Exklusiv

Sparkassen zweifeln an Bluecode: „Business Case geht nicht auf“

30. April 2021

Von Heinz-Roger Dohms

20 Mio. Euro! +++ Die Hopps!! +++ 9-stellige Bewertung!!!

Da hat der im deutschen Markt höchst ambitionierte Payment-Spezialist Bluecode aber ganz schön einen rausgehauen gestern! Konkret: Bluecode hat (nach dem auch schon beachtlichen 12-Mio.-Euro-Funding aus dem Dezember) eine weitere Finanzierungsrunde über diesmal sogar 20 Mio. Euro abgeschlossen. Das Investment komme „zu großen Teilen vom ‚Family Office Hopp‘ unter der Führung von Daniel Hopp, Sohn des SAP-Gründers Dietmar Hopp“, lesen wir im österreichischen Startup-Magazin „Trending Topics“.

Dazu ein paar fulminante Zitate des ebenfalls österreichischen Bluecode-CEOs Christian Pirkner:

„Bluecode ist angetreten, um für Europa ein eigenes, von außereuropäischen Anbietern unabhängiges Zahlungssystem aufzubauen, wie es von EZB, Deutscher Bundesbank und vielen weiteren Organisationen immer wieder gefordert wird“

… so Pirkner. Und weiter: Er freue sich, dass er mit dem Hopp’schen Family Office „einen neuen Investor von unserer Mission“ habe überzeugen können. Daneben hätten sich an der Finanzierungsrunde auch weitere „europäische Persönlichkeiten aus der Wirtschaft“ beteiligt. Das Investment hieve den Firmenwert auf mehr als 100 Mio. Euro und solle „Türen für weitere Wachstumsschritte“ öffnen. Und noch weiter: Mit dem Geld werde nun der „Ausbau des Ökosystems“ in Österreich und Deutschland vorangetrieben. Bluecode wolle sich dabei „als Technologiepartner für Banken und Handel in Europa positionieren“.

Okay, klingt ja alles gut und schon. Bloß: Wo sind sie denn, die partnernden Banken? In Deutschland hat Bluecode, so weit man weiß, bislang nur einen relevanten Bankpartner gefunden, nämlich die Sparkassen. Indes – so zeigen es Recherchen von Finanz-Szene.de: Im Sparkassen-Lager gibt es mittlerweile massive Zweifel am Sinn dieser Kooperation.

Hintergrund: Die Idee von Bluecode ist es, aus der DACH-Region heraus ein eigenes Bezahlsystem für Europa aufzubauen. Als Konkurrenz zu Apple Pay und Google Pay. Und unabhängig von den großen Payment-Schemes, also von Visa und Mastercard. Technisch sieht das Ganze so aus, dass der Händler die Bluecode-Software in sein elektronisches Kassensysten integriert (bzw. der Kassensystemhersteller das vorab tut). Der Kunde, der die Bluecode-App installiert hat, bezahlt dann per Barcode. Wobei: Die langfristige Idee ist weniger, dass der Kunde die Bluecode-App installiert, sondern dass die Bluecode-Technologie in klassische Enkunden-Apps bzw. -Wallets integriert wird. So findet sich Bluecode neuerdings in der „Huawei Wallet“, also der digitalen Geldbörse des gleichnamigen Smartphone-Herstellers.

Theoretisch funktioniert Bluecode auch per Lastschrift – das heißt, es braucht nicht unbedingt eine Bank, um Zahlungen zu autorisieren. Um das Bezahlsystem wirklich im Massenmarkt zu etablieren, sei die Unterstützung der Banken aber unerlässlich, sagen Branchenexperten.

Die große Hoffnung galt darum der 2017 geschlossenen Kooperation mit dem Sparkassen-Acquirer Payone (damals noch „BS Payone“). Der Pakt ging einher mit der Pilotierung von Bluecode bei diversen deutschen Großsparkassen. Auch innerhalb der saarländischen Sparkassenverbands zeigte man sich engagiert. Was auch damit zusammenhing, dass im Saarland einer der bis heute wenigen größeren deutschen Händler sitzt, die mit Bluecode kooperieren – nämlich die Warenhaus- und Baumarktkette „Globus“. Tatsächlich, so heißt es aus dem Sparkassen-Sektor, werde im Saarland des öfteren mit Bluecode bezahlt. Aber reicht das? Und wie sieht es andernorts aus? Und was passiert in diesem Herbst? Dann nämlich stellt sich die Frage, ob die Sparkassen den Pilotbetrieb verlängern – oder ob sie ihn beenden.

Jedenfalls: Nach Informationen von Finanz-Szene.de gibt es innerhalb der Sparkassen-Finanzgruppe die starke Tendenz, letzteres zu tun. Also die Kooperation zu beenden. So soll der DSGV zuletzt zu einer explizit negativen Bewertung des Pilotprojekts gekommen sein. Mehr noch: Selbst in einem sehr positiven Szenario gehe der erhoffte Business Case nicht auf, heißt es. Was innerhalb des DSGV darüber hinaus bemängelt wird: Keine andere Bankengruppe hierzulande habe sich für eine Integration von Bluecode gewinnen lassen. Auch der Vorschlag der Sparkassen, Bluecode als mögliches Add-on in das bankeneigene Payment-Projekt „#DK“ einzubringen, sei bei anderen Banken auf wenig Gegenliebe gestoßen.

Alles in allem eine vernichtende Bestandsaufnahme. Die interne Handlungsempfehlung soll darum gelautet haben: Lasst uns aus Bluecode wieder aussteigen.

Doch kommt es wirklich so?

Auf Anfrage heißt es beim DSGV: „Die Sparkassen-Finanzgruppe beobachtet und bewertet die Entwicklung des aktuell sehr dynamischen Payment-Markts und evaluiert, welche Rolle optische und andere Bezahllösungen künftig spielen.“ Geplant sei derzeit, „die Pilotphase für Bluecode-Projekte in der S-Finanzgruppe noch bis Ende 2022 zu verlängern“.

Die Betonung liegt hierbei auf „geplant“. Auf eine Entscheidung pro Bluecode will sich der DSGV nicht festlegen.

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