Kurz gebloggt

Wann begannen bei Wirecard die Bilanz-Manipulationen?

5. Juli 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Wann begann Wirecard, die Bilanzen zu manipulieren? Erst in den letzten Jahren, weil das tatsächliche Wachstum erst da mit dem versprochenen nicht mehr mithalten konnte? Schon um 2011 herum, als die US-Behörden das Online-Gambling faktisch verboten (was als Abwickler der entsprechenden Zahlungen auch Wirecard hart getroffen haben soll)? Oder sogar noch früher? Die „FT“ jedenfalls schreibt unter Verweis auf den unveröffentlichten Appendix des KPMG-Sonderprüfbericht, Wirecards Kerngeschäft habe auch 2016 -2018 schon Verluste erlitten. Und der „Spiegel“ erklärt seinen Lesern: „Die Ermittler vermuten, dass [Wirecards langjähriger Chef] Braun und seine Truppe schon in den Nullerjahren begannen, Umsätze aufzublähen.“ Zudem gehe die Staatsanwaltschaft davon aus, dass rund um Braun und den flüchtigen Ex-Vorstand Marsalek „eine erhebliche Anzahl von Wirecard-Managern und Externen an dem Bilanzschwindel beteiligt war“.  In diesem Kontext rückt der „Spiegel“ auch den Mann in den Fokus, der von 200x bis Ende 2017 „Herr über die mutmaßlich seit vielen Jahren schon falschen Bilanzen war“. Nämlich den einstigen Sal.-Oppenheim-Banker und Wirecard-Ex-Finanzchef Burkhard Ley (der sich gegenüber dem Magazin nicht äußern wollte). „Spiegel“ (Print, S. 66/67), Financial Times (Paywall)

Dass es zwischen der Deutschen Bank und Wirecard erstaunlich viele Links gab, hatten wir vorletzte Woche ja schon mal aufgedröselt (die Kollegen von „Bloomberg“ haben in der Sache übrigens tiefer gegraben und u.a. herausgefunden, dass irgendwann angeblich die – bekanntlich risikobewusste – Oldenburgischen Landesbank die Kreditbank Markus Brauns gewesen sein soll). Jedenfalls: Bemerkenswert ist und bleibt, dass nach allem, was man weiß, ausgerechnet die Deutsche Bank bei Wirecard letztlich nicht mehr im Risiko war. Vermutlich macht auch das den guten Corporate-Banker aus: Den Infight beherrschen – aber beizeiten eben auf Distanz gehen. Sting like a bee, float like a butterfly. Wer sich Ende letzter Woche als Retter der Wirecard Bank AG ins Spiel gebracht hat, werden Sie mitbekommen haben – die Deutsche Bank.

Wirecard-Kurznews: Nach Aldi Süd (unser Scoop von Donnerstagfrüh wurde wenige Stunden später vom Unternehmen bestätigt) hat sich auch Aldi Nord im Eilverfahren einen neuen Acquirer gesucht – allerdings nicht Payone, sondern die Amerikaner von Fiserv bzw. First Data (Business Wire) +++ Finanzminister Olaf Scholz hat die Pläne, die Bafin im Zuge des Wirecard-Skandals zur stärken, noch einmal bekräftigt. Sprich: Mehr Befugnisse, mehr Personal (Zeit.de)

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