Exklusiv

Sparkassen im Apple-Pay-Taumel: Schon über 500.000 Nutzer

1. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Verknüpfung mit der Girocard hat bei den Sparkassen einen regelrechten Run auf Apple Pay ausgelöst. Nach Informationen von Finanz-Szene.de lagen die Anmeldezahlen in den 24 Stunden nach dem Launch (der vergangene Woche Dienstag stattfand) auf einem ungefähr doppelt so hohen Niveau wie bei der Einführung von Apple Pay mit Kreditkarte im vergangenen Dezember. Auch in den Folgetagen sei der Ansturm immens gewesen, sagen Insider. So habe es in der Spitze bis zu sieben sogenannte „Provisionierungs-Anfragen“ (also quasi: Anmeldungen) pro Sekunde gegeben. Intern geht man davon aus, dass die Zahl der Sparkassen-Kunden, die ihre Girocard bei Apple Pay hinterlegt haben, schon jetzt höher sein dürfte als die Zahl der Kunden, die via Kreditkarte mit Apple Pay bezahlen.

Exakte Zahlen konnte Finanz-Szene.de noch nicht in Erfahrung bringen. Sämtliche Indizien deuten aber darauf hin, dass bereits jetzt eine gehobene sechsstellige Zahl von Sparkassen-Kunden ihre Girocard (die bei den „Roten“ Sparkassen-Card heißt) für Apple Pay freigeschaltet hat. Dazu ein paar technische und mathematische Überlegungen: Die Sparkassen-App, die es braucht, um die Sparkassen-Card in der Apple-Wallet zu hinterlegen, wird nach wenige Monate alten Angaben des DSGV von gut 9 Mio. Kunden aktiv genutzt. Branchenkenner sagen, dass der „iOS“-Anteil (also der Anteil der Apple-Nutzer) in dieser Klientel signifkant höher sei in anderen Kundengruppen. Eher vorsichtig geschätzt, dürfte man nicht falsch liegen, wenn man vor diesem Hintergrund zumindest von 3,5 bis 4,0 Mio. Sparkassen-Kunden ausgeht, die grundsätzlich „Girocard-Apple-Pay-fähig“ sind.

Nun hatten wir ja beim Dezember-Launch gemutmaßt, dass sich seinerzeit in den ersten zehn Tagen nach dem Start schon mehr als 200.000 Sparkassen für Apple Pay mittels Kreditkarte hatten freischalten lassen (siehe unser damaliges Stück, dem wir fantasieloserweise auch schon die Überschrift „Sparkassen im Apple-Pay-Rausch“ gegeben hatten). Gemessen an den zum damaligen Zeitpunkt mutmaßlich knapp 1 Mio. Sparkassen-Kunden, die der Schnittmenge aus „aktive Nutzer der S-App“ plus „Kreditkarteninhaber“ plus „iOS-Nutzer“ zuzuordnen waren, ergab sich somit eine Durchdringung von gut 20%. Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Durchdringung bei den Sparkassen-Card-Nutzern etwas geringer ist (sagen wir: 15%), käme man gemessen an den weiter oben errechnen 3,5 bis 4,0 Millionen potenziellen Nutzern zum jetzigen Zeitpunkt bereits auf 525.000 bis 600.000 Aktivierungen. Nach allem, was wir von den teilweise ziemlich euphorischen Sparkässlern dieser Tage hören, dürfte es sich dabei um eine eher konservative Schätzung handeln.

Tatsächlich ist bemerkenswert, mit welcher Wucht die Sparkassen die neue Lösung in den vergangenen Tagen in den Markt gedrückt haben. Kunden berichten, wer die S-App auf seinem Apple-Smartphone öffnete, der sei mitunter gleich vollflächig mit entsprechender Banner-Werbung beglückt worden. Zählt man die Aktivierungen für Kreditkarte und Sparkassen-Card zusammen, dürfte man in jedem Fall schon jetzt auf mehr als 1 Mio. Apple-Pay-Anmeldungen bei den Sparkassen kommen. Das sagt zwar noch nicht automatisch etwas über die Transaktionzahlen aus – doch auch die sollen signifikant über den (freilich eher mauen) Umsätzen mit der hauseigenen Mobile-Payment-App der Sparkassen liegen.

Kann es sein, dass ausgerechnet die Sparkassen, die sich Apple Pay zunächst verweigert hatten (siehe hier und hier), den Amerikanern jetzt zum großen Durchbruch auf dem deutschen Markt verhelfen? Es sieht fast so aus. Lob jedenfalls kam dieser Tage ausgerechnet vom schärfsten Wettbewerber. So beglückwunschte Matthias Hönisch, Payment-Experte beim genossenschaftlichen BVR, die rote Konkurrenz zu ihren Alleingang bei der Verknüpfung von Girocard und Apple Pay: „Gratulation! Provisionierung von ApplePay powered by Girocard hat gut geklappt“, schrieb Hönisch bei Twitter.

Warum Apple Pay via Girocard so ein großes Ding ist

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