Kurz gebloggt

Was ist mit den anderen Bilanz-Positionen von Wirecard?

23. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die wichtigsten Neuigkeiten zum Wirecard-Komplex des Tages im Überblick:

Was machen die oben schon erwähnten Gespräche zwischen Wirecard und den Kreditbanken eigentlich? Bis Redaktionsschluss um 5 Uhr heute Früh wurde jedenfalls immer noch kein Durchbruch verkündet. Was es dabei zu bedenken gilt: Bei der Einordnung von Wirecards bilanzieller Verfassung geht es ja nicht nur um die besagten 1,9 Mrd. Euro (die bekanntlich Teil der Cash-Position waren bzw. von Wirecard so definiert wurden). Sondern: Was zum Beispiel ist mit den immateriellen Vermögenswerten? Was mit den sogenannten „Forderungen aus dem Acquiring-Bereich“? Dann hat Wirecard als „Merchant Cash Advance“ bezeichnete Kredite an Online-Händler vergeben. Und nicht zu vergessen die „Forderungen aus dem Fintech-Bereich“, bei denen nie so richtig klar wurde, was die eigentlich mit Wirecards eigentlichem Geschäftsmodell zu tun haben. Jedenfalls: Wie werthaltig ist das alles? Auch die Kreditbanken haben lange weggeschaut. Dieser Tage schauen sie ganz genau hin. Wirecard-Abschluss 2018 (PDF)

Apropos weggeschaut: Während sich etliche Vortragende beim „Frankfurt Finance Summit“ gestern um das Thema des Tages herumwanden, wählte Felix Hufeld – sprich: der Chef der Bafin, die sich in der Causa Wirecard ja auch nicht mit Ruhm bekleckert hat – wohltuend klare Worte: Es handele sich um „eine Schande“  und ein „totales Desaster“, so der oberste deutsche Finanzaufseher. Und aufs eigene Haus bezogen ergänzte er: „Wir sind nicht effektiv genug gewesen, um zu verhindern, dass so etwas passiert.“ Das „Manager Magazin“ berichtet derweil, dass die Bafin nach dem verheerenden KPMG-Sonderprüfbericht von Ende April Pläne entwickelt habe, Wirecard unter die eigene Aufsicht zu stellen – ein Projekt, das von den Ereignissen der vergangenen Tage in gewisser Weise überholt worden ist.

Wenn wir uns recht erinnern, dann verfolgten im Fall Wirecard ja nicht nur die Bafin, sondern auch die Staatsanwälte in München lange Zeit eher nicht die richtigen Fährten. Freilich: Auch hier hat man sich längst eines Besseren besonnen. So berichtet die „Süddeutsche Zeitung“, mit dem Fall befasste Wirtschaftsanwälte gingen davon aus, dass die StA München Haftbefehle gegen Ex-Chef Markus Braun sowie gegen dessen Adlatus und Ex-Mitvorstand Jan Marsalek beantragen werde. „Mein Mandant wird sich dem Verfahren selbstverständlich stellen“, zitiert die Zeitung den Anwalt von Braun. Die Staatsanwaltschaft prüft nach eigener Aussage „alle in Betracht kommenden Straftaten“. Süddeutsche Zeitung

Wirecard-Snippets: Laut „Bloomberg“ hat Wirecard im vergangenen Jahr ernsthaft ein Zusammengehen mit der Deutschen Bank erwogen – und in Frankfurt sogar antichambriert in der Sache. Dort habe man dem Zahlungsdienstleister allerdings rasche eine Absage erteilt. Der Projektname? Panther. (Bloomberg) +++ Der Wirecard-Treuhänder auf den Philippinen beteuert, er habe keinerlei Kenntnis von „angeblichen Ungereimtheiten“ (Spiegel) +++ Die Wirecard Aktie ist gestern um weitere -47% auf 13 Euro gestürzt +++ Die Anleihe schmierte derweil auf nur mehr 26% vom Nennwert ab. +++ Moody’s hat Wirecard das Rating komplett entzogen (Wiwo) +++ Dem suspendierten Vorstand Marsalek ist gestern endgültig gekündigt worden (Reuters)

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