Live-Blog

Wirecard: Kein Testat. Aktie minus 63%. 1,9 Mrd. € fraglich

18. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Eigentlich wollte Wirecard heute mit der Vorlage eines testierten Geschäftsberichts seine Kritiker widerlegen. Es ist ein bisschen anders gekommen. Unser Live-Blog:

14:33 Uhr: Die Aktie notiert inzwischen bei 63% im Minus bei noch 38 Euro. Ebenfalls interessant: Der heutige Absturz der bis 2024 laufenden Wirecard-Anleihe auf nur noch 39% des Nennwerts – daraus errechnet sich eine Rendite von über 30%. Eigentlich hätte um 14 Uhr die Bilanz-Pressekonferenz beginnen sollen. Allerdings ist weder auf der Homepage von Wirecard ein angekündigter Stream verfügbar, noch können wir uns über die Telefonnummer der Konferenz einwählen – dort heißt es lapidar, die Bilanz-PK beginne erst um 15 Uhr. Wir beenden den Newsticker erst einmal. Weil: Auch wenn wir uns über die viele zehntausend neuen Leser freuen, die uns heute Vormittag entdeckt haben, so gilt unsere Aufmerksamkeit doch weiterhin unseren gut 27.000 Stammlesern=Newsletter-Abonnenten. Und für die müssen wir uns langsam mal an die Vorbereitung der morgigen Ausgabe machen.

12.42 Uhr: Die Wirecard-Aktie, die sich zwischenzeitlich auf minus 43% „erholt“ hatte, notiert jetzt wieder mit 48% im Minus.

11.49 Uhr: Und noch ein Auszug aus der ersten Ad-hoc, Fettung unsererseits: „Es bestehen Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder bzw. aus dem Bereich der Banken, welche die Treuhandkonten führen, unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden.“

11.38 Uhr: Bei Tradegate erholt sich die die Aktie leicht, gerade im Moment sind es im Vergleich zu gestern minus 48%.

11.28 Uhr: In einer weiteren Ad-hoc-Meldung hat sich soeben auch Wirecard-Chef Markus Braun zu Wort gemeldet. Zitat: „Wir stehen im Austausch mit dem vor Ort [Anm.: gemeint ist Asien] anwesenden Treuhänder. Frühere erteilte Bestätigungen der Banken wurden vom Wirtschaftsprüfer nicht mehr anerkannt. Alle Beteiligten sind um schnellstmögliche Aufklärung bemüht. Ob betrügerische Vorgänge zum Nachteil der Wirecard AG vorliegen, ist derzeit unklar. Die Wirecard AG wird Anzeige gegen unbekannt erstatten.“

11.20 Uhr: Entschuldigung, unser Server hatte gerade wieder ein paar Aussetzer. Zur Erläuterung: Wir sind normalerweise ein B2B-Newsletter für die Finanzbranche. Dass die halbe Republik unsere Webseite ansteuert, sind unsere Server nicht gewohnt. Die Wirecard-Aktie war übrigens gerade eben um 61% im Minus.

10.58 Uhr: Und noch ein Auszug aus der „DGAP“-Mitteilung, der einen schaudern lässt: „Wenn ein testierter Jahres- und Konzernabschluss nicht bis zum 19. Juni 2020 vorgelegt wird, können Kredite der Wirecard AG in Höhe von ca. 2 Mrd EUR gekündigt werden.“ Anmerkung der Finanz-Szene.de-Redaktion: Der 19. Juni … ist morgen.

10.55 Uhr: Uff – die Mitteilung, die eben über „DGAP“ (also über die „Deutsche Gesellschaft für Ad-hoc-Publizität“) lief, hat es fürwahr in sich. Auszug: „Der Abschlussprüfer der Wirecard AG, die Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, München, hat die Wirecard AG darüber informiert, dass über die Existenz von im Konzernabschluss zu konsolidierenden Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von insgesamt 1,9 Milliarden Euro (dies entspricht in etwa einem Viertel der Konzernbilanzsumme) noch keine ausreichenden Prüfungsnachweise zu erlangen waren.“

10.52 Uhr: Aktie bei Tradegate minus 37% auf 66 Euro.

10.46 Uhr: Soeben (exakt um 10.43 Uhr) läuft über „DGAP“: „Wirecard AG: Veröffentlichungstermin für Jahres- und Konzernabschluss 2019 verschoben wegen Hinweisen auf Vorlage unrichtiger Saldenbestätigungen“

9:14 Uhr: Vielleicht an dieser Stelle (und während alle warten) eine kurze Erläuterung, was den Tag aus Kapitalmarktsicht so dramatisch macht: Es ist (auch) die extrem hohe Zahl leer verkaufter Aktien von Wirecard – laut Daten des US-Datendienstleisters S3 Partners (siehe diesen Tweet) sind knapp 28 Millionen Wirecard-Aktien im Wert von knapp drei Mrd. Euro leer verkauft. Das sind erheblich mehr, als meldepflichtig (also mit je mehr als 0,5% der Aktien pro Leerverkäufer) „short“ sind – und entspricht rund einem Viertel aller frei handelbaren Aktien. Die Leerverkäufer dieser Aktien setzen darauf, dass die Kurse einbrechen und sie sich tiefer wieder „eindecken“ können. Zurückkaufen müssen sie die Aktien aber irgendwann ohnehin. Und die Optimisten hoffen: Womöglich, wenn Wirecard ein uneingeschränktes Testat vorlegt und alle Zweifel ausräumen kann. In diesem Fall dürfte es zu Kursanstiegen und einer möglichen „Panik“ unter den zahlreichen Leerverkäufern kommen, die die Kurse dann mit ihren Käufen zur Verlustbegrenzung noch weiter treiben. Man spricht auch von einem „Short Squeeze“. Die Schlacht zwischen Leerverkäufern und „Bullen“ – sie könnte heute entschieden werden.

8.54 Uhr: Eine ganz große Entschuldigung übrigens, dass unsere Seite heute unzuverlässig (bzw.: zeitweise komplett down) ist. Wir haben offenbar das, was wir den Banken sonst gern mal vorwerfen – nämlich Serverprobleme.

8.52 Uhr: Also, in der IR-Abteilung von Wirecard heißt es auf Nachfrage, der Bericht komme definitiv im Laufe des Vormittags. Alles gut also.

[Website von Finanz-Szene.de down]

7.25 Uhr: Immer noch nix. Aber die fünf Minuten kriegen wir auch noch rum.

7.22 Uhr: Die Wirecard-Aktie übrigens hat sich gestern Abend auf 104 Euro geschraubt, der höchste Stand seit dem Crash Ende April.

7.11 Uhr: Die Ausgangslage ist ja so weit klar. Ursprünglich war die Veröffentlichung des Geschäftsberichts bereits für den 8. April geplant. Stattdessen kündigte Wirecard Mitte März an, der Abschluss werde erst am 30. April kommen. Einen Tag vorher jedoch legte KMPG seinen „Sonderprüfbericht“ zu Wirecard vor – und ging dabei hart mit dem Dax-Konzern ins Gericht. Daraufhin hieß es dann, der Geschäftsbericht werde am 4. Juni vorgelegt. Bis Ende Mai die Meldung kam, es dauere bis zum 18. Juni …

6.59 Uhr: Wär’s ein Fußballspiel, könnten wir wenigstens schon mal die Aufstellungen abdrucken …

6.50 Uhr: Noch ist nichts passiert. Auch noch keine Ad-hoc oder so draußen.  Aber falls Sie sich fragen, ob wir schon wach sind, liebe Leserinnen und Leser … Sind wir!

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