Kurz gebloggt

Warum die Lavego-Übernahme für Unzer sehr viel Sinn macht

9. Dezember 2020

Von Marcus W. Mosen*

Warum ist die Übernahme des Münchner Netzbetreibers Lavego durch Unzer (also durch die ehemalige Heidelpay, hinter der wiederum der US-Finanzinvestor KKR steht) so ein spannender Deal? Eine Einordnung:

Die Lavego AG in München ist der einzige verbliebene, interessante Girocard-Netzbetreiber, den man im deutschen Markt noch kaufen konnte. Wenn man sich die Liste der „zugelassenen Netzbetreiber im electronic cash-System“ (eigentlich müsste es Girocard-System heißen) ansieht, wird man feststellen, dass alle anderen Netzbetreiber bereits wegkonsolidiert wurden, oder eher als eine Art „Inhouse-Plattform“ geführt werden (z.B. Douglas, REWE, BP) und daher nicht wirklich als Plattform für Dritthändler sinnvoll einsetzbar sind.

Insofern ist Unzer hier – nach der Beteiligung an der cloudbasierten Kassenlösung Tillhub – eine strategisch sehr interessante Akquisition gelungen. Die Alternative, den Netzbetrieb selbst zu entwickeln (das ist der Weg, den Computop und Adyen gegangen sind), setzt neben Kapital auch Zeit sowie spezifisches Knowhow voraus. Das ist kein einfaches Projekt für die grüne Wiese. Zumal: Bei einem von Private Equity gehaltenen Unternehmen wie Unzer geht es immer auch um Zeit und Geschwindigkeit.

Lavego bringt der früheren Heidelpay daher in mehrerer Hinsicht Nutzen und Vorteile:

  1. Unzer ergänzt die Wertschöpfungskette um ein wichtiges Glied, nämlich um den technischen Netzbetrieb für den POS. Spricht: Plötzlich ist man omnichannel-fähig
  2. Unzer bekommt durch den Zukauf eine eigene Plattform, auf die man bereits erworbenen kaufmännische Netzbetreiber wie Startec migrieren kann (Synergieeffekte)
  3. Mit dem Lavego-Gründer Florian Gohlke und dessen Team hat Lavego sicherlich eines der erfahrensten Entwicklungsteams in der deutschen Payment-Landschaft jetzt an Board …
  4. … womit Unzer künftig über das Knowhow und die Innovationsfähigkeit verfügt, noch stärker ins Crossborder-Processing vorzudringen
  5. Hierbei dürfte auch der Zugang zum Nexo-Standard helfen, den sich Unzer durch den Zukauf gesichert hat
  6. Im Übrigen ist die Lavego-Plattform eine selbstentwickelte, hochskalierbare Plattform und nicht einfach nur der Betrieb einer von Worldline lizensierten Poseidon-Plattform (Vorteil: geringere Entwicklungskosten)

Die Anzahl der Händler, die Teil der Akquisition sind, dürfte sich m.E. eher im vierstelligen Bereich bewegen. Also nicht die Welt. Darunter sind aber auch Tankstellen, ein Segment, dass unter „e-Mobiliy“-Gesichtspukten interessant werden könnte.

Ein letzter Aspekt: First Data (Telecash) wird von dem Unzer-Lavego-Deal nicht begeistert sein. Denn für viele Händler, die Unzer in den letzten Jahren mittels Akquisitionen kaufmännischer Netzbetreiber „erworben“ hat, braucht die Ex-Heidelpay bislang First Data als Dienstleister. Jetzt hat man die entsprechenden Kompetenzen im eigenen Haus.


*Marcus W. Mosen ist einer der profiliertesten deutschen Payment-Experten und schreibt regelmäßig für Finanz-Szene.de

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