Staatsanwaltschaft durchsucht Geschäftsräume von Wirecard

5. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Staatsanwälte haben am Freitag Büros des Zahlungsdienstleisters Wirecard durchsucht. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Dax-Konzern am Freitag um kurz nach 18 Uhr veröffentlicht hat. Wörtlich heißt es in der Mitteilung: „Infolge der bereits im Markt bekannten Ermittlungen im Zusammenhang mit Ad-hoc Mitteilungen im Vorfeld der Veröffentlichung des KPMG- Sonderuntersuchungsberichts, wurden heute die Geschäftsräume des Unternehmens von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Die Ermittlungen richten sich nicht gegen die Gesellschaft, sondern gegen ihre Vorstandsmitglieder. Das Unternehmen kooperiert vollumfänglich mit den Ermittlungsbehörden.“

Wie die Staatsanwaltschaft München gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigte (siehe hier), ging der Razzia eine Strafanzeige durch die deutsche Finanzaufsicht Bafin voraus. „Wir können Ihnen bestätigen, dass vor wenigen Tagen eine Strafanzeige der Bafin gegen Verantwortliche der Wirecard wegen des Verdachtes der Marktmanipulation bei der Staatsanwaltschaft München I einging“, sagte demnach eine Sprecherin der  Strafverfolgungsbehörde.

Man ermittelte gegen den gesamten Vorstand, also vier Beschuldigte. „Der Verdacht beruht darauf, dass die Verantwortlichen der Wirecard durch die Ad-hoc-Mitteilungen vom 12.03.20 und vom 22.04.20 irreführende Signale für den Börsenpreis der Aktien der Wirecard AG gegeben haben könnten“, zitiert das „Handelsblatt“ die Sprecherin der Staatsanwaltschaft weiter.

Hintergrund: Bereits am 12. März veröffentlichte Wirecard einen in weiten Teilen entlastenden Zwischenstand der von dem Unternehmen selbst beauftragten Sonderprüfung bei der Prüfungsgesellschaft KPMG, verschob aber in der gleichen Mitteilung auch die Veröffentlichung des Jahresabschlusses vom 8. auf den 30. April (Original der Mitteilung hier).

Am 22. April wiederum hatte Wirecard per Mitteilung über die erneute Verschiebung der Veröffentlichung des KPMG-Sonderberichts auf den 27.4. informiert. Die Mitteilung nutzte Wirecard erneut für eine Zwischenmeldung, die Untersuchung liefere bislang „keine Belege für Bilanzmanipulation“ (Original der Mitteilung hier). Inzwischen ist die Veröffentlichung des Jahresabschlusses für den 18. Juni angekündigt worden.

Die Aktie von Wirecard verlor im nachbörslichen Handel bei Tradegate in der Spitze rund 11% an Wert und schloss des Späthandel mit einem Minus von 7,1% im Vergleich zum Vortag.

Wirecard wiederum schaltete am Wochenende eine neue Rubrik „Transparenz“ auf seiner Internetseite frei, indem man nochmals ausführlicher zum Vorgang Stellung nahm. „Alle von den Behörden im Rahmen der Durchsuchung angeforderten Daten wurden kurzfristig bereitgestellt“, heißt es darin. Ferner sei man „zuversichtlich, dass sich der Sachverhalt aufklären wird und die Vorwürfe sich als unbegründet erweisen werden.“

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