30 Banken und Zahlungsdienstleister angehören) am kommenden Mittwoch – sprich: am 22. Dezember – zu seiner vorentscheidenden Sitzung zusammen. Danach soll das EPI-Management dann eine Beschlussvorlage entwerfen, auf deren Basis sich die Mitgliedsbanken dann zeitnah entscheiden müssen, ob sie sich an einer Finanzierung beteiligen wollen oder nicht.


Welche Rolle spielen die erhofften europäischen Fördergelder?

Für den Moment offenbar noch keine entscheidende. In den momentanen Gesprächen gehe es allein um die Frage, welche Banken sich unter welchen Voraussetzungen an EPI beteiligen, sagen Insider – unabhängig von möglichen späteren öffentlichen Zuschüssen.

Das ist der Masterplan für die „European Payments Initiative“

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