Exklusiv

Sparkassen im Apple-Pay-Rausch. Offenbar >200.000 Aktivierungen

20. Dezember 2019

Von Heinz-Roger Dohms und Hendrik Dahlhoff*

Die Anmelde-Zahlen für Apple Pay bei den deutschen Sparkassen sprengen anscheinend alle Erwartungen. Nach Informationen von „Finanz-Szene.de“ sollen seit dem Start Mitte letzter Woche bereits deutlich mehr als 200.000 Kunden die neue Bezahlart aktiviert haben. Sollte diese Zahl stimmen (wovon wir fest ausgehen, sonst würden wir’s nicht schreiben), dann würde der Apple-Pay-Launch bei den Sparkassen sogar die Aktivierungen bei der Deutschen Bank vor einem Jahr deutlich in den Schatten stellen. Und: Neben den Aktivierungen sollen auch die bislang getätigten Transaktionen weit über Plan liegen.

Sprecher des Deutschen Sparkassenverbands und von Apple wollten die Informationen nicht kommentieren.

Wie sind die deutlich mehr als 200.000 Aktivierungen nun einzuordnen?

  • Die Kollegen von „Paymentandbanking“ spekulierten vor ziemlich genau einem Jahr (also nachdem die ersten deutschen Banken mit Apple Pay livegegangen waren), dass es allein bei der Deutschen Bank am ersten Tag zu 50.000 Aktivierungen gekommen sein könnte.
  • Mitte Januar (also einen Monat nach dem initialen Launch) schrieb dann die „Süddeutsche“ von schätzungweise knapp 30.000 Apple-Pay-Kunden bei der Comdirect – und davon, dass bei der Deutschen Bank der Kreditkartenbestand seit der Einführung von Apple Pay „um 7% gewachsen“ sei (zur Erklärung: Die Zahl der Kreditkarten ist insofern relevant, als diese die Voraussetzung für die Nutzung von Apple Pay sind).
  • Auf Basis dieser Angaben kam Finanz-Szene.de damals zu dem Schluss, dass bei der Deutschen Bank die Zahl der Apple-Pay-Aktivierungen Mitte Januar bei grob kalkuliert 150.000 gelegen haben dürfte – eine Zahl, die in Branchenkreisen damals als plausibel angesehen wurde.

Mithin: Die Sparkassen kommen (wenn man davon ausgeht, dass die Zahlen allesamt so ungefähr richtig sind) nach gut einer Woche auf vier bis fünfmal so viele Aktivierungen wie die Deutsche Bank nach einem Tag – und sogar auf mehr Aktivierungen als Deutsche Bank und die Comdirect addiert nach einem Monat.

Auf den ersten Blick wirken die Zahlen fast erwartbar. Denn 1.) haben die Sparkassen deutlich mehr Kunden als Deutsche Bank und Comdirect zusammen. 2.) ist das Thema „Mobile Payment“ inzwischen deutlich weiter verbreitet als noch vor einem Jahr. Und 3.) haben die Sparkassen ja eine umfangreiche Werbekampagne gestartet. Das alles könnte die „deutlich mehr als 200.000“ als folgerichtig erscheinen lassen.

Sieht man sich die Zahlen allerdings genauer an, dann erkennt man, warum in der Branche von einem „sehr, sehr guten“ bis „fulminanten“ Start die Rede ist.

Denn:

  • Die Sparkassen haben im Vergleich zur Deutschen Bank eine deutlich geringere Quote an Kunden mit Kreditkarte
  • Die Deutsche Bank senkte die Hürde für die Apple-Pay-Aktivierung extrem, indem sie Kunden, die über keine Kreditkarte verfügten, eine kostenlose „virtuelle“ Karte anbot. Die Sparkassen setzen hingegen beim Kunden eine Kreditkarten (bzw. teilweise Prepaid-Karten von Visa/Mastercard) voraus.
  • Hinzukommt, dass auch die relative Anzahl der iPhone-Nutzer bei den Sparkassen ganz sicher niedriger ist als bei der Deutschen Bank
  • Dass der Sparkassen-Kunde als solcher nicht wahnsinnig Mobile-Payment-affin ist, erkennt man daran, dass die Sparkassen-eigene „Mobiles Bezahlen“-App bislang nach offiziellen Angaben erst 452.000-mal aktiviert wurde. Und die gibt es schon seit weit über einem Jahr.

Kurzum: Die Zahl der Sparkassen-Kunden, die vergangene Woche überhaupt schon „Apple-Pay-fähig“ waren, dürfte unseren Schätzungen zufolge allenfalls bei gut einer Million gelegen haben, eher noch ein Stück drunter. Und davon dann mehr als 200.000!

Was bedeutet der Blitzstart nun für die künftige Zusammenarbeit zwischen den Sparkassen und Apple? Nochmal zum Hintergrund: Zuletzt wurde ja verschiedentlich gemutmaßt, die Sparkassen könnten die Verknüpfung von Apple Pay und Girocard erst einmal hinauszögern – in der Hoffnung, stattdessen auf Basis der „Lex Apple Pay“ (das ist das neue Gesetz, dass die Öffnung von Apples NFC-Schnittstelle für die Bezahl-Apps der Banken verlangt) mit der „Mobiles Bezahlen“-App aufs iPhone zu kommen. Wenn es diese Pläne wirklich geben sollte, dann scheint denkbar, dass die Sparkassen sie revidieren. Denn so ungern die Institute die Interchange-Gebühr mit Apple teilen – besser das, als dass die Kunden abwandern.

*Hendrik Dahlhoff ist Payment-Experte und hilft der Finanz-Szene.de-Redaktion immer dann, wenn’s – wie in diesem Fall –  technisch komplex wird. Freuen Sie sich schon: Nach unserer Winterpause kommt ein Artikel von ihm zur technischen Umsetzung von Apple Pay bei den Sparkassen.

 

Mehr zum Thema:

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