Exklusiv

Visa bürdet hiesigen Acquirern deutlich höhere Gebühren auf

28. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Visa hat gegenüber hierzulande tätigen Acquirern eine saftige Erhöhungen der sogenannten  „Scheme Fees“ angekündigt. Dabei handelt es sich um  Gebühren, die die großen Kreditkartenkonzerne gegenüber Zahlungsdienstleistern wie Evo Payment oder Wirecard erheben – und die diese wiederum gegenüber Händlern und sonstigen Akzeptanzstellen wie Restaurants, Shops und Taxi-Betreibern weiterberechnen dürfen.

Laut einem mittlerweile wieder gelöschten Tweet eines Brancheninsiders soll es zumindest in einem Einzelfall um eine Erhöhung von 92% bis 100% gemessen an den bisherigen „Scheme Fees“ gehen. Diverse Payment-Experten bezeichneten diese Dimensionsen gegenüber Finanz-Szene.de als plausibel – definitiv verifizieren konnten wir die Zahlen allerdings nicht. Visa erklärte auf Nachfrage lediglich: „Wir überprüfen unser Preismodell jährlich und nehmen Anpassungen vor, damit wir Kunden und Karteninhabern die Dienstleistungen anbieten können, die sie erwarten.“

Was man zu all dem wissen muss: Wer Kreditkarten als Zahlungsmittel akzeptiert, muss sich bei seinem Acquirer – also der Hausbank oder einem anderen Partner wie Wirecard, Adyen und Co. – zwischen zwei Modellen entscheiden. Das eine ist das sogenannte „Blended Pricing“. Dabei handelt es sich um eine Pauschalgebühr, die sämtliche Kosten abdeckt, die einzelnen Posten aber nicht näher aufschlüsselt. Das „Blended Pricing“ kommt vor allem bei kleineren Händlern und Dienstleistern mit überschaubarem Umsatz zum Einsatz.

Das andere Preismodell wird „Interchange++“ genannt. Hier werden die Gebühren, die der Akzeptanzstelle für Transaktionen in Rechnung gestellt werden, in ihre wesentlichen Bestandteile zerlegt. Das sind:

  • die „Interchange Fee“
  • die „Scheme Fees“ und
  • die „Processing Fees“

Diese drei Gebühren werden dem Händler direkt belastet auf Basis seines Umsatzes und der Transaktionen. Die Interchange Fee (Interbankenentgelt) ist indes seit 2015 aufgrund einer EU-Verordnung auf 0,3% (Kreditkarten) bzw. 0,2% (Debitkarten) gedeckelt. Das heißt: Gebührenerhöhungen spielen sich vor allem (wie jetzt bei Visa) bei den „Scheme Fees“ oder eben bei den „Processing Fees“ ab. Näherungsweise macht die Interchange-Fee zwei Drittel, die übrigens Kosten ein Drittel der Gesamtgebühren aus, wobei diese Werte je nach Branche, Unternehmensgröße und Transaktion schwanken.

Der Endkunde sieht von alldem nichts, da gesonderte Kartengebühren verboten sind – und auch der Händler hat wenig Verhandlungsspielraum, denn die „Scheme Fees“ sind Gegenstand von Verträgen zwischen dem Acquirer und den Kreditkartenorganisationen Mastercard und Visa. Heißt: Berechnet der Acquirer dem Händler die Gebührenerhöhung weiter, bleibt dem kaum etwas anderes übrig, als den Aufschlag zu akzeptieren. Er wird ihm direkt weiterbelastet. Nutzer der „Blended Fee“-Strukturen sind von solchen Erhöhungen zwar nicht unmittelbar betroffen. Indirekt dürften die Acquirer die bei ihnen anfallenden  Kosten indes auch hier demnächst in Preisrunden weiterreichen.

Da es sich beim differenzierenden „Interchange ++“ Modell um individuelle B2B-Verträge zwischen den Kreditkarten-Organisationen und Acquirern handelt, gibt es auch keine belastbaren Zahlen, wie hoch genau die „Scheme Fees“ und „Processing Fees“ sind und wie sie sich verändert haben. Eine Indikation liefert diese Übersicht von Six Payment Services.

Branchenbeobachtern zufolge zieht Visa hier in der aktuellen Runde aber lediglich nach – nachdem Mastercard die entsprechenden Gebühren bereits mehrfach aggressiv angehoben habe. Alleine zwischen 2015 – also dem Jahr der Deckelung der „Interchange Fees“ und 2017 haben sich die „Scheme Fees“ nach Berechnungen des Einzelhandelsverbands HDE von rund 0,1% auf über 0,2% des Transaktionswerts mehr als verdoppelt und sind seitdem nochmals gestiegen. Genau hier setzt nun auch die neuerliche Erhöhung ein. Zudem sind die Kreditkarten-Schemes sehr kreativ in der Gestaltung ganz neuer Gebühren. Selbst Marketingaufwendungen („German Card Promotion Fund“) werden bislang weiterbelastet.

Hier eine Grafik des HDE, der die Gebühren systematisiert (Quelle)

 

Wie die jüngste Gebührenerhöhung einzuordnen ist – darüber gibt es innerhalb der Payment-Branche Dissens. Grob gibt es folgende Auffassungen:

  • Kritiker monieren das Pricing selbst und die Kreativität in der Schaffung neuer Gebühren, die für sich genommen zwar minimal seien –  sich aber aufsummierten und letztlich der Verbreitung von Karten als Zahlungsmittel schadeten. Die Kappung der Interbankenentgelte habe letztlich zu einer Verlagerung hin zu neuen, unregulierten Gebühren geführt. Dabei würden Mastercard und Visa ihre Marktstellung ausnutzten. Die Forderung der Kritiker lautet daher: Der „Interchange-Deckel“ soll ausgeweitet, kreative und ungerechtfertigte Gebühren verboten werden.
  • Ein Gegenargument lautet, es seien gerade Visa und Mastercard, die Innovationen vorantrieben und die Verbreitung von Kartenzahlungen erhöht hätten, auch durch umfangreiche Marketing- und Innovations-Investitionen. Visa etwa machte zuletzt mit Zukäufen auf sich aufmerksam, vergangene Woche mit der 5,3 Mrd. Euro schweren Übernahme von Plaid. Die müssten bezahlt werden, erst Recht, seit sich mit der Deckelung der Interbanken-Entgelte ein aggressiver Markteingriff erfolgt sei.

Nicht zuletzt dürfte Visa die Gebührenerhöhung auch aus Zeitgründen vollzogen haben: In diesem Frühjahr wird jene EU-Verordnung an, in der es unter anderem um den „Interchange-Deckel“ geht, einer eingehenden Überprüfung unterzogen wird. Nicht ausgeschlossen, dass dass die maximale Interchange-Gebühr dann weiter sinken oder die Deckelung ausgeweitet wird.

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