Kurz gebloggt

Wie die DKB ihren Kunden die Girocard madig macht

3. Juni 2020

Von Christian Kirchner und Hendrik Dahlhoff

Eigentlich sind die Dinge ja ganz einfach: Wer in Deutschland bei einer führenden Direktbank ein Girokonto eröffnet, der bekommt …

  • Bei der Comdirect: eine Girocard und eine Visa-Karte.
  • Bei der ING: eine Girocard und eine Visa-Karte
  • Bei der DKB: eine Girocard und eine Visa-Karte
  • Bei der Consorsbank: eine Girocard und eine Visa-Karte

… womit schon mal deutlich wird, wie es Visa gelungen ist, dem Rivalen Mastercard im hiesigen im Kreditkartengeschäft in den letzten Jahren auf die Pelle zu rücken. Noch vor fünf Jahren war Mastercard mit 19 Mio. ausstehenden Kreditkarten klarer Marktführer hierzulande, Visa kam auf 13 Mio. Karten (Daten via kreditkarte.net). Per Ende 2019 stands dann 17,1 Mio. Karten (Visa) zu 17,5 Mio. Karten (Mastercard). Also quasi gleichstand.

Nun ist ein solches Kartendoppel aus Girocard und Kreditkarte für den Kunden eine doppelte Sicherheit: Jede fungiert als „Backup“ der anderen. Und tatsächlich scheitern Kunden mit reinen Kreditkarten manchmal an der Kartenzahlung in Läden, die nur Girocards akzeptieren – mit der Girocard aber wiederum Online, im Ausland oder wenn eine Kreditkarte beispielsweise Bedingung für eine Automiete ist.

Für die Bank bedeutet das aber: Doppelte Prägungen. Doppelte Administration. Und vor allem: unterschiedliche Gebühren. Die dürfen nämlich gesetzlich aus Sicht der ausgebenden Bank (Scheme Fees einmal außen vor) maximal 0,2% bei Girocards/Debitkarten und 0,3% bei Kreditkarten betragen.

Früher ein vernachlässigbarer Unterschied, erst recht mit Blick auf die horrenden Gebühren, die noch bis zur Regulierung 2015 drin waren. Heute aber sind die (je nach Blickwinkel 33% bzw. 50% Differenz) ein Pfund. Zumal die Häufigkeit der Karteneinsätze steigt und der digitale Zahlungsverkehr durch die Corona-Pandemie noch mal einen Schub bekommen hat.

Und schon sind wir mittendrin in der Geschichte, die wir eigentlich erzählen wollen. Denn bei fast allen oben genannten Banken führen Girocard und Visa-Kreditkarte – so sehr wir Journalisten uns auch mühen, zu zündeln – eine an sich friedliche Koexistenz in der Markenführung.

Was allerdings nicht bzw. nicht mehr für die DKB gilt – wie spätestens seit letzter Woche aufmerksamen Twitter-Nutzern klar ist. Denn dort postete ein Kunde eine E-Mail, die er gerade vom DKB-Kundenservice erhalten hatte und in der stand:

„Sie haben zwei Karten von uns erhalten (…) Lassen Sie Ihre Girocard einfach gleich zu Hause“.

Offensiver wurden die Interessen einer Bank selten kommuniziert. Der Head of Payments der DKB, Marcus Petzold, twitterte gleich darunter, das sei „für uns nichts Neues“, bei der DKB habe man „Kreditkarten doch schon immer am liebsten“.

Letzteres mag so sein – um nicht zu sagen: Letzteres ist so. Aber wurde die Vorliebe für die Visa-Card (die ja eine Brüskierung der Girocard und damit der Deutschen Kreditwirtschaft gleichkommt) auch schon immer soooo offensiv kommuniziert?

Und übrigens nicht nur bei Twitter. Die Landing-Page zur Eröffnung des Girokontos (siehe hier) liefert gleich den nächsten Beleg: Nicht weniger als 11-mal taucht dort das Wort „Kreditkarte“ auf, weitere sechs Mal ist eine solche fotografisch oder als Logo abgebildet. Die Girocard kommt auf eine Nennung und kein Bild. „Spannend, wie sehr die Girocard dort in den Hintergrund gerät, als wenn man sie bald abschaffen wollen würde ;)“, twittert der Blogger Torsten Maue dazu. „Das DKB-Cash ist ein Paket aus Girokonto und Kreditkarte. Insofern steht die Kreditkarte bei der Bewerbung des Produkts im Vordergrund“; antwortet der DKB Digital Marketing Manager.

Nun muss man nicht zur journalistischen Zuspitzung neigen, um zu kapieren: Die DKB wäre die Girocard ganz offenbar lieber früher als später los, wären da nicht die Kunden, die ohne Girocard nicht können und wollen. Nachfrage daher von Finanz-Szene.de bei der DKB, was die Anti-Girocard-Offensive soll? Antwort:

„Unsere Kunden können frei entscheiden, welche der von uns kostenfrei angebotenen Kredit- wie auch Girokarten zur Nutzung kommt. Wir stellen unseren Kunden grundsätzlich beide Karten zur Verfügung.“ Man müsse bedenken, „dass die DKB-Kreditkarte für unsere Kunden seit jeher die größere Nutzbarkeit“ habe.

Das „Endgame“ zwischen der Girocard und den US-Schemes scheint so langsam zu beginnen. Was natürlich auch „nichts Neues“ ist. Aber spannend.

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