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Warum die neue europäische Payment-Allianz kein Papiertiger ist

7. Mai 2020

Von Marcus W. Mosen*

Es war eine Nachricht, die zunächst nur den Payment-Geeks aufgefallen sein dürfte: Führende digitale europäische Zahlungsdienstleister – konkret: Ingenico (mit der deutschen Payone), Nets (mit der deutschen Concardis), Nexi und Worldline –  haben gestern die Gründung eines europäischen Branchenverbands verkündet, die „European Digital Payments Industry Alliance“, kurz: EDPIA.

Eine Randnotiz? Vielleicht. Vielleicht könnte aus der Allianz der vier Payment-Schwergewichte aber auch mehr werden als eine reine Lobby-Gruppierung. Die Gründe:

  • Die Marktkapitalisierung der vier Unternehmen liegt zusammen bei deutlich über 30 Mrd. Euro. Allein diese Hausnummer könnte Fantasien wecken …
  • Drei der vier Unternehmen sind börsennotiert. Der einzige „private“ Player sind die Dänen von Nets. Hinter denen stehen  die Finanzinvestoren Hellman & Friedman, Advent International sowie Bain Capital. Wobei Advent International und Bain Capital auch wesentliche Gesellschafter bei der börsennotierten Nexi sind.
  • Zeichnet sich hier eine weitere Konsolidierung in der europäischen Payment-Branche ab? Wenn wir in Europa ein wirkliches Gegengewicht zu den Payment-Giganten in Amerika oder Asien schmieden wollen, dann wäre diese Vision nicht nur offensichtlich, sondern sogar konsequent.
  • Gilles Grapinet, CEO von Worldline, ist der erste Präsident der Vereinigung. Die NZZ bezeichnete ihn kürzlich als den „Totengräber des Bargelds“. Das ist natürlich eine polemische Bezeichnung. Andererseits: Es wird ja nun seit Monaten über ein neues europäisches Bezahlverfahren (European Payment Initiative) diskutiert. Kann es sein, dass sich die Allianz für diese digitale Zukunftsvision schon einmal in Position bringt?
  • Covid 19 hat auch die Payment-Branche an vielen Stellen hart getroffen. Auch weil die Krise aufdeckt, dass die Digitalisierung am POS wie im E-Commerce noch viel innovativer gestaltet werden kann, als es heute der Fall ist. Um Innovationen im Markt durchzusetzen, bedarf es aber einer starker Marktposition, und dies nicht nur in einem Land, sondern in vielen Regionen. Die vier Player decken sowohl Nord-, Mittel- und Südeuropa als Teile Osteuropas ab. Das ist eine Chance für die Digitalisierung des Payments in der EU.

Wird aus der losen politischen Verbindung der vier Schwergewichte bald eine echte unternehmerische Allianz? Oder sogar noch mehr?

*Marcus W. Mosen ist einer der profiliertesten deutschen Payment-Experten und Gastautor bei Finanz-Szene.de

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