Aus der Szene

Wie die deutschen Banken den „War on Cash“ perfektionieren

21. April 2020

Von Heinz-Roger Dohms

LiLiebe deutsche Kreditwirtschaft, nachdem wir uns dieser Tage mal von einem einfachen (und sehr kompetenten) Sparkassen-Manager da draußen haben schildern lassen, welchen irren Aufwand das Thema „Bargeldversorgung“ verursacht … nun: Wir konnten vorher schon und wir können jetzt noch besser verstehen, warum Du den ganzen Cash-Kladderdatsch am liebsten abschaffen und auch noch den letzten Deiner Kunden mit einer kontaktlosen Girocard zwangsbeglücken würdest.

Indes, wie weit darf man gehen? Oder anders gesagt: Ihr lasst jetzt allen Ernstes …

  • in einer als „Zeit“-Interview maskierten Werbeanzeige …
  • … einen um die Volksgesundheit besorgten Hygiene-Experten namens „Dr. Georg-Christian Zinn“ auftreten.
  • Dieser Dr. Georg-Christian Zinn gibt in dem Fake-Interview zunächst den gönnerhaften Onkel, der …
  • die „motivierten Krankenschwestern“ und die „motivierten Pfleger“ hervorhebt, …
  • … bevor er den Rest der Bevölkerung mit einer nicht ganz widerspruchsfreien Mischung aus Lob und Tadel bedenkt („Ich möchte auch die Bevölkerung loben, es machen alle großartig mit“; „Wir machen das schon sehr gut, aber das mit dem Abstand halten, das muss noch besser werden“; „Ich sehe junge Leute in Gruppen im Park sitzen, da hört der Spaß auf.“).
  • Dann wendet sich das vermeintliche „Zeit“-Interview scheinbar unvermittelt einem neuen Thema zu, nämlich dem Thema „Einkaufen“.
  • Herr Dr. Georg-Christian Zinn wäre nicht Herr Dr. Georg-Christian Zinn, hätte er nicht auch zu diesem Stichwort Tiefgründiges mitzuteilen: „Bei uns in der Familie kauft nur noch eine Person ein, und wir überlegen genau wann – nämlich nicht Samstagmorgen um 10 Uhr, wenn viele einkaufen gehen.“
  • Damit ist das angebliche „Interview“ nun beim Thema „Obsttheke“ angelangt (Dr. Zinn: „Wenn es beim Obstregal gerade etwas trubelig ist, einfach erst den Reis holen und später zurückkehren“), von wo es im wörtlichen wie im übertragenen Sinne nur noch eines kleinen Sprungs bedarf, …
  • … bis das Fake-„Interview“ schließlich (welch‘ unvorhergesehener Gesprächsverlauf!) beim Bezahlvorgang an der Supermarktkasse landet.
  • Und jetzt endlich kann der Hygiene-Onkel Zinn einen Satz sagen, den er womöglich schon sein ganzes Leben lang sagen wollte, hätte ihm die deutsche Kreditwirtschaft nur schon früher die Gelegenheit dazu gegeben. Der Satz lautet: „Bargeld ist nicht sauber. Das haben mir schon meine Eltern beigebracht.“

Ist das nun eine genial gemachte Anzeige? Sozusagen der „War on Cash“ in Vollendung? Oder ist es perfide? Oder ist es einfach nur beknackt?

Zumindest eines ist sicher: Der Fake ist real. Glauben Sie nicht? Voilà: Die Zeit

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